Wahlhelfer für Wrabetz

20. August 2010, 18:31
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ORF-General Alexander Wrabetz will partout noch nicht sagen, dass er sich 2011 wieder der Wahl zum ORF-Chef stellt - Das Großaufgebot an Shows und Events bis in den Mai 2011 beantwortet die Frage

Nur vier Monate nach seinem Dienstantritt warf die vermeintlich "größte Programmreform aller Zeiten" den größten Schatten auf seine Amtszeit: Die seit Jahren stetig schwindenden Quoten sackten im April 2007 plötzlich ruckartig ab. Ein Jahr vor der nächsten Generalswahl im August 2011 will sie Alexander Wrabetz sichtlich nach oben reißen. Mit Shows und Events am laufenden Band, ohne Pause vom Herbst 2010 bis in den Mai 2011. Meist, wie vom Küniglberg längst gewohnt, im Parallelschwung oder gemeinsam mit deutschen Sendern, öffentlich-rechtlich wie privat.

  • Mit ProSieben produziert der ORF die Geschicklichkeits- und Wissensshow Powerplay nach dem britischen Vorbild Whole 19 Yards. Produziert im selben Studio wie ProSieben. Der ORF startet aber schon Monate vor dem Privatsender, im Frühherbst am Samstag.
  • Wie RTL castet der ORF Nachwuchstalente. Beim für den Küniglberg entwickelten Helden von Morgen betreuen Profis beziehungsweise Promis die Helden in spe. Bei X-Factor auf RTL und Vox tun das die Juroren. RTL sucht ab September das Supertalent und 2011 den Superstar.
  • Mit dem ZDF liefert sich das ORF-Team um Hermann Maier und Tom Walek einen Wettlauf zum Südpol, angelehnt an Amundsen vs. Scott. Zu sehen zu Weihnachten in deutsch-österreichischem Gleichklang.
  • Wie ProSieben und ARD sucht der ORF direkt nach dem Helden-Finale Österreichs Vertreter für den Song Contest (nach mehrjähriger Pause), und das über drei Wochen und mit Publikumswahl. Unser Star für Oslo hieß die Vorauswahl 2010 beim deutschen Senderduo aus Kommerz- und Gebührenfunk.
  • Wie RTL (Let's Dance) sucht der ORF 2011 wieder einmal Dancing Stars, unmittelbar nach den Song-Contest-Auswahlwochen.

Bei so viel Gleichklang fehlt aus dem deutschen Programmkatalog eigentlich nur eine Variante von Günther Jauchs RTL-Showformat Alt gegen Jung.

Auch ein öffentlich-rechtliches Pendant hätte noch einen Kandidaten für den notorischen Nachahmungstäter aus Wien neu im Programm: Das ZDF startet noch heuer das britische Quizformat The Million Pound Drop, in dem Kandidaten eine Million in Scheinen vor sich liegen haben - die vor ihren Augen wegkippt, wenn sie die falsche Antwort wählen.

Eine Nachfrage auf dem Küniglberg zu diesen zwei Formaten lässt dort vorerst die Schultern zucken. Keine Termine für derlei, heißt es, würde für Freitagabend passen, aber der sei ja vorerst voll mit Helden und Tänzern. Beim neuen Millionenformat könnte der ORF ja auch abwarten, wie die ersten drei für Herbst geplanten Ausgaben im ZDF mit Jörg Pilawa laufen.

Ohne Gleichen indes: Robert Palfrader unterbricht die Kaiser-Pause für einen Nationalfeiertag und lässt Kandidaten um den Titel Der erste Ritter rittern.

Sein Obersthofmeister Rudi Roubinek bekommt ein Talkformat mit teils gespielten Gästen in der Donnerstagnacht. Dort sollen auch die lange schon angekündigte Comedy Burgenland ist überall und der Echt fett -Nachfolger B-Team laufen.

Boulevard und Dokusoap

Dienstag und Mittwoch widmet der ORF im Einser Boulevard und Dokusoap: Dominic Heinzl, societymäßig im Vorabend gekürzt, bekommt ein Boulevardmagazin nach den Dienstag-Krimis. Vorbild: RTL extra. Heinzl pilotierte auch eine Dokusoap über Organisationen mit der Lizenz zum Blaulicht - davon gibt es in Österreich an die hundert. Blaulicht-Beiträge wie jener über den Feuerwehrtaucher, der entdecken muss, dass er die gerade geborgene Ertrunkene kannte, oder über die Bergearbeiten nach einem Zugunglück könnten in Heinzls Magazin einen Platz finden, heißt es im ORF.

Feuerwehr und Co wären aber auch Dokusoapkandidaten für den Mittwoch. Dort soll zudem eine Art Schuldnerberatung ihren Platz finden. Rat und Hilfe winkt auch von Peter Resetarits' neuem Freitagabendformat, einer Art Hauptabendversion des Bürgeranwalts.

Service soll auch das neue Gesundheitsmagazin für Samstagnachmittag bieten - wenn es nach vielen Monaten hü und hott vom ORF tatsächlich im Oktober kommt. Eine kolportierte, grundlegende Reform von Newton, womöglich als tägliches Format, findet im ORF keine Bestätigung.

Diesen Dienstag unterschrieb ORF-Chef Alexander Wrabetz den TV-Vertrag mit der Bundesliga, genau vier Jahre nach seiner Wahl zum General. Ob er 2011 wieder antritt, oder wann er sich dazu äußert, wollte er auch da nicht sagen. Am 21. September wäre wieder eine gute Gelegenheit. Da präsentiert der ORF seine Programmpläne für die neue Saison. Mit vielen potenziellen Helfern gegen seine Quotenschwäche.(Doris Priesching Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.8.2010)

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