Aktien trotz "Mergermania" schwächer

20. August 2010, 16:24
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Ein Kommentar von Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die Korrektur an der Wall Street geht weiter. In einer volatilen Handelswoche, die von zahlreichen Übernahmeangeboten geprägt war, tendiert der Dow Jones 0,47% schwächer. Der breiter gefasste S&P 500 fällt 0,74% und handelt nun bei 1.076 Punkten, der Nasdaq Composite schließt 0,52% tiefer bei 2.179 Punkten. Der Ölpreis korrigiert weiter auf nun USD 74 je Barrel, während Gold 1,5% auf USD 1.233 je Unze zulegt.

Die Arbeitsmarktdaten haben sich erneut deutlich verschlechtert. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe kletterten auf 500.000, der Konsens hatte hingegen einen Rückgang auf 475.000 erwartet. Auch die Frühindikatoren enttäuschten. So stieg die wirtschaftliche Aktivität lt. Conference Board um 0,1%, während Volkswirte von +0,2% ausgingen. Auch der Philly-Fed-Index verschlechterte sich dramatisch, er fiel von 5,1 Punkten auf nun -7,7 Zähler. Die Industrieproduktion stieg im Juli hingegen um 1%, der Konsens hatte lediglich 0,6% erwartet. Die Einzelhandelsumsätze kletterten um 0,4% (Konsens: 0,5%). Ein Großteil daraus kam jedoch aus der Automobilbranche.

Intel meldete die Übernahme von McAfee, einem führenden Anbieter von Sicherheits-Software. Intel zahlt USD 48 je Anteilsschein, die Übernahme wurde bereits von beiden Boards genehmigt. Die McAfee Aktie führte die Gewinnerliste mit einem Plus von 56,9% klar an. Dell meldete die Übernahme von 3PAR, einem Hersteller von virtuellen Speichersystemen, für insgesamt USD 1,15 Mrd. Auch IBM akquirierte in der Vorwoche. Man übernimmt Unica für USD 480 Mio. NVIDIA, einer der größten Hersteller von Grafikkarten, meldete einen Nettoverlust in Höhe von USD 141 Mio. Der Umsatz stieg von USD 776 auf USD 811 Mio. Der Ausblick konnte jedoch überzeugen, die Aktie gewinnt 10,3%.

BHP Billiton legte ein Übernahmeangebot für Potash Corp, den kanadischen Weltmarktführer bei Düngemitteln. Das Offert in Gesamthöhe von USD 40 Mrd. wurde von Potash jedoch als unzureichend zurückgewiesen, nun wolle man sich gegen eine feindliche Übernahme rüsten. Die gebotenen USD 130 je Aktie spiegeln weder die zentrale Marktposition, noch die Zukunftsaussichten des Konzerns wider. Aufgrund der stetig zunehmenden Weltbevölkerung wird den Düngemittelproduzenten ein langfristiges Wachstum vorhergesagt. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass BHP Billiton, der weltgrößte Minenbetreiber, sich verstärkt in diesem Bereich engagieren möchte.

Einzelhandelsgigant Wal-Mart meldete einen Umsatz in Höhe von USD 103,8 Mrd. (Vorjahreszeitraum USD 100,88 Mrd.), der Nettogewinn belief sich auf USD 3,6 Mrd.(zuvor: 3,47 Mrd.). Die Erlöse stiegen somit um 2,8%, die vergleichbaren Umsätze gingen jedoch 1,4% zurück. In erster Linie wächst Wal Mart in Mexiko und Asien, das US-Geschäft stagniert. Home Depot konnte den Gewinn um 7% steigern, die Erwartungen wurden klar übertroffen. Target meldete ein Umsatzplus von 3,1% auf USD 15,53 Mrd. Der Nettogewinn stieg um 14% auf USD 679 bzw. 92 Cents pro Aktie. Großhändler BJ's Wholesale konnte ebenso eine kleine Gewinnsteigerung vermelden. Für das laufende Geschäftsjahr wurde die Gewinnprognose jedoch deutlich nach unten angepasst. J.C. Penney meldete Zahlen im Rahmen der Erwartungen, der Ausblick wurde jedoch deutlich gesenkt.

Nur eine Woche nach dem US-Verkaufsstart des Touchscreen-Blackberry von Research In Motion fühlen sich die Online-Händler gezwungen, den Verkaufspreis zu halbieren. In den ersten Tagen konnten nur rund 150.000 Stück unters Volk gebracht werden. Zum Vergleich: Apple konnte von seinem iPhone innerhalb der ersten drei Tage 1,7 Millionen Stück absetzten. Die RIM-Aktie fällt 7,1%. PetSmart führte die Kurstafel an der Nasdaq mit einem Plus von 10,4% an. Die Umsätze wurden geringfügig auf USD 1,39 Mrd. gesteigert, der Nettogewinn lag bei USD 48,1 Mio. und damit deutlich über den Erwartungen.

Die beiden führenden Konsortialbanken bei dem bevorstehenden Börsegang von General Motors, Morgan Stanley und JP Morgan erhofften sich schon das große Geschäft - sie haben die Rechnung aber ohne Goldman Sachs gemacht. Ein üblicher Gebührensatz von 3% hätte den beiden zusammen $500 Mio. eingebracht. Um zumindest eine Nebenrolle im Konsortium spielen zu können, unterbot Goldman die Konkurrenz mit einer Gebühr von 0,75%. "Goldman will die Gebühren der Konkurrenten drücken, um in der Rangliste der besten Beraterbanken nicht abzustürzen", sagt Finanzprofessor Jay Ritter von der University of Florida.

Eli Lilly präsentierte enttäuschende Ergebnisse der Phase III-Studie eines Alzheimer-Medikamentes. Es wurden kaum positive Wirkungen erkannt, zudem wurde die Wahrnehmung der Patienten deutlich beeinträchtigt. Die Entwicklung von Semagacestat wurde somit eingestellt. Zudem habe man den Patentstreit um das ADHS-Medikament (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom) verloren. Aufgrund dessen musste man die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr nach unten anpassen. In der nächsten Handelswoche werden kaum relevante Unternehmensnachrichten gemeldet, die Berichtssaison ist de facto zu Ende. Impulse sollten von den Häusermarktdaten sowie den Auftragseingängen der Industrie und dem Uni Michigan-Index kommen. Der Druck auf die
Federal Reserve wächst enorm. Eine neue Welle von Stimulus-Programmen würden uns - insb. vor den Wahlen im Herbst - nicht verwundern. Der kurzfristige Ausblick für den US-Markt
ist nun leicht positiv. Am Montag nach dem Verfallstag findet oft eine Trendumkehr statt, zudem ist der 93% Abwärtstag am Mittwoch ein verlässlicher Panik-Indikator. Insofern sollte - zumindest kurzfristig - Potential nach oben gegeben sein. Blickt man über den USamerikanischen Tellerrand, so erkennt man schnell, wo die Dynamik wirklich zu Hause ist. In Malaysia, den Philippinen, Indien, Indonesien, Argentinien und Chile werden sukzessive neue Allzeithochs markiert. Der S&P 500 notiert hingegen mehr als 30% unter seinen Höchstständen.

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