Insider belastet Kulterer und Striedinger - Anwalt dementiert

22. August 2010, 15:32
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Berichtete auch über erfolgreiche Intervention der Ex-Vorstände bei Finanzminister Grasser

Klagenfurt/Wien - Ein ehemaliger Hypo-Mitarbeiter aus der Treasury-Abteilung hat am Freitagabend im ZiB-2-Interview die ehemaligen Vorstände der Hypo Alpe Adria Bank, Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger, schwer belastet. Er berichtete von "diskreten Geschäften" mit Geldkoffern, Interventionen bei Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Drohungen gegen seine Person, als er die Bank verlassen wollte.

Vorstandschef Kulterer soll, so der Zeuge, der unerkannt bleiben möchte, den Kontakt zum damaligen kroatischen Regierungschef Ivo Sanader von der konservativen HDZ, gepflegt haben. Kulterers Stellvertreter Striedinger habe sich um General Vladimir Zagorec "gekümmert". Gelder aus Kroatien seien mit Learjets nach Klagenfurt geflogen und von dort weiter nach Liechtenstein transferiert worden. Der Zeuge: "Abflug war in Klagenfurt, ohne große Kontrollen, da konnte man mitnehmen, was man wollte. Da war immer ein Vorstand mit dabei und ein Geldkoffer." Striedinger bestritt gegenüber dem ORF die Teilnahme an Geldtransporten.

Schloss Freyenthurm als "diskrete Filiale"

Der Zeuge wusste auch Details über das Schloss Freyenthurn, das die Hypo im Zusammenhang mit einer Firmenpleite "geerbt" hatte, zu berichten. Das Schloss wurde demnach als diskrete Filiale benutzt. "Da hat es im Schloss einen Beratungsschalter gegeben und einen Tresor, bei dem Gelder ausgezahlt worden sind." Die Kunden seien diskret aus Italien und Kroatien angereist.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) habe wenig Möglichkeiten gehabt, die Geschäfte in Kroatien zu prüfen. Wenn es dennoch einmal Probleme gegeben habe, so der Zeuge, hätte Kulterer seine Netzwerke aktiviert. "Schwerpunktmäßig ist das dann über die Ecke Haider gelaufen, der dann seinerseits seine Netzwerke in Wien genutzt hat." Einmal sei er selbst dabei gewesen, als Kulterer mit Grasser gesprochen habe. Kulterer habe Grasser angerufen und wegen einer Anleihe zur Stärkung des Eigenkapitals interveniert. "Die Sache ist dann im Sinne der Hypo erledigt worden." Die FMA betonte gegenüber der ZiB 2, sie sei weisungsfrei, Einflussnahme könne daher reich rechtlich nicht stattgefunden haben. Grasser selbst war für eine Stellungnahme ebenso wenig erreichbar wie der in U-Haft sitzende Kulterer.

Striedinger dementiert Vorwürfe

Günter Striedinger hat am Samstag über seinen Anwalt Norbert Wess die am Freitagabend in einem ORF-Interview erhobenen Vorwürfe samt und sonders zurückgewiesen. In der ZiB 2 hatte ein ehemaliger Treasury-Mitarbeiter der Hypo unter anderem von Flügen mit Geldkoffern nach Liechtenstein berichtet.

Striedingers Anwalt betonte in einer schriftlichen Stellungnahme, sein Mandant habe "in keinster Weise mit derartigen Praktiken" zu tun gehabt. Dass Kreditfinanzierungen für Vladimir Zagorec auf Vorstandsebene zu Striedinger ressortiert hätten, sei evident und habe nichts mit anderen Geschäftsbereichen zu tun. Kredite an Zagorec seien stets im Rahmen von Gremialbeschlüssen erfolgt. (APA)

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    Die ehemaligen Hypo-Vorstände Wolfgang Kulterer (li.) und Günther Striedinger während des Hypo-Prozesses 2008. Ein Hypo-Insider belastet Kulterer und Striedinger nun erneut schwer.

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