Wer schweigt, stimmt zu

20. August 2010, 19:17

Warum es notwendig ist, auf das "Wiener Blut"-Plakat der FPÖ zu reagieren

Ignorieren oder kommentieren? Bisher ist die FPÖ mit ihrem Wahlkampf in Wien nicht wirklich aufgefallen. Mit ihrem neuen Plakat "Mehr Mut für unser 'Wiener Blut' - Zu viel Fremdes tut niemandem gut", haben die Mannen rund um Heinz-Christian Strache endlich einen Aufreger. Indem die Medien darüber berichten, sorgen sie genau für jene Publizität, die die FPÖ in den vergangenen Monaten nicht hatte. Strache hat seinen Auftritt vor Journalisten, untermalt von der Johann-Strauß-Operette Wiener Blut, diese Woche genossen. Endlich wieder im Mittelpunkt!

Aber: Wer schweigt, stimmt zu. Vor zwei Wochen zog der steirische BZÖ-Chef Gerald Grosz in Zusammenhang mit der Berichterstattung über angebliche Haider-Konten einen Vergleich zum NS-Hetzblatt Der Stürmer - und bis auf einen Landespolitiker regte sich niemand auf. Deshalb war es wichtig, dass es zum FP-Plakat aus allen anderen Parteien Reaktionen gab: kurz und knapp, aber deutlich. Wobei die SPÖ das Verbreiten dieser Sujets sogar hätte verhindern können - über die Plakatfirma Gewista, an der die Partei beteiligt ist.

Die Wortwahl erinnert bewusst an Nazi-Jargon. Rassismus und Verhetzung gehört zum politischen Werkzeug der rechten Parteien in diesem Land. Es ist kein Zufall, dass FPÖ und BZÖ immer wieder auf derartiges Vokabular zurückgreifen. Provokation ist ihr Kalkül: Nach der ausgelösten Aufregung wird beschwichtigt und verharmlost. Es ist auffällig und ein Alarmzeichen, dass in Wahlkampfzeiten in diesem Land Hemmschwellen niedriger werden.

Zuletzt sorgte der Slogan "Reinrassig und echt" der Salzburger FPÖ-Bauern bei der Kammerwahl im Frühjahr für Aufregung. Im Vorarlberger Landtagswahlkampf wurde Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems, als "Exil-Jude aus Amerika" verunglimpft. Über Österreichs Landesgrenzen hinaus bekannt wurden Slogans wie "Pummerin statt Muezzin", "Daham statt Islam" und "Abendland in Christenhand".

Aber die rechten Sprüche werden nicht mehr unwidersprochen hingenommen. Mit seiner schrillen Hysterie, als sich Strache mit dem Kreuz in der Hand als Retter des christlichen Abendlandes aufspielte, hat er auch überzogen: Kirchenvertreter haben im Vorjahr erstmals deutlich gegen Straches Aussagen Stellung bezogen. Diesmal reiht sich sogar Michael Jeannée von der Kronen Zeitung in die Reihen der Strache-Kritiker ein. Er schreibt, wie immer voll konkreter Poesie, an das Wiener Blut und geißelt den "blauen Missbrauch" als "das Dämlichste, was den Freiheitlichen um HC Strache jeweils eingefallen ist. Entlarvt auf erschreckende Weise, tumb und dumpf, die profunde Unintelligenz in dieser Partei".

Dass ihnen nichts Besseres mehr einfällt, ist vielleicht ein Menetekel für die Blauen. Laut Umfragen sind sie bisher in Wien überraschend deutlich unter 20 Prozent - ihr Potenzial wird weit höher eingeschätzt.

Vielleicht haben die Wähler in Österreich genug von solch gezielter rechter Provokation: Bei der Kommunalwahl in Graz im Jänner 2008 haben die Hasstiraden ("Mohammed ein Kinderschänder") nichts gebracht. Junge Wähler, die Strache besonders umwirbt, finden vermutlich den Hinweis auf eine Operette nicht besonders cool - und bei den echten Wienern könnte er es sich verscherzt haben: Mit dem Wiener Blut macht man keine Politik, da verstehen die Wiener keinen Spaß. (Alexandra Föder-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 353
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Dein schönster Traum
20
29.8.2010, 00:49
Wiener Blut!

Schmeckt Vampiren gut!

Und auch der Fledermaus!

