UserInnen-Reaktionen

Christoph Schlingensief ist tot

21. August 2010, 22:34
  • Artikelbild
    foto: (ap photo/ndr, morris mac matzen
  • Artikelbild
    foto: standard/cremer

    Im Dezember 2000 war Christoph Schlingensief zu Gast im derStandard.at-Chat.

  • Artikelbild
    foto: epa/soeren stache

Wien/Berlin - Der Theater- und Filmregisseur Christoph Schlingensief ist tot. Er starb im Alter von 49 Jahren am Samstag in Berlin, wie seine Ehefrau Aino der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Schlingensief gehörte zu den bedeutendsten Regisseuren der Gegenwart und hat wie nur wenige die deutschsprachige Film- und Theaterwelt beeinflusst. Schlingensief war Anfang 2008 an Lungenkrebs erkrankt. Nach einer Operation ging es ihm zunächst wieder besser.

2009 gehörte der Regisseur auch zur Jury der Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Im Mai 2010 inszenierte er das Opernprojekt "Via Intolleranza II" nach Luigi Nono in Brüssel und anderen Orten. Im kommenden Oktober stand eine Inszenierung zur Wiedereröffnung des Berliner Schillertheaters als Ausweichspielstätte von Daniel Barenboims Staatsoper auf seinem Terminkalender. Zuletzt hatte Schlingensiefs überraschende Berufung zur künstlerischen Gestaltung des deutschen Pavillons bei der Biennale in Venedig 2011 Aufsehen erregt. An der Pressekonferenz zur Vorstellung seiner Pläne hatte er Anfang Juli in Frankfurt am Main aber krankheitsbedingt nicht teilnehmen können.

Von "Rocky Dutschke, 68" bis Anti-Schwarz-Blau

In den 1990er Jahren gehörte Schlingensief zu Frank Castorfs Hausregisseuren an der Berliner Volksbühne. Bekannt wurde Schlingensief vor allem mit seinen frühen Filmen "Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990), "Terror 2000 - Intensivstation Deutschland" (1992) und der TV-"Talkshow 2000" sowie mit seinen Theaterinszenierungen, Kunstperformances und Installationen wie "100 Jahre CDU", "Rocky Dutschke, 68", "Passion Impossible - 7 Tage Notruf für Deutschland" (in Hamburg), und "Hamlet" in Zürich. Von 2004 bis 2007 gab er sein spektakuläres Debüt als Opernregisseur bei den Bayreuther Festspielen mit Richard Wagners "Parsifal".

In Österreich sorgte er nach der umstrittenen schwarz-blauen Regierungsbildung für Aufsehen, als er im Mai 2000 in Anlehnung an die damals beliebte Fernsehsendung "Big Brother" einen Container mit Asylbewerbern vor der Wiener Staatsoper aufstellen ließ. Die Bewohner wurden gefilmt, die Aufnahmen ins Internet live übertragen. Jeden Tag mussten dann zwei der "Asylwerber" nach einer Internet- und Telefonabstimmung ausscheiden und wurden "abgeschoben".

Trailer zur Dokumentation "Ausländer raus - Schlingensiefs Container", Quelle: Youtube

"Das ganze Burgtheater ist in tiefer Trauer"

Schlingensief inszenierte auch mehrere Male am Wiener Burgtheater. Dort wurde die Todesnachricht am Samstagnachmittag mit Bestürzung aufgenommen. Burgtheater-Sprecherin Konstanze Schäfer sagte, man habe noch auf eine Koproduktion mit den Wiener Festspielen im kommenden Jahr gehofft. "Das war ja das Wichtigste: Daran zu glauben, dass es weitergeht!" Schlingensief sei "einer der angesehensten Künstler" gewesen, "die am Haus gearbeitet haben" Daher sei es keineswegs bloß eine Phrase, wenn sie sage: "Das ganze Burgtheater ist in tiefer Trauer."

Schlingensief setzte sich in jüngster Zeit vermehrt künstlerisch mit seiner Krebserkrankung auseinander, etwa mit seinen letzten Inszenierungen "Mea Culpa" (sie hatte im März 2009 am Wiener Burgtheater Premiere), "Kirche der Angst" oder "Sterben lernen". Im Frühjahr 2009 veröffentlichte Schlingensief sein "Tagebuch einer Krebserkrankung", das große Beachtung gefunden hatte. Der Erscheinungstermin seiner Memoiren wurde kürzlich ohne Angabe von Gründen verschoben. Sie hätten Ende September, rechtzeitig vor dem 50. Geburtstag Schlingensiefs, in die Buchhandlungen kommen sollen. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 546
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
McDaisy
10
23.8.2010, 13:05

offenbar ist es für die standardschmöcke bereits zensurwürdig, wenn man sich erlaubt, den großteil der peinlich-kitschigen "jetzt-geht's-dir-besser"-postings als verkappte bigotterie, die einem schlingensief garantiert zuwider gewesen wären, zu bezeichnen.
dafür darf man hier den "schlechteren" ersatzweise für ihn einen frühen tod wünschen.
standardmoral.

Genosse aus der Gosse
56
22.8.2010, 17:55

schlingensief hat früh erkannt wie man gezielt provoziert und die aufmerksamkeit der medien auf sich lenkt. manche seiner aktionen waren eher plump, andere durchaus amüsant. insofern ist es schade, daß er tot ist.

schlingensief zum überragenden künstler hochzustilisieren, an den man sich in >50 jahren noch erinnern wird, ist natürlich lächerlich, um nicht zu sagen peinlich.

aber man hat den rechten damals ihre hysterie in bezug auf haider gelassen, also muß man den linken auch eine ähnliche hysterie in bezug auf schlingensief zugestehen - jedem seine persönliche lady di.

