Cannabis-Anbau

Oakland will mit Marihuana das Budget sanieren

20. August 2010 21:07

Als erste Stadt in den USA wird Oakland in wenigen Monaten den industriellen Anbau von Cannabis erlauben

Unternehmer erwarten das große Geschäft. Die Stadtverwaltung erhofft Einnahmen aus einer Marihuanasteuer.

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Bis auf die Sicherheitsleute vor der Tür und dem Metalldetektor am Eingang wirkt das Harborside Health Center in Oakland, Kalifornien, wie eine Apotheke. Die Räume sind weiß und sauber, die Produkte werden in sieben großen Glasvitrinen hübsch angeordnet präsentiert. Die Patienten warten geduldig, bis sie ihr Rezept abgeben und ihre Medizin erhalten. Nur die Namen der Wirkstoffe, die hier ausgegeben werden, sind außergewöhnlich. Die Patienten bekommen in Harborside weder Antibiotika noch Parkemed. Sie erhalten eine Tüte mit "Blue Dream" , "Grand Daddy Purple" oder "Spicy Jack" . Abgerechnet wird in Gramm.

In Kalifornien ist der Konsum von Cannabis seit 1996 aus medizinischen Gründen erlaubt. Harborside, mit mehr als 80 Mitarbeitern, ist die größte bekannte Cannabis-Ausgabestelle der Welt. Der Herr in diesem Reich ist Firmengründer Stephen DeAngelo. Er hat zwei lang geflochtene Zöpfe, zum Interview erscheint er in einem grünen Anzug und mit grüner Krawatte. Seine Geschäfte laufen trotz Krise gut, ins Harborside Center strömen täglich mehr als 700 Kunden. "Wer will, bekommt Cannabis auch recht einfach" , erzählt DeAngelo. "Depression, Krebs, Aids, Stress oder einfach nur Rückenschmerzen, die Gründe warum Marihuana verschrieben wird, sind vielfältig."

Die Chance, die das Cannabis-Geschäft bietet, hat auch die Stadt Oakland erkannt. Oakland, am östlichen Ende der Bucht von San Francisco gelegen, schneidet schon länger im Cannabis-Geschäft über eine kleine Sondersteuer mit. Doch 2011 will die Stadt zum "Silicon Valley of pot" aufsteigen. Oakland wird als erste Stadt in den USA den Cannabis-Anbau im großen Stil erlauben.

In Kalifornien und den 13 US-Bundesstaaten, in denen Marihuana teillegalisiert ist, darf Hanf nur in sehr begrenztem Umfang angebaut werden. In Oakland waren bis jetzt zwölf Pflanzen pro Person erlaubt. Ende Juli hat der Stadtrat aber beschlossen, vier Lizenzen für den industriellen Anbau von Cannabis zu vergeben. Entstehen können Gewächshäuser in Umfang von 19.000 m2, die Größe von zwei Fußballfeldern.

Ging es dem Stadtrat ursprünglich darum, die Bedingungen des Anbaus besser zu regeln, schielt Oakland inzwischen vor allem auf die potenziellen Einnahmen. Die Anbaulizenzen selbst kosten bereits je 200.000 Dollar.

Doch das Geld soll vor allem durch eine fünfprozentige "cultivation tax" hereinkommen, die von der Stadt auf alle Verkäufe der Gewächshäuser künftig erhoben wird, sagt Oaklands Stadtrat Larry E. Reid. Die Stadt Oakland kann jeden Cent gebrauchen. Krisenbedingt sind die Steuereinnahmen eingebrochen - das Defizit liegt heuer bereits bei 40 Millionen Dollar und wächst 2011 weiter.

Knapp sind die Kassen überall in den US-Städten, aber Oakland ist besonders betroffen. Viele Vierteln der Stadt sind verarmt und heruntergekommen. Oakland hat eine der höchsten Kriminalitätsraten in den USA. Dennoch wurden im Sommer 80 Polizeibeamte entlassen. "Die Cannabissteuer wird uns nicht sanieren, könnte aber Millionen bringen" , sagt Reid. Nach Schätzungen winken Oakland pro Gewächshaus mindestens 1,5 Millionen Dollar zusätzliche Einnahmen. Hinzu käme die Schaffung von Arbeitsplätzen, sagt Reid. Befürchtungen, etwa vor einem steigenden Drogenkonsum, hat er nicht.

Interessierte an dem Cannabis-Anbau gibt es jede Menge. Einer von ihnen ist DeAngelo selbst, der allerdings vor einer Euphorie warnt: "Cannabis wird nirgends auf der Welt, nicht einmal illegal, in so großem Stil angebaut. Oakland startet ein Experiment. Was das für Auswirkungen auf Preise und Qualität der Ware hat, weiß noch niemand." Kleine Cannabis-Anbauer beklagen zudem, dass sie vom Markt gedrängt werden.