Und jetzt ist das Posting aus!

(Disclaimer: Bei soviel Blödsinn, wie die FPÖ da immer plakatieren läßt, da kann auch ich nicht anders, tut mir leid.)

robinsons freitag
00
24.8.2010, 15:29
Meine Sorgen möcht ich haben! (K.K.)

LouisC
 
12
24.8.2010, 11:10
wieder ein schöner aufruf zur zensur,

verbieten wir meinungen die uns nicht passen einfach, welche meinungen akzeptabel sind sollen die grünen und ein paar standard journalisten entscheiden. Die representieren immerhin 5% der bevölkerung, das ist wahre demokratie.

Ich seh keinen unterschied zwischen den schreien nach zensur und der ausländerfeindlichkeit vom strache, beide seiten pfeiffen auf die menschenrechte.

Lt.AldoRaine
11
22.8.2010, 19:41

na hoffen wirs.

zu Hause
74
22.8.2010, 16:23
Brav das Stöckerl apportiert, Fr. Föderl-Schmid

Zur Belohnung werden ÖBB und Gemeinde Wien sicher wieder ein paar sinnbefreite Inserate im Standard schalten.

Günther Schmid
1010
22.8.2010, 15:37
Falsch, Frau Föderl-Schmid.

Es braucht keinen Aufschrei und kein Plakat.

Wer Strache wählt, wählt die Nazis. Punkt.
Wer die Haider-Genossen wählt, wählt die Nazis.

Hören Sie als Presse endlich mit den Entschuldigung a'la "arme Wohlstandsverlierer" und "entäuschte Protestwähler" auf.

Nehmen Sie zur Kenntnis und sagen Sie es bei jeder Gelegenheit klar heraus: Die FPÖ ist eine NAZI-Partei. Keine weitere Erklärung notwendig.

Chien de Pique
00

Sie betreiben extremste Verniedlichung und Verharmlosung, sorry. Damit ist der Rest des Posts nicht wirklich ernstzunehmen; Übertreibung, Polemik und wildeste Behauptungen in den Raum stellen, das ist eigentlich gerade der FP-Stil.
Dass in dieser Partei überdurchschnittlich viele Sympathisanten braunen Gedankengutes sitzen, sogar Parteichefs gelegentlich mit dessen Symbolen kokettieren, das ist kein Geheimnis und wahrlich schon schlimm genug.

Knochenmann
10
23.8.2010, 05:27
Sehe ich genau so.

Meine Nazis sollen sich outen, und das macht die FPÖ doch wirklich vorbildlich.

amergut
34
22.8.2010, 18:41
Die FPÖ ist eine NAZI-Partei. Keine weitere Erklärung notwendig?

Doch: nach Ihrer Diktion wären die Linken dem Kommunismus zuzuordnen = einfach gesagt - rechts ist Na#i incl. Kirche, links ist Kommunist?

Günther Schmid
12
23.8.2010, 16:12
Nein.

Linksradikal ist Anarchist - und genausowenig brauchbar wie die Nazis. Jetzt verstanden!?

Fulci1
65
22.8.2010, 16:21

Sie sind anscheinend ein besonders bemitleidenswerter GrünInn.

amergut
31
22.8.2010, 18:45
... besonders bemitleidenswert?

Schon, aber doch eine wehrhafte Truppe, die ihre Verteidigung im Austeilen findet! :-o

Unterton
13
22.8.2010, 17:08

Auch viele Nichtgrüne, so wie ich sehen das so, wie Herr Schmid!

Charlie Runkle
12
22.8.2010, 16:58
Nö! Einfach ein Troll!

Günther Schmid
11
23.8.2010, 16:13
Ach nein.

Ich erlaub anderen Usern, sich durch meine Kommentare zu lesen. Sie sind ein Hilfloser, der das aus wohl gutem Grund verbietet.

Sturmwind
00
22.8.2010, 15:15
Die für mich einzig vernünftige

Reaktion auf dieses Plakat ist einfach schallendes Gelächter. Die "Ernsthaftigkeit" mit der sich manche an den Kindergartenreimen unseres HCAngste abarbeiten, ist das wahre Problem. Man könnt nämlich glauben, an der Aussage des Plakats sei irgendetwas Diskussionswürdiges ...