Land der Zwerge
10
22.8.2010, 22:35

mehr gosse als genosse...

benjohnson1988
21
22.8.2010, 17:37

tut mir leid um ihn.

Schreck
13
22.8.2010, 16:43

Dohnal und Schlingensief in einem Jahr ist wirklich bitter.

Rose Bud
11
22.8.2010, 18:32
Und Dennis Hooper!

...die Reaktion feiert....

Schreck
01
22.8.2010, 19:58

Oh Mann, das ist mir ganz kurz entfallen.
Was für ein schlimmes Jahr.

Section Control
73
22.8.2010, 16:43
Und wieder ist eine Sonne vom Himmel gefallen

Petzi Jelinek schreibt erschütternde Worte. Und besonders nett das Postig. Es gibt kein Theater mehr nach Schligensief. Bitte ernst nehmen. Sperrt die unrentablen Theater zu!

wavey25
138
22.8.2010, 15:51
wen interessierts....

Rainer van der Velden
45
22.8.2010, 17:06

Die selbsternannten Gutmenschen.

Mme ZsaZsa
48
22.8.2010, 16:47

mich! und ich frag mich, warum so tolle leute so früh gehen müssen, die noch so viel vorgehabt hätten!

die Großmutter
10
23.8.2010, 08:57

Er ist einfach gegangen, er hätte nicht müssen, denn, wer denn hätte ihm befohlen zu gehen?

ca ramba
23
22.8.2010, 15:23

Das ist sehr traurig, es berührt mich wirklich. Ich habe Schlingensief stets für sein Selbstvertrauen und seinen Mut bewundert (so wie ich auch jede andere Person, die Selbstvertrauen und Mut besitzt, bewundere). Was der immer wieder für Töne angeschlagen hat - herrlich.

Lungenkrebs ist eine so verdammt tückische Krankheit, leider war mit diesem tragischen Ausgang zu rechnen.

mr.nice.
11
22.8.2010, 15:16
mors certa hora incerta

namen sind schall und rauch, an ihren taten sollt' ihr sie messen, an jenen momenten die nahe gehen, wenn man sich darauf einlassen will. dieser mann hat viele bewegt, kaum jemand hat so viel gewaltfreien schrecken verbreitet, der einem die eigene kleingeistigkeit derartig vor augen führte. dafür gebührt ihm respekt!

für die zukunft hat er sich pathos gewünscht. daran wird gearbeitet, schade dass er es nicht mehr erleben durfte.

olga dannen
84
22.8.2010, 14:51
? Danke Christoph!

Viel Platz ist hier ja nicht. Als ich kürzlich von Wien nach Berlin flog, war der C.S. und ein paar Eingeweihte auch im Airbus. 40-Something: Schön war das damals, auf der Burgtheater Treppe, mit Patti Smith, C.S. & Co, dachte ich. Sein Vater fiel mir ein und meine Mutter auch. Kein Haar dazwischen. Möglich/Unmöglich: Geht ja! Leben, Weisheit, Tod? Komplexität und alle 8 Varianten. Jetzt steht in der NYT schon gar nichts von mir und von C.S. eben auch nicht. Aber 100 Jahre sind eine Instanz, die ich schlucke: „Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt“ (Mark Twain). ? Respekt, Danke Christoph!

Rose Bud
00
23.8.2010, 09:17
Nice memories, guter nachruf

Gfrasta
57
22.8.2010, 15:34

Bitte Deine kleingeistige Selbstbeweihräucherung für Dein Tagebuch aufsparen. Zu sinnentleert für dieses Forum.
Danke. ;)

Matt Canalegrande
96
22.8.2010, 14:07
Wahrscheinlich ein Wichtiger

Aber mir haben seine Arbeiten nicht gefallen. Zu plump und plakativ. Aber viele andere haben sie wohl begeistert.
Chacun à son goût

Fuzzy Boolean Bear
68
22.8.2010, 14:22

Schön, dass wir jetzt auch wissen, dass Sie französisch können. Wie gebildet, ich bin beeindruckt!

Tschuri Cazzino
 
31
22.8.2010, 18:29
Und Sie haben sich als einer entlarvt, der nicht weiß, dass

man nicht Französisch sprechen muß, um im Deutschen gebräuchliche und aus dem Französichen entliehene Redewendungen zu gebrauchen.

Ihr Vorposter hat die glücklichere Wahl getroffen, als es um die Entscheidung ging die Bildung oder den Deppen raushängen zu lassen.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

wavey25
62
22.8.2010, 15:49
neid ist schon was blödes

gell?

Corpo
142
22.8.2010, 14:22

Zu plump und plakativ - Ja

Wahrscheinlich ein Wichtiger - sicher nicht

Tschuri Cazzino
 
37
22.8.2010, 15:15
Ich nehme an, der Vorposter hat Schlingensiefs Bedeutung

in kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht gemeint und nicht wie wichtig er IHNEN war.

Der Rang Schlingensiefs als Künstler ist unstrittig, sein Stellenwert für Sie irrelevant.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

Corpo
53
22.8.2010, 15:50

Ich werde den nicht vermissen und mir ist es wurscht wie viele rote Stricherl mir die Typen hier geben...

Paul Muadib
00
24.8.2010, 10:11
Und wer...

...wird Sie vermissen?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 546
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.