"Ein paar sehr harte Neuigkeiten"

21. August 2010, 21:03
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Sieben Wochen vor seinem Tod musste Regisseur eine Ruhrtriennale-Produktion kurzfristig absagen

Berlin/Gelsenkirchen - Sieben Wochen vor seinem Tod musste der an Lungenkrebs erkrankte Regisseur Christoph Schlingensief die Produktion "S.M.A.S.H.", die für das Kulturfestival Ruhrtriennale geplant war, kurzfristig absagen. In einem Brief an sein Team und die Festivalleitung bedauerte er die Entscheidung. Die Nachrichtenagentur dpa dokumentiert Auszüge aus dem Schreiben, die das Festival am 2. Juli veröffentlichte.

"Es gibt jetzt leider ein paar harte Neuigkeiten, denen sofort nachgegangen werden muss! Meine Ängste während unserer letzten Produktion 'Via Intolleranza II' haben sich leider bestätigt, und schon diese Arbeit war ein harter Kampf, den ich nur mit Eurer Hilfe bewältigen konnte.

Bitte versteht mich, wenn ich jetzt Zeit brauche und eben nicht darüber phantasieren möchte, ob ich in dieser Situation nicht die Möglichkeiten mich künstlerisch auszudrücken, gerade nutzen sollte. Die Zeit verlangt aber gerade den reinen Realismus, und der Ausdruck kommt so oder so. Ob durch mich oder andere, die darüber ihre eigenen Existenzfragen beantworten wollen. Vielleicht kann 'S.M.A.S.H.' sogar später noch stattfinden. Die Erfahrungen gehen doch weiter, und die damit verbundenen Gedanken werden sowieso einfließen ... Aber bitte lasst (meiner Frau) Aino, meinen Freunden und mir jetzt diese Zeit, und Willy Decker und Ulrich Khuon haben das auch sofort verstanden.

Es ist für uns alle sehr bitter ... aber ich sehe nach sehr gründlichen und traurigen Überlegungen: diese Arbeit zu diesem Zeitpunkt würde keine Kraftspende, sondern nur ein höchstriskantes 'Spielchen' werden, das nur den einen Zweck hätte, nämlich so zu tun, als wäre die beste Therapie: Augen zu und durch. Und das darf jetzt auf keinen Fall passieren.

Aino und ich haben uns unglaublich auf diese Arbeit gefreut. Wieder bei der Ruhrtriennale arbeiten zu können, die mir schon vor zwei Jahren zu Beginn dieser nicht enden wollenden Krise sehr geholfen hat, wäre für mich eine große Ehre gewesen! Aber nun heißt es, schnell auf die neuen Befunde reagieren, und dann erst sehen wir weiter. Ich danke Euch allen und vermisse Euch schon jetzt! Ich hoffe sehr, dass wir die jetzt entstandene Situation bewältigen werden. Euer Christoph!"(APA/dpa)

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