Lehrer nach sieben Jahren freigesprochen

21. August 2010, 14:57
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Prozessreihe gegen Musiklehrer aus Oberösterreich dauerte sieben Jahre und acht Monate

Linz - Sieben Jahre und acht Monate dauerte der Prozess gegen einen jetzt 46-jährigen Musiklehrer, dem Kindesmissbrauch vorgeworfen worden war. Nun ist der Prozess zu Ende: Der Angeklagte wurde rechtskräftig freigesprochen. Das berichten die Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in ihrer Samstag-Ausgabe.

2002 hatte sich der Innviertler von seiner damaligen Freundin getrennt. Die Frau beschuldigte den Mann danach, er hätte ihre Tochter in den Jahren zwischen 1997 und 1999 mehrfach sexuell missbraucht, als das Mädchen zwischen sechs und acht Jahre alt gewesen war. Im Mai 2003 wurde der Innviertler vom Landesgericht (LG) Ried deshalb zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Der Linzer Strafrechts-Experte Günter Tews übernahm daraufhin die Verteidigung des Beschuldigten. Er beantragte die Wiederaufnahme des Verfahrens, "weil im Prozess ein aussagepsychologisches Gutachten erforderlich gewesen wäre, da es massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit des angeblichen Opfers gab", so Tews in den OÖN. Die Bedenken wurden durch ein privates Gutachten untermauert.

Jahrelange Gutachtergefechte

Schließlich teilte das Oberlandesgericht (OLG) Linz als zweite Instanz die Bedenken und ordnete weitere Erhebungen an. Per Gerichtsbeschluss wurde im Mai 2004 die Psychologie-Sachverständige Maria Ruby aus Salzburg mit einer Expertise beauftragt. Auch diese Expertin teilte die Glaubwürdigkeitsbedenken. Dennoch lehnte das Landesgericht die Verfahrenswiederaufnahme ab. Die Strafsache wanderte zwischen erster und zweiter Instanz hin und her. Das LG Ried beauftragte schließlich den Wiener Kinderpsychiater Max Friedrich, der die bis dahin festgehaltenen Bedenken gegen die Glaubwürdigkeit des Mädchens verwarf.

Das OLG holte schließlich einen Experten außerhalb Österreichs. Der deutsche Rechtspsychologe Friedrich Köhnken bestätigte die Bedenken gegen die Glaubwürdigkeit des angeblichen Sex-Opfers und zeigte zudem zahlreiche Schwachpunkte in der Friedrich-Expertise auf. Das OLG bewilligte nun rechtskräftig die Wiederaufnahme des Verfahrens: im Dezember 2007. Doch die Staatsanwaltschaft Ried erhob im Jänner 2008 neuerlich Anklage gegen den Musiklehrer, nunmehr verteidigt durch die Linzer Anwaltskanzlei Sattlegger und Dorninger. Drei Monate später kam es wieder zur Verhandlung vor einem Schöffensenat. Alle drei Gutachter - Ruby, Friedrich und Köhnken - kamen zu Wort. Nach kurzer Beratung des Gerichts gab es einen Freispruch.

Doch die Staatsanwaltschaft Ried erhob dagegen eine Nichtigkeitsbeschwerde. Kürzlich setzte der Oberste Gerichtshof dem Prozedere aber ein Ende: Das Rechtsmittel der Staatsanwaltschaft wurde verworfen, der Freispruch ist somit rechtskräftig.

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