Noch ein Jahr

20. August 2010, 20:51
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Auch wenn man ungefähr weiß, wie eine vernünftige Lösung aussehen würde, ist der Weg dorthin dornig - von Gudrun Harrer

Eine Grundlage für Verhandlungen, die den Palästinensern ihren gewünschten "Referenzrahmen" bietet, ohne gleichzeitig von den Israelis als "Bedingungen" zurückgewiesen zu werden, ist ein diplomatisches Meisterwerk. Der Grad an Verwaschenheit und Verleugnung, die zwangsläufig in den nötigen Formulierungen stecken, zeigt, wie weit entfernt die beiden Friedenspartner in spe noch sind. Und es schwindelt einen angesichts der Frist, die diesen neuen Verhandlungen gesetzt sein soll: ein Jahr.

Aber dennoch ist diese Frist vernünftig. Denn ob echte Verhandlungen möglich sind, das heißt, ob beide Seiten erstens ernsthaft verhandlungswillig und zweitens im Besitz eines ausreichenden politischen Mandats und genügend öffentlicher Unterstützung sind, wird sich viel früher herausstellen. Und wenn bis in einem Jahr signifikante Fortschritte gemacht werden, wird niemand die Verhandlungen wegen Fristüberschreitung abbrechen.

Von den einzelnen Sachfragen bis zum Störungspotenzial vonseiten der jeweils eigenen Radikalen: Auch wenn man ungefähr weiß, wie eine vernünftige Lösung aussehen würde, ist der Weg dorthin dornig. Aber während dieses Wegs werden sich die Beteiligten die Alternativen überlegen: von der gefährlichen einseitigen Ausrufung eines Palästinenserstaates bis hin zum binationalen Staat, der das Ende des jüdischen Israels, aber auch ein Apartheidsystem bedeuten könnte. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2010)

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