Nebenbei, mir aufgrund einer Nichtäußerung Zustimmung zu unterstellen is auch a starkes Stück und eine vollkommen unzulässige Vereinnahmung.

Wenn Sie dazu schweigen, stimmen Sie mir übrigens zu ...

Knieriem
12
22.8.2010, 14:20
Mit dem Wiener Blut macht man keine Politik, da verstehen die Wiener keinen Spaß?

Lt. Wikipedia: Zitat. "Wiener Blut ist eine „komische Operette“ in drei Akten von Johann Strauss (Sohn), .... Der Titel stammte von dem Konzertwalzer Wiener Blut op. 354 (1873). Die Uraufführung der Operette fand am 26. Oktober 1899 im Carltheater Wien statt.Das Libretto stammt von Victor Léon und Leo Stein." Die bekannteste Textzeile. " Wiener Blut, /Wiener Blut! /Eig'ner Saft, /Voller Kraft, /Voller Glut. /Wiener Blut, /selt'nes Gut, /Du erhebst, /Du belebst /Unser'n Mut!
Wiener Blut, /Wiener Blut! /Was die Stadt /Schönes hat, /In dir ruht! /Wiener Blut, /Heiße Flut! /Allerort /Gilt das Wort: /Wiener Blut!
Waren Strauss, Leon oder Stein Haßprediger, oder glaubten sie auch, daß "Wiener Blut", Wien etwas besonders ist, bzw. sind?

agarthianer
02
22.8.2010, 13:56
Schakfeh

ist der willkommenste Wahlhelfer für HC :
http://derstandard.at/128227331... ht-machbar
ob Wiener Blut - mit oder ohne EPO oder Zentrifuge
oder Alles Walzer

warp.faktor
23
22.8.2010, 13:38
Tatsächlich stehen noch immer diese Blut-Plakate herum!

Zivilcourage endet in Ö. bei ein paar kritischen Zeilen oder einem Sager.

Das Plakat tut inzwischen seine Wirkung. Wie viele tausend Blickkontakte pro Tag, weiß nur die GEWISTA.

Vielleicht hängt der Mangel an Zivilcourage ja auch mit den drakonischen Strafen zusammen, die immer häufiger gegen Bürgerinitiativen, Tierschützer und Demonstranten verhängt werden. Fast immer ohne Beweise.

In Österreich zählt das Eigentum, die Menschenwürde interessiert die Behörden nicht.

cleanwater
00
22.8.2010, 13:34
Aufregen bringt nix!

Ausser vielleicht einer Bühne für die blaue Scherzkübeltruppe.

Ich kann an "wiener Blut" selbst nichts Schlechtes entdecken. Ich steh zu meiner Stadt und bin sehr stolz auf sie!

Ich steh zu "wiener Blut" mit http://tinyurl.com/echtes-wiener-Blut

Zeu pater Eelios te
13
22.8.2010, 12:37
gähn

irgendwie langweilig, wenn 98 Prozent der Poster der gleichen Meinung sind.

Das ist ja schlimmer als im Unterberger-Blog. Da sind nur 80 Prozent einer Meinung.

Niemand & Keiner
32
22.8.2010, 12:55

Ist doch kein Wunder wenn dieser Eindruck entsteht. Werden doch viele unerwünschte Meinungen wegzensiert.

worldiscubik
01
22.8.2010, 12:35

stell dir vor es ist krieg und keiner geht hin!
stell dir vor es ist populismus und keiner hört zu!
so einfach wäre die geschichte.
aber der standard muss sich als weißes schäflein natürlich auch mitten in die berichterstattung schmeißen..

orso minore
11
22.8.2010, 13:57

...dann kommt der Populismus zu Dir.
Gibt es eine Grenze ab der man dann nicht mehr schweigen soll? Die F arbeitet doch schon seit Jahrzehnten (mindestens seit JH Parteichef war, also 1986) systematisch daran diese Grenze immer weiter zu verschieben. Mittlerweise haben wir uns schon daran gewoehnt dass Martin Graf 3. NP ist, woran sollen wir uns als naechstes gewoehnen?

Karl-Ernbrecht von Stenitzer
 
155
22.8.2010, 12:14
Wer schweigt, stimmt zu.

Doch meinereiner schweigt nicht - ich sage: Ad 1) Top-Plakat und ad 2) die übliche künstliche Aufregung der Gutmenschen und Gesinnungsfaschos.

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