DeAngelo ist stolz auf seine Stadt. Oakland stehe an vorderster Front der Hanf-Legalisierung. Tatsächlich steht in Oakland mit der Oaksterdam-University auch das größte private Weiterbildungsinstitut rund um Marihuana. Etwa 12.000 Studenten haben in der Universität in bis zu 13-wöchigen Kursen alles rund ums Anbauen, über die Verarbeitung und auch über den Konsum von Cannabis gelernt.

"Wir bilden Leute für die Arbeit in der Cannabisindustrie aus" , sagt Universitätsgründer Richard Lee. "Das ist ein legitimes Geschäft wie jedes andere mit viel Wachstumspotenzial." (András Szigetvari aus Oakland/DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2010)

Kommentar posten
21 Postings
Amnael
 
03.10.2010 14:30
Marihuanasteuer

die Steuer die am liebsten gezahlt wird....

susi strolcher
21.08.2010 13:56
einerseits schön, andererseits traurig

der hanfanbau geht ja schon seit einiger zeit den weg, den der tomaten-oder erdbeeranbau längst vollendet hat. kaum mehr ware aus den traditionellen anbaugebieten, wo das alles ohne viel menschliche eingriffe wächst. dabei lässt sich das produkt doch eh so gut lagern. wenn die importkontrollen fallen würden, könnten wir auf diesen ganzen hydroponics-, lampen-,hybridzüchtungsmist verzichten, und nur mehr 100% bio-freiland-ware konsumieren. denkt denn keiner an die bauern von ketama, über die blue mountains bis manali? ich mein, dort sind die wirklich drauf angewiesen, kraut zu produzieren. aber weil die chinesen unsere konsumgüter produzieren, müssen wir im westen das wohl durch eine industrielle hanflandwirtschaft wettmachen;-)

Was war zuerst da - FPOewaehler oder Deixfiguren
21.08.2010 12:31
Dass dumme engstirnige Menschen ...

... bewusstseinserweiternde Stoffe verbieten wollen ist ja auch keine Ueberraschung . Nur weil man selbst nicht gluecklich ist duerfen auch die anderen keinen froehlichen Lebenzustand erlangen (Die einen glauben an Gott - die Anderen werden selbst zu Goettern . Bzw es wird Ihnen bewusst wer Sie in Wirklichkeit sind)

Gobi Todic
21.08.2010 10:29
Zaubersteuer

Götz Widmann, Vordenker und Politikberater

http://www.youtube.com/watch?v=BYaObBQTkpk

:)

Verrückt ist gut
21.08.2010 10:13
Wenn man bedenkt wie "Normal" Cannabis bei uns einmal war!

So ziemlich jeder Bauer hatte im Hausgarten eine paar Stauden. Abends bevor er ins Bett ging, zur Bäuerin kuscheln, wurde noch schnell ein Pfeiferl mit dem sogenannten "Vogerlhanf" gequalmt.....

Aber Alkohol war halt leider viel einfacher vom Staat zu kontrollieren und der Import von Tabak war sowieso eine Zollpflichtige Sache. So musste der Hanf als traditionelles Rauschmittel zwangsläufig den kürzeren ziehen.... :-(

Anmerkung: Jeder Politiker der gegen Cannabis ist sollte am Abend ein Pfeiferl "Vogerlhanf" rauchen und dann zu seinem Weiberl oder zu einer Prostituierten ins Bett steigen. Danach soll er die Legalisierung neu bewerten! ;-)

nukewashington
21.08.2010 12:49

das problem ist die potenz der heutigen produkte - die hat nichts mehr mit der qualität vor 80 jahren zu tun

*.*
21.08.2010 15:03

wenns keinen schnaps gäbe wäre bier unbedenklicher?

HSH
21.08.2010 11:55

Wenn man in Wien seine Nase in den Wind hält- na sooo unnormal ist Cannabis heute auch nicht ...

Animation
 
22.08.2010 05:04

aber kriminalisiert!

außer du sitzt im parlament, dann kannst direkt bei da polizei einkaufen.

komisch das bei ner razzia immer nur die hälfte vom zeug gefunden wird, dass tatsächlich da war...

santa fe
 
21.08.2010 07:57

die eskalierende konsumsucht zerstört den planeten.
von kindesbeinen an werden wir darauf abgerichtet.
cannabis ist im vergleich zu den anderen bestandteilen der totalen konsumsucht geradezu abwiegelnd-

und vielleicht gerade deswegen verboten.

weg von der konsumsucht, ein neues wirtschaftssystem des masshaltens und der wahren selbstverwirklichung.

