Forscher finden unbekannte Art von Chlorophyll

22. August 2010 12:04

"Chlorophyll f" ermöglicht es Pflanzen Infrarot-Licht zu nutzen

München - Photosynthese ist der am weitesten verbreitete natürliche Prozess zum Einbringen externer Energie in den irdischen Nahrungskreislauf. Schlüsselmoleküle im photosynthetischen Apparat der Pflanzen, Algen und bestimmter Bakterien sind einige grüne Farbstoffe, die Chlorophylle. Diese Moleküle übernehmen eine Vielzahl von Funktionen in der Photosynthese, darunter die Absorption des Lichts, den Energietransfer und den Elektronentransfer. Ein internationales Forscherteam um die australische Botanikerin Professor Min Chen hat nun ein neues Chlorophyll-Molekül nachgewiesen, das besonders langwelliges Licht im nahen Infrarotbereich absorbieren kann.

"Unsere Überlegung war, dass in dichten Algenmatten die zuoberst lebenden Organismen so viel Sonnenstrahlung abfangen, dass für unten liegende Schichten im sichtbaren Bereich nichts bleibt und ein hoher Selektionsdruck zur Nutzung des durchgelassenen Infrarotlichts besteht", erklärt der an der Studie beteiligte deutsche Forscher Hugo Scheer. "In Stromatolithen, australischen Algenmatten, die zu den ältesten bekannten biologischen Gemeinschaften gehören, konnten wir jetzt tatsächlich Organismen mit einem neuen Chlorophyll-Molekül nachweisen." Dieses "Chlorophyll f" kann langwelligere Strahlung als die anderen vier bekannten Chlorophylle der oxigenen (also Sauerstoff-produzierenden) Photosynthese absorbieren. Es ist das erste seit mehr als 60 Jahren neu entdeckte Molekül diese Art. 

Die Erkenntnisse könnten helfen, weitere spektrale Änderungen an Chlorophyllen durchzuführen, um deren Funktion zu verändern. "Auch technische Anlagen, die Licht als Energiequelle nutzen, könnten unter Ausnutzung dieser Prinzipien einen größeren Wirkungsgrad bekommen", sagt Scheer. "Dann gibt es aber auch noch medizinische Ansätze. Bei der photodynamischen Therapie von Krebs sammeln sich lichtempfindliche Medikamente im Tumor an. Durch gezielte Bestrahlung mit Licht werden sie von außen aktiviert. Im nahen Infrarotbereich absorbierende Chlorophylle sind hier besonders interessant, weil Strahlung in diesem Spektralbereich besonders tief in Gewebe eindringen kann." (red)

filicado
 
22.08.2010 16:53

irgendwie tragisch dass man heutzutage nur noch seine forschung finanzieren kann wenn man irgendeine wenn auch noch so abstruse verbindung zu einer potentiellen krebstherapie herbeifantasieren kann

KKdJ
22.08.2010 15:31
Ich hab gerade nachgelesen: Infrarot beginnt bei 780 Nanometer.

Das Absorptionsmaximum dieses neuen Chlorophylls liegt 706nm, das Fluoreszenzmaximum bei 722nm.

Das mag zweifellos eine Rotverschiebung gegenüber den anderen bekannten Chlorophyll-Arten sein.

Nur liegt hier wohl ein Übersetzungsfehler vor: "near infra-red" heißt nicht "naher Infrarot-Bereich", sondern vielmehr:

"dem Infrarot naher Bereich" (der sich aber noch im sichtbaren Spektrum befindet.

Nur zum Vergleich: Eine "near death experience" ist ja auch keine "nahe Todeserfahrung", sondern eine "dem Tod nahe Erfahrung".

Dark Funeral
23.08.2010 11:40
Infrarot beginnt bei 780 Nanometer

Nicht unbedingt.

Die International Commission on Illumination (CIE) hat folgende Konvention zur Einteilung des IR-Bereichs:

IR-A: 700 nm–1400 nm (0,7 µm – 1.4 µm)
IR-B: 1400 nm–3000 nm (1.4 µm – 3 µm)
IR-C: 3000 nm–1 mm (3 µm – 1000 µm)

Wobei IR-A die bezeichnung nach der DIN-Norm ist. Im sprachgebrauch wird dieser bereich aber praktisch immer als NIR, also near-infrared bezeichet.

Es liegt also kein Übersetzungsfehler vor.
Das Problem ist, dass die Grenzen der Wellenlängenbereiche nicht einheitlich definiert sind.

Für IR-Forscher beginnt das IR bei 700 nm, für UV/VIS-Menschen endet der VIS-bereich bei 760-780 nm.

Wie immer kommt es hier auf die Perpektive an. Die 706 nm kann man daher beiden Bereichen zuordnen.

KKdJ
24.08.2010 01:26
Respekt für die detaillierte Erklärung.

Aber rein SPRACHLICH habe ich, glaub ich zumindest, dennoch recht. Allerdings nicht zwingend, das gebe ich zu, weil das Wort "near" zu vieldeutig ist.

Betriebsratte
23.08.2010 09:48
Etwas mogeln ist in Zeiten wie diesen immer erlaubt, der Werkelnde muß es ja bezahlen!

Diese kleine Unredlichkeit ist im Supermarkt bei den Mogelverpackungen und versteckten KiloPreis-Angaben und in der Politik nach Wahlen, nachzuprüfen, gang und gäbe.

graviton
22.08.2010 21:18

Das kommt davon, wenn man einmal nicht von der APA abschreibt :-)

Zenon
22.08.2010 20:04

Danke für die Erklärung. Ich habe noch den Begriff "Nahinfrarot" noch nie gemocht. Jetzt weiß ich wo er herkommt.

h 90
22.08.2010 17:43

Danke fuer die Information. Ich dachte an das nahe Infrarot (also das in der naehe des sichtbaren Lichts) nicht das sichtbare licht in der naehe des Infrarots...

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