Gott und der Banker

22. August 2010, 17:31
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Stephen Green, Vorstand der HSBC, gelingt eine beeindruckende moralische Verteidigung des heutigen Finanzsystems

Es mag paradox klingen, wenn ein Banker in Zeiten wie diesen über Moral in der Finanzwelt schreibt. Doch Stephen Green, Vorstand der weltgrößten Privatbank HSBC, gelingt eine beeindruckende moralische Verteidigung des heutigen Finanzsystems. Green, der auch anglikanischer Priester ist, demonstriert, dass christliche Werte mit der Bankenwelt nicht unvereinbar sind.

Wie der Mensch, so ist auch der Kapitalismus unvollkommen. Dennoch ist dieses System keine Ideologie wie die anderen Ismen des 20. Jahrhunderts, sondern ein Phänomen und daher die einzige Zukunftsoption. Mit einer Reihe von überzeugenden Beispielen zeigt Green, dass der Handel in der menschlichen Natur liegt. Zudem sieht er im regulierten Markt einen "äußerst leistungsfähigen Diener der Menschheit". Neben seinen eigenen Erfahrungen diskutiert Green auch die Ideen großer Denker, wobei das Spektrum von Shakespeare hin zu Friedman und Smith reicht. Die Welt ist heute so komplex, dass der Verlust von Gewissheit die Menschen in einer Faust-ähnlichen Art nach immer mehr Macht auf dem globalen Bazar streben lässt. Daran knüpft auch Greens Forderung an, Finanzinstitutionen mögen mehr Verantwortung übernehmen, angefangen bei den Vorständen.

Das Buch verschafft auch Nicht-Wirtschaftsexperten einen tiefen Einblick in die Materie. (Igor Pejic, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.8.2010)

  • Stephen Green: "Wahre Werte: Über Moral, Geld und die Zukunft." 
FinanzBuch Verlag, 2010, 25,60 Euro

    Stephen Green: "Wahre Werte: Über Moral, Geld und die Zukunft." FinanzBuch Verlag, 2010, 25,60 Euro

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