Die Welt ist das Ziel

21. August 2010, 13:27
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Am Samstag startete die 14-jährige Laura Dekker, um von Portugal aus alleine die Welt zu umsegeln. Der Unternehmung ging ein jahrelanger Rechtsstreit voraus

Portimao - Die Leinen sind los. Am Samstag legte Laura Dekker ab, um im Alleingang die Welt zu umsegeln. Die Niederländerin ist 14 Jahre alt. Im Guinness-Buch der Rekorde will sie die Australierin Jessica Watson als jüngste Solo-Weltumseglerin ablösen. "Ich habe keine Angst", sagte Dekker vor dem Start ins Abenteuer.

Laura Dekker war gemeinsam mit ihrem Vater von den Niederlanden aus nach Portugal gesegelt, um Boot und Ausrüstung zu testen. Von nun an setzt sie ihre vermutlich zwei Jahre dauernde Reise alleine fort. "Wir wollen sichergehen, dass das Boot wirklich bereit ist", sagte Dick Dekker

Vom portugisischen Hafen Portimao wird sie mit ihrem 11,50 Meter langen Zweimaster "Guppy" Kurs auf die Kanarische Inseln aufbrechen. Dort will sie das Ende der Orkansaison abwarten, um hernach den Atlantischen Ozean Richtung Panamakanal zu überqueren. Ihre Route führt Laura Dekker über den Atlantik durch den Panamakanal in den Pazifischen Ozean. Ein Stop ist geplant auf den Galapagos-Inseln, ehe es nach Australien und Thailand geht. Brisant könnte es im Golf von Aden werden, wo Piraten ihr Unwesen treiben und schon zahlreiche Öltanker aufgebracht haben. Wenn sie diese Gefahr umgehen will, wäre eine weiter südlich verlaufende Route um das Kap der guten Hoffnung eine Alternative. Von dort soll es zurück nach Europa gehen.

Dekker wurde während einer Weltreise ihrer Eltern auf einem Segelboot vor der Küste von Neuseeland geboren, sie hat große Teile ihres Lebens auf Schiffen verbracht und lebt gemeinsam mit ihrem Vater auf einem Kahn in Holland. Ihre geplante Unternehmung, die eigentlich bereits im letzten Jahr starten sollte, hat für eine hitzige öffentliche Diskussion in den Niederlanden gesorgt. Besonders die Rolle des Vaters, der das Vorhaben ihrer Tochter vehement unterstützt, war und ist immer noch umstritten. Während Kinderschützer vor den negativen Auswirkungen der auf zwei Jahre angelegten Reise auf die Entwicklung des Teenagers warnen, bestand die Familie auf die "Verwirklichung des Traumes" des Teenagers.

Gezerre

Ein Familienrichter hatte das Sorgerecht der Eltern für ein Jahr eingeschränkt und Dekker unter die Obhut des Jugendamtes gestellt. Begründung: Sie sei den Anforderungen einer derartigen Solotour nicht gewachsen und verstoße gegen das Schulpflichtgesetz. Im Dezember 2009 war Dekker dann von zu Hause ausgerissen und wenig später auf der niederländischen Karibik-Insel Sint Maarten festgenommen worden. Sie hatte dort ein Boot kaufen wollen.

Erst Ende Juli erhielten die Eltern vom Gericht das volle Sorgerecht zurück, obwohl das Jugendamt eine Verlänerung der Aufsicht um ein Jahr beantragt hatte. Zuvor hatten Experten einen sichereren Routenplan und bessere Notfallpläne abgesegnet. "Sie ist bestens vorbereitet, hat alle Auflagen der Gerichte erfüllt, darunter auch ein Überlebenstraining", sagte Dekkers Anwalt Peter de Lang.

Lauras deutsche Mutter hatte kurz vor der Verhandlung mit heftigen Vorwürfen gegen das Jugendamt für Aufsehen gesorgt. Die Behörde hindere ihre Tochter auf "kriminelle" Weise an dem Rekordversuch, erklärte sie einem offenen Brief. Dabei hatte die Mutter sich sich früher gegen den Solo-Segeltörn ihrer Tochter ausgesprochen. Jetzt erklärte sie, sie habe in Gesprächen mit Laura ihre Meinung geändert und stimme dem Rekordversuch nun zu.

Um Jessica Watson als jüngste Solo-Weltumseglerin abzulösen, müsste Dekker spätestens am 16. September 2012, vier Tage vor ihrem 17. Geburtstag, ihre Reise über mehr als 20.000 Seemeilen absolviert haben. Watson hatte am 15. Mai dieses Jahres, drei Tage vor ihrem 17. Geburtstag, ihre Reise nach 210 Tagen und 23.000 Seemeilen in Sydney beendet.

Verhandlungen ihres Managements über eine exklusive TV-Übertragung der Unternehmung sind bisher gescheitert. Trotzdem gibt Laura Dekker nach Angaben des Managements vorläufig keine Interviews mehr. Die niederländischen Unternehmen MasMedia und Talpa haben sich die Rechte für die Abfahrt in Portugal gesichert. Erst nach einer Einigung sollen dann auf den Kanarischen Inseln Bordkameras installiert werden. Bis dahin wird Dekker nur mit Handkameras von ihrer Reise berichten. Für die Tageszeitung AD wird sie einmal wöchentlich eine Kolumne schreiben.

Auf die Frage, was sie auf ihrer Reise am meisten vermisse, antwortete Laura Deckker: "Meinen Hund Spot." (sid/red)

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    Anfang August navigierte Laura Dekker ihr Schinakel aus dem Hafen des niederländischen Den Osse in der Provinz Seeland und nahm Kurs auf Portugal.

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