Die finstere Seite an unserem Geschäft

20. August 2010, 18:39
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Es wurde jedenfalls etwas gesagt. Aber ob das auch eine Aussage war?

Journalismus ist mitunter ein recht sinistres Geschäft. Da nimmt es eigentlich wunder, dass wir uns im Umgang mit dem Tod mitunter noch immer schwertun.

Wir schrieben beispielsweise darüber, dass die Polizei „eine Leiche im Kofferraum“ eines Autos fand, „die laut gerichtsmedizinischer Untersuchung nicht beim Verkehrsunfall ums Leben gekommen sei“. Offenbar muss man mitunter zweimal ums Leben gebracht werden, um einmal als tot zu gelten. Im Zuge des französischen Parteispendenskandals wussten wir zu berichten, dass der heute verstorbene Gatte der L’Oréal-Erbin Geldkuverts ausgeteilt habe. André Bettencourt starb im Jahr 2007 und nicht erst heute.

Bundeskanzler Werner Faymann ließen wir einen Staatsbesuch mit makabrer Entourage machen: Der österreichische Kanzler wird damit der erste Regierungschef sein, der nach dem Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte mit neun Toten nach Israel reist.“ Der tragische Hintergrund lässt das Lächeln gefrieren.

Vielleicht ist es nicht wirklich weise, sich mit Tabubrüchen zu beschäftigen. Unter dem Titel „Ein reizvoller Tabubruch“ war später jedenfalls von einem Wirtschaftswaisen zu lesen. Der Weise ist oft einsam, aber was stellt man sich unter einem Gespann, gar einem Vizegespann vor? Wäre das Wort auf einer Sportseite oder im Chronikteil aufgetaucht, es hätte wohl einen Zusammenhang mit Pferden gegeben. In einer Aufarbeitung der Geschichte der Roma ist mit einem Gespan (sic!) etwas anderes gemeint, es handelt sich um den Vorsteher einer Gespanschaft, die es in Ungarn vor Jahrhunderten gab, später sind daraus Komitate geworden. Der Obergespan war also eine Art Gouverneur. Ob das mit dem altwienerischen G’span für Freund, Kamerad etwas zu tun hat, ist eine andere Frage.

Womit wir in heimische Gefilde zurückgekehrt sind und uns mit Hingabe der Frage widmen können, wer in dieser grenzwertigen Debatte, wer Dienstherr über die Lehrerschaft sein möge, was gesagt oder nicht gesagt hat. Es stand zu lesen: „... und Vizekanzler Pröll schweigt“. Dem lässt sich trefflich entgegenhalten, dass in derselben Ausgabe auf einer anderen Seite geschrieben wurde, Josef Pröll meine, „das Thema sei auf der Agenda“, er habe mit seinem Onkel gesprochen und sehe „verfolgenswerte Ansätze“. Ob das nun ein Widerspruch ist? Es wurde jedenfalls etwas gesagt. Aber ob das auch eine Aussage war? (Otto Ranftl/Leserbeauftragter/DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.20109

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