Fleisch oder nicht Fleisch

20. August 2010, 16:32
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    foto: derstandard.at

    "Wie konnten wir nur so dumm und grausam sein" : Foer (32) isst heute kein Fleisch mehr.

Seine Großmutter kocht ihm mittlerweile Hühnersuppe ohne Huhn: Der Star-Autor Jonathan Safran Foer ist überzeugter Vegetarier - und hat darüber ein Buch geschrieben

Um die Wahrheit zu sagen, dieser amerikanische Schriftsteller, Jonathan Safran Foer, der ist rein gar nichts Besonderes. Er ist schrecklich klein, trägt eine Brille, und seine Haare stehen auf seinem Kopf wie eine Pelzmütze. Als ich ihn sah, war ich maximal unterwältigt."

So schreibt Foer über Foer. Die Passage stammt aus seinem ersten Roman Alles ist erleuchtet, mit dem der Autor im Alter von 25 Jahren zum erfolgreichsten litera-rischen Aufsteiger der USA wurde. Für sein Debüt erhielt er wichtige Auszeichnungen und sehr viel Kritikerlob. Jetzt, mit 32 Jahren, erscheint sein drittes Werk auf Deutsch, Tiere essen, ein kluges Sachbuch, das jeden Leser zum Vegetarier macht - zumindest für ein paar Stunden.

Jonathan Safran Foer recherchierte drei Jahre lang für Eating Animals, so lautet sein Buch im englischen Original. Er drang in eine Hühnerfabrik ein, sprach mit Biobauern und Fließbandschlachtern und schrieb ein Buch, das einem die Augen öffnet und den Magen umdreht: "Der Blutgeruch macht einen ganz aggressiv" , sagt im Kapitel "Geschichten erzählen" ein Arbeiter, der im Akkord Schweine tötete. Er gesteht: "Einmal habe ich mein Messer genommen - es ist ziemlich scharf - und einem Schwein ein Stück von der Nase abgeschnitten, als wär's eine Scheibe Mortadella. Das Schwein ist ein paar Sekunden lang durchgedreht. Dann ist es bloß noch dagehockt und hat irgendwie dumm geguckt. Also nehme ich eine Handvoll Salz und reibe es ihm in die Nase. Da ist das Schwein richtig ausgeflippt und hat die Nase wie wild durch die Gegend geschüttelt. Ich war nicht der Einzige, der solche Sachen gemacht hat. Ein Schlachter treibt die Schweine manchmal noch lebend in das Brühbad. Und alle - die Treiber, die Anhänger, die Saubermacher - schlagen Schweine mit Metallrohren."

Standard:Seit ich Ihr Buch gelesen habe, konnte ich kein Fleisch mehr anrühren. Vielleicht werde ich durch Sie zur Vegetarierin.

Foer: Warten wir einmal zwei, drei Wochen ab. Mir ging's ja lange Zeit genauso. Ich sagte mir: Das war's, ich hab genug gehört: Nie mehr Fleisch! Und kurz darauf ertappte ich mich dabei, wie ich im Restaurant ein Schnitzel bestellte. Vegetarier zu werden ist wie aufhören zu rauchen. Mark Twain sagte: "Es gibt nichts Einfacheres. Ich tue es die ganze Zeit."

Standard: Aber man kann nur das eine oder das andere sein: Raucher oder Nichtraucher, Vegetarier oder Fleischesser. Es gibt kein dazwischen.

Foer: Ich wünschte mir, Leute würden mein Buch lesen und sagen: Ab jetzt esse ich nur noch am Wochenende Fleisch. Das würde mich schon sehr freuen. Wenn die Amerikaner eine Fleischmahlzeit pro Woche weglassen würden, dann wäre das, als würde man fünf Millionen Autos von der Straße wegnehmen. Die Umweltverschmutzung durch die Fleischindustrie ist immens.

Standard: Wenn ich an meine verstorbene Großmutter denke, erinnere ich mich zuerst daran, dass sie mir beim Abschied jeweils eine Wurst in die Tasche steckte und mir verschwörerisch zuflüsterte: für deinen Freund, damit er dir nicht davonrennt. Fleisch ist etwas hoch Emotionales. Kein Fleisch mehr zu essen ist ein persönlicher Verlust, wenn nicht gar ein kultureller.

Foer: Aber die Menschheit verzichtet andauernd auf Dinge, von denen man dachte, sie seien untrennbar mit uns verbunden, die es aber wert sind, dass wir sie aufgeben. Nur weil Frauen stets zweitrangig behandelt wurden, müssen sie nicht für immer und ewig diskriminiert werden.

Standard:Wir sitzen hier in einem jüdischen Kulturzentrum in Jerusalem, wo Sie an Ihrem neuen Roman schreiben. Von der Terrasse aus sieht man am Horizont die Sperrmauer zum Westjordanland, eine gute Autostunde weiter südlich, im Gazastreifen, sind Lebensmittel knapp. Aus dieser Perspektive erscheint das Problem der Massentierhaltung, das Sie in Ihrem Buch beschreiben, weniger dringend.

Foer: Wir müssen uns doