Reaktionen

Jelinek: "Es kann keinen wie ihn mehr geben"

22. August 2010 17:46

Literaturnobelpreisträgerin: "Schlingensief war einer der größten Künstler, die je gelebt haben"

Wien - "Schlingensief war einer der größten Künstler, die je gelebt haben", schreibt Elfriede Jelinek in einer ersten Reaktion auf den Tod des deutschen Regisseurs und Filmemachers. "Mit einer so unglaublichen Kraft hat er alle um sich geschart, seine Gruppe Behinderter, dann auch Schauspielerinnen, Schauspieler, Menschen, die wie von einer umgekehrten Fliehkraft buchstäblich an ihn herangerissen wurden (die er an sich gerissen hat), und mit ihnen hat er hat seine Projekte durchgezogen, vorangepeitscht, auch das Projekt seines Opernhauses in Afrika - ich dachte immer, so jemand kann nicht sterben. Das ist, als ob das Leben selbst gestorben wäre."

Und die Nobelpreisträgerin, deren Stück "Bambiland" Schlingensief 2003 im Burgtheater uraufgeführt hatte, weiter: "Er war nicht eigentlich Regisseur (trotz Bayreuth und Parsifal), er war alles, ich weiß kein andres Wort dafür: Er war DER Künstler schlechthin. Er hat eine neue Gattung geprägt, die sich jeder Einordnung entzogen hat. Es kann keinen wie ihn mehr geben. Ein furchtbar trauriger Tag."

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm haben Christoph Schlingensief als einen "außerordentlichen Künstler" gewürdigt. "Die Staatsoper Unter den Linden trauert um Christoph Schlingensief", erklärten der Generalmusikdirektor und der Intendant des Berliner Traditionshauses am Sonntag gemeinsam mit allen Mitarbeitern. "Sein beispielloser Erfindungsgeist schuf immer wieder neue Vorhaben, Ideen und Pläne - auch langfristige - hier bei uns und in Burkina Faso." Schlingensief sollte am 3. Oktober mit der Uraufführung der Oper "Metanoia" die neue Spielzeit der Staatsoper in ihrem Ausweichquartier im Schiller Theater eröffnen. Das Haus der Staatsoper in Berlins Mitte wird derzeit umgebaut.

"Lebensspendender Anarchist"

Für den Intendanten der Wiener Festwochen, Luc Bondy, war Schlingensief "ein lebensspendender Anarchist, eine große Figur in der deutschen Kultur", wie er in einem Statement schreibt. "Auch wenn Montaigne empfiehlt, man müsse sich mit dem Tod sein ganzes Leben lang anfreunden, tut man es nicht. Christoph Schlingensief hat sich intensiv (leider war mir manchmal das Zusammenspiel mit den Medien ein wenig viel) mit seiner Krankheit auseinandergesetzt, aber sterben wollte er nicht. Und wir freilich auch nicht", so Bondy.

Auch die Österreichischen Bundestheater trauern "um einen großen Künstler". Für Bundestheater Holding-Chef Georg Springer verliert die Kunstwelt mit Schlingensief "nicht nur eine ihrer kreativsten und schillerndsten Persönlichkeiten, sondern vor allem einen außergewöhnlichen Menschen, der mit Hingabe für die Kunst und für seine Träume lebte". Seine schwere Krankheit sei für ihn kein Grund zur Selbstaufgabe gewesen, sondern vielmehr ein Antrieb, seine unaufhörlich sprudelnden Ideen in einer Geschwindigkeit umzusetzen, die den Betrachter zeitweilig schwindlig werden ließ. 

"Finger immer in Wunde gelegt"

Für die Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen, Stefanie Carp, die mit Schlingensief seit vielen Jahren kontinuierlich zusammengearbeitet hat, war Schlingensief "einer der herausragendsten und vor allem originär kreativsten und sich einmischenden Künstler, die es in den letzten 20 Jahren gegeben hat", wie sie am Sonntag betonte. Schlingensief habe "immer den Finger in die Wunde gelegt und mit einem unglaublichen Engagement für die Menschen gearbeitet".

"Großartiger Wachrüttler"

Der Theatermacher und ehemalige Intendant unter anderem der Münchner Kammerspiele, Frank Baumbauer (64), hat Schlingensief als "großartigen Wachrüttler" gewürdigt. "Er war ein unglaublich wichtiger Kollege und Partner für die Theaterleute und hat wohl bei allen Menschen, die seine Arbeit verfolgten, einen bleibenden Eindruck hinterlassen", sagte Baumbauer. "Schlingensief war ein großartiger Wachrüttler und hat uns alle irritiert, wenn wir es uns mal wieder so richtig bequem gemacht hatten."

Schlingensiefs Tod sei ein unglaublicher Verlust. "Er ist mit 49 Jahren gestorben - viel zu jung. Er hatte viel zu wenig Zeit, um uns alle so richtig zu schütteln und zu irritieren", sagte Baumbauer, der als Intendant des Deutschen Schauspielhauses Hamburg in den 90er Jahren mit Schlingensief das mehrtägige Theaterprojekt "Passion Impossible - 7 Tage Notruf für Deutschland" gemacht hatte. "Schlingensief war ein ganz großer Menschenfreund - und ein charmanter Filou. Kaum hatte er einem die Hand gegeben, schon hatte er einen aufs Kreuz gelegt", sagte Baumbauer.

"Aus seinen Arbeiten sind viele wichtige Impulse entstanden, denn er hat die Dinge benannt, den Finger in die Wunden gelegt - und das mit enormer künstlerischer Verve, mit Charme und Intelligenz." Schlingensief sei ein unglaublicher Glücksfall für das Gegenwartstheater gewesen. "Mit seinen neuen Theaterformen und veränderten Wertigkeiten hat er uns durch seine Verhaftungen in der Wirklichkeit wieder und wieder aus unseren netten Nestern herausgeworfen. Er hat wirklich Großartiges gemacht und etwas bedeutet - ob in Hamburg, in Berlin, in Bayreuth, in Wien oder in Afrika."

"Ein ganz Großer"

Opernregisseurin Katharina Wagner hat Christoph Schlingensief als einen großen Künstler gewürdigt. "Ich bin tief erschüttert, schockiert und traurig", sagte die Bayreuther Festspielleiterin zum Tod Schlingensiefs. "Es tut mir wahnsinnig leid, vor allem weil er so gekämpft hat", ergänzte die 32-Jährige am Rande der Live-Übertragung der Wagner-Oper "Die Walküre" auf dem Bayreuther Volksfestplatz. Schlingensief hatte bei den Bayreuther Festspielen von 2004 bis 2007 Wagners Werk "Parsifal" inszeniert. "Er war einer der wirklich Großen in unserem Milieu", sagte Katharina Wagner am Samstag.

 

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick bezeichnete Schlingensief als großen Filmemacher und politischen Künstler. Schlingensief habe im wahrsten Sinne gemacht, was er wollte. Er sei ein Mensch gewesen, der sich aus einer tiefen moralischen Überzeugung heraus über Ungerechtigkeiten aufgeregt habe, sagte Kosslick am Samstag im rbb-Inforadio. Mit seiner Kunst habe sich Schlingensief gegen Abschiebungen, Rassismus und Menschenrechtsverletzungen engagiert.

Reaktionen aus der Politik

Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny hat sich tief betroffen vom Tod Christoph Schlingensiefs gezeigt. Dieser habe "mit seiner Radikalität und Bedingungslosigkeit dem Theater neue Räume und Mittel eröffnet", betonte der SPÖ-Politiker am Samstagabend in einer Aussendung. Schlingensief habe "kaum einen Unterschied zwischen Kunst und Leben gekannt". "Mit ihm verlieren wir einen Ausnahmekünstler, der in allem, was er tat, kompromisslos aufging." 

"Er war einer der bedeutendsten und eigenwilligsten Künstler: Weit über den deutschsprachigen Raum hinaus hat er mit seiner Radikalität und Bedingungslosigkeit dem Theater neue Räume und Mittel eröffnet", so Mailath-Pokorny. "Durch sein ganzes Schaffen zogen sich eine Leidenschaft und Entschlossenheit, die jede seiner Arbeiten, so rücksichtslos avantgardistisch sie auf den ersten Blick scheinen mochten, mit großer Menschlichkeit und Wärme erfüllten." Kunst und Theater seien seine Art gewesen, sich den Dingen zu nähern und mit ihnen umzugehen, "sei es mit Fremdenhass, mit der Ausbeutung des Südens, sei es mit seiner eigenen Krebserkrankung".

"Dieser verdammte Krebs!"

Die Chefin der deutschen Grünen, Claudia Roth, äußerte sich zutiefst erschüttert: "Dieser verdammte Krebs! Mit Christoph Schlingensief verliert die Bundesrepublik einen der kreativsten, vielseitigsten und radikalsten Künstler", erklärte Roth am Samstag in Berlin. "Er hat unser Land mit seinen Arbeiten in aller Welt vertreten - von Bayreuth bis zum Amazonas, von der Ruhr bis nach Burkina Faso. Die Vollendung seines Traumes von einem Operndorf in Afrika konnte er nicht mehr miterleben, aber die Hoffnung bleibt, dass dieses Projekt in seinem Sinne realisiert wird."

"Tief betroffen" reagierte auch der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit. "Ein großer Theatermann verlässt die Bühne", sagte Wowereit am Samstag. Schlingensiefs Name sei mit dem Ruf der Berliner Volksbühne als einem großen gesamtdeutschen Theater verbunden. Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz, der als früherer Verwaltungsdirektor der Volksbühne mit Schlingensief zusammengearbeitet hatte, würdigte Schlingensief als wunderbaren Menschen und herausragenden Künstler: "Ein Theatermacher, dessen Provokationen uns fehlen werden."

Der deutsche Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat den verstorbenen Christoph Schlingensief als einen der vielseitigsten und innovativsten Künstler der Kulturszene gewürdigt. Schlingensief habe die deutschsprachige Film- und Theaterwelt stark beeinflusst, erklärte Neumann am Samstag. "Zu seinen Stilmitteln gehörte nicht selten die Provokation, mit der er ganz bewusst auch über den Kulturbereich hinaus Kontroversen auslösen und irritieren wollte." Schlingensiefs Schaffen und seiner Kreativität habe der Respekt vieler Kritiker gegolten. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 73
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Harald Ecke
 
23.08.2010 07:40
Bei aller Trauer

Ich sehe sehr großes Potenzial. Die Frage ist, ob eine/r wie er zugelassen wird.

Matt Canalegrande
23.08.2010 07:14
ein lebensspendender Anarchist, eine große Figur in der deutschen Kultur

das kann man sich jetzt schreiben trauen, wo er sich nicht mehr wehren kann.
Und:
"Es kann keinen wie ihn mehr geben".
Als ob das nicht für jeden von uns gilt.

astemp79
22.08.2010 21:35
natürlich nicht ...

... welch eine unsinnige Formulierung von - ausgerechnet - einer Schriftstellerin. Natürlich kann es keinen mehr wie ihn geben. Denn er war er - und ein anderer ist ein anderer. Egal was man über ihn gedacht hat: er war da, er hat Zeichen gesetzt, und er hat, gerade in der Polarisation, zum Nachdenken gebracht.

Aber es gibt heute auch andere bedeutende und wichtige Künstler. Hoffentlich sind das dann auch solche, über die Frau Jelinek sagt, es könne keine mehr wie sie geben.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
22.08.2010 21:34
Naja, die Zweitbeste, die den Nobelpreis abgestaubt hat, der eigentlich Thomas Bernhard zugestanden wäre,

ruft dem so ca. zehntbesten Theatermacher nach.

Na gut.

oblomow II
22.08.2010 20:18
da wird sich ...

... der jannee, der zeilenrotzer, wieder erblöden, fürcht ich.

auch das ist dann ein kompliment ...

Dr. Lari and Mr. Fari
 
22.08.2010 21:36
Abgesehen davon daß ich den Jeannee für eine subhumanoide Lebensform halte:

nicht alles, was der als Blödsinn bezeichnet, ist kein Blödsinn.

OGHaha
22.08.2010 19:23
Den Kaschperl kaun kana daschlogn!

Schlingensief war sein ganzes Leben ein grooosses Kind.

Aufrichtiges Kompliment!
RIP

Dr. Lari and Mr. Fari
 
22.08.2010 21:38
Das wird ihm WEIT mehr gerecht als der

Schmarren von der Jelinek.

kurt kren
22.08.2010 18:27
Wie immer zu derartigen Anlässen

überschlagen sich die Platzhirschen des Kulturestablishments vor Beileidsbekundungen - etwas Glanz vom Verstorbenen fällt damit auch auf sie;
Schlingensief war in seinen frühen Jahren erfrischend anarchisch und sehr mutig, dann hat er den Sprung von der Sub- in die Hochkultur geschafft und es folgten die 'grossen ambitionierten' Projekte - die Abflachung begann; es stieg aber der Beifall der bereits domestizierten, auf ihre Plätze verwiesenen Kollegen, die nun wieder ruhig schlafen und in aller Ruhe ihr bequemes Leben führen konnten;
Frau Jelinek: es gab und gibt viele wie Schlingensief - nur werden die nicht wahrgenommen, denn es ist wenig Platz am kulturellen Trog, und die bereits dort ansässigen verbrauchen zu viel für sich!

Paul Muadib
12.11.2010 08:22
Universalkünstler Schlingensief

Sie haben natürlich insofern recht, als es jetzt viele Platzhirsche nach seinem Tod ja schon immer gewusst haben... Geschenkt. Jelinek gehört aber sicher nicht dazu. Ich auch nicht.

Und ich muss Ihnen widersprechen: Gar nichts ist da abgeflacht! Höchstens in Ihrer ganz subjektiven Wahrnehmung und Meinung. Schlingensief hat sich bloß ständig neu erfunden, seine Kunst hat sich stetig verändert: Film, Theater, Oper, TV, Aktion, Installation, bildende Kunst, Autor... Keiner war so vielseitig und so gut darin! Dass ihm mal die einen, dann wieder die anderen dabei nicht folgen konnten, ist klar und gehörte dazu.

Ich kann nur jedes Wort von Jelinek unterstreichen. Ich sehe weit und breit keinen wie ihn.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
22.08.2010 21:38
SEHR richtig!

Schreck
22.08.2010 18:44

Jelinek war auch persönlich mit Schlingensief befreundet. Ich denke ihre Sätze sind mehr als legetim. Und sie kommen von Herzen, das merkt man. Sie ist sicherlich kein Platzhirsch, die hauptsache in die Seitenblicke kommen will.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
22.08.2010 21:40
Vom Herzen, aber ohne Umweg über das Hirn, das sie doch sonst so (mit mehr oder weniger Berechtigung) für sich beansprucht

Das merkt man, und das ist peinlich.

kurt kren
22.08.2010 18:50
Die Frau Jelinek

gehört sicher nicht zu den Platzhirschen - ich habe sie durch die Anrede im letzten Satz auch ausgenommen;
Ihre Worte sind durch den Schmerz des Verlustes möglicherweise legitim, aber man kann das nicht so stehen lassen;

Hotzenplotz007
22.08.2010 23:53
mit schlingensief

ist mir einer meiner ganz großen regisseure, trasher, inszenierer, ... abgerauscht. es bleibt scheinbar eine große, nicht zu schließende lücke - oder doch nicht?

lieber kurt kren, da Sie wissen, daß es viele wie schlingensief gab und gibt, so geben Sie mir hier bitte die namen dieser Künstler preis - damit ich mit interessanter, provizierender aber stets humorvoller kunst weiterleben kann.

dank im voraus
hotzenplotz

GallopingDog
26.08.2010 15:15
"William S. Burroughs Hurts"...

...würde mir da spontan einfallen. Finnisch-österreichisches Künstlerkollektiv, klug, lustig und trashig, in den Sparten Musik, Film, Literatur, Malerei usw. aktiv - bisher kaum (wenn überhaupt) wahrgenommen...

Section Control
22.08.2010 18:09
Und wieder scheint eine Sonne vom Himmel gefallen zu sein

Lieb.

Erster österreichischer Berufsdemonstrant
22.08.2010 14:53

bei durchlesen der kommentare stehen mir die tränen in den augen..., obwohl ich ihn nicht gekannt habe empfinde ich ein tiefes gefühl von trauer...,

christoph du wirst mir fehlen, vielen dank für dein schaffen....ruhe in frieden

Gerda Soros
22.08.2010 14:47

Angesichts der Trauer um Schlingensief erscheint eine Diskussion um seinen künstlerischen Wert pietätslos, aber dieser Vergleich von Jelinek erscheint mir geradezu kindisch zu sein
Er war zweifellos kreativ, aber in eine Reihe mit Mozart, Michelangelo etc. stellen zu wollen, ist, wie wenn man die Figur der Mickey Mouse als Kunstwert über die Sixtinische Kapelle stellt.

ohne mich
22.08.2010 23:15

nicht über, aber neben die sixtinische kapelle, oder auch hinein, wenn sie mögen.. die mickey mouse

Dr. Lari and Mr. Fari
 
23.08.2010 13:10
der (!) Mickey Mouse ist eine harmlose und künsterisch wenig wertvolle Erfindung.

Der Donald hat weit mehr Ecken und Kanten, ist mit seinen unverhohlen negativen Eigenschaften wesentlich ... menschlicher und erfreulich weit weg vom Heile-Welt-Bild, das Disney sonst so gerne forcierte.

THE MGT.
22.08.2010 19:28
Eh klar.

Und Kommentatoren wie Sie hätten Mozart damals als überschätzten ewigen Kinderstar ohne Sinn für die hehre Kunst und Michelangelo als liebdienenden Gefälligkeitskünstler der Herrschenden abgeurteilt.

Genauso unvermeidlich wie die nachrufenden Geier (Jelinek gehört nicht zu diesen), die jetzt hervorkommen um über Schlingensiefs Tod zu klagen, ihn aber bei Lebzeiten höchstens als lästiges Enfant terrible sahen, das man zwar nicht mag, das aber zu bekannt ist um das öffentlich zu sagen, genauso unvermeidlich sind die Kommentatoren, die sich darin überbieten ihn als überschätzten Micky Maus-Künstler abzukanzeln.

Dieses Spiel ist nicht neu. Das lief letztens bei Hrdlicka ganauso ab.

Gerda Soros
23.08.2010 07:15

Sie machen es sich in Ihrem Urteil wirklich zu einfach. Kunst ist sicherlich in ihrer Qualität nicht so eindeutig zu fassen wie z.B. manche wissenschaftlichen oder sportlichen Leistungen. Aber es muss dennoch erlaubt sein, Schlingensief zwar für einen Künstler, aber nicht für einen der größten Künstler aller Zeiten zu halten. Keines der Argumente von Schlingensief ist mir unbekannt, im Gegensatz zu Ihnen hat Schlingensief bei mir also keine Aha-Effekte ausgelöst. Wer sich mit Leuten wie Noam Chomsky u.a. beschäftigt, wird bei Schlingensiefs Aussagen nicht unbedingt mit offenen Mündern verharren. Schlingensief war für mich ein Revoluzzer für Yuppies, aber nicht so tiefgehend, dass es mir wirklich wehgetan hätte.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
22.08.2010 21:56
Du Quatschkopf, Mozart war damals sicherlich (soziale und und bis zu einem gewissen Grade politische) Avantgarde,

musikalisch aber "nur" ein außerordentlich talentierter und phantasiereicher Vollender eines Stils und einer Formensprache, die 10, 20 Jahre vor seiner Geburt entstanden waren. Er entfernte sich nicht so weit vom musikalischen Geschmack des Publikums, daß er nicht als einer der Ersten als im heutigen Sinne "freischaffender Künstler" existieren konnte; er hat auf diese Weise so gut verdient, daß er sich als Bürgerlicher einen Haushalt wie ein Adeliger leisten konnte. Leider muß die Frage offen bleiben, wie er sich im höheren Alter entwickelt hätte - Ansätze zu einer neuen Klangwelt hätte er ja schon gezeigt gehabt.

Also schieb Dir Deine Unterstellungen sonstwo hin... Gerda Soros hat durchaus recht.

Mani Pulatio
22.08.2010 17:32

vielleicht, weil er ein sehr humaner Künstler war, die perfekte Kombination, was leider selten vorkommt.

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