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN

anthropos
21.08.2010 11:53

Jaja, kiffen und alles wird gut. Der Ethnobotaniker W.D. Storl sieht darin eher eine... "Weiter geführte Konsummentalität. Ich höre Leute rauchen Skunk: Es ist eine Qual für eine heilige Pflanze unter Kunstlicht, in Nährlösungen und geschlossenen Räumen aufzuwachsen. Die Leute die das rauchen sind dann genau so wie die Pflanzen, denn die Pflanzen vermitteln das was sie sind."
Quelle: http://www.aufdemhoevel.de/intstorl.html

Wie wahr, wie wahr...

santa fe
 
21.08.2010 15:10

ich bin ebenfalls gegen den suchtmässigen und suchtähnlichen missbrauch von cannabis. da es sich im grunde um eine heilpflanze handelt, hat die richtige anwendung auf die totale konsumsucht der gegenwart eher eine mildernde wirkung, das war die aussage meines kommentars.

anthropos
21.08.2010 18:58

Dann habe ich sie hier mißinterpretiert. Umso besser und Mißverständlichkeiten beseitigt. Ich glaube dennoch, dass, um eine Wirkung in ihrem Sinne erzielen zu können, erst eine Offenheit für die seelisch-geistige Dimension der Pflanzenwelt im Allgemeinen vorhanden sein müsste. Den Beweis dafür liefert ja der konsumsuchtmäßige Mißbrauch. Dass Cannabis in einem bewussten Öffnungsprozess eine positive Erfahrung liefern kann, will ich dabei nicht auschließen. Fraglich jedoch ob ein solcher Weg Kulturkreis-adequat ist...

Redwraithvienna
21.08.2010 11:08
Und wie hilft das grundeinkommen gegen die konsumsucht ?

fördert es diese nicht in dem dann jeder konsumieren kann und sich keiner mehr enthalten muss ?

santa fe
 
21.08.2010 11:49

das BGE ermutigt weniger konsumsüchtige, sich mit einem mässigen einkommen zufrieden zu geben und sich (auch) nicht materiell motivierter arbeit zuzuwenden. das führt zu einer neudefinition des begriffs "arbeit". der soziale status hängt nicht mehr vom konsum ab, sondern vom grad der beteiligung an der reparatur von wirtschaft, umwelt und psyche sowie am aufbau von sozialem und internationalem frieden.

Elisabeth1201
21.08.2010 00:44
Hanf

Hanf ist ein ganz tolles Kraut, das tatsächlich aus Konkurrenzneid verboten wurde - es ging gar nicht um die Rauschsubstanz sondern um die Baumwolle!
Im übrigen wächst Hanf wunderhübsch in jedem Garten, auch bei uns, erst recht auf den Feldern. Man könnte damit tollste Fairtrade Sachen machen, schliesslich gibt es längst Hanf OHNE die Rauschsubstanz.
Und, natürlich wäre es viel klüger, die Rauschgifte selber anzupflanzen, bzw. die illegalen zu legalen zu machen und kontrolliert zu verkaufen - sämtliche Mafias wären schlagartig tot. Aber die haben vermutlich die besseren Lobbyisten und Killer.

HSH
21.08.2010 11:49
Rauschsubstanz?

Einfach nur Harz, welches der Pflanze als Schutz dient, damit müssten Bauern keine Chemie einsetzen.

franz der freie
21.08.2010 09:36
genau darum geht es:

um die eigene baumwolle und vor allem die damals erfundenen kunstfasern von du pont am markt unterzubringen. der hinweis auf cannabis war nur ein vorwand. die damals gewebten hanfstoffe waren von erlesener qualität. heute werden nur billige fetzen produziert.

Karl Labruni
20.08.2010 22:16
Zunächst aus wirtschaftlichen Gründen verboten, ...

..., jetzt aus wirtschaftlichen Gründen legalisiert. Ein Beweis dafür, wie weit Gesetze oft von der Vernunft entfernt sind - und trotzdem halten sich die meisten dran.

Meine Meinung101
20.08.2010 21:37
Vorbild?

Österreich könnte sich von Kalifornien eine dicke Scheibe abschneiden. Gesundheitsgefährdende Fette verbieten, Plastiksackerl verbieten, und Cannabis legalisieren. Und die Gesetze für unsere Volksdrogen Alkohol und Zigaretten verschärfen. Und etwas mehr auf unsere Umwelt achten würde auch nicht schaden.
Aber genug geträumt oder?

Jo eh...
21.08.2010 13:39

Ja, bei den kleinen Dingen sind die Kalifornier tatsächlich zielstrebig. Aber die großen Probleme (totaler Verkehrswahnsinn, enorme Probleme mit harten Drogen) geht man dort halt auch nie an, insofern ist Österreich insgesamt wohl angenehmer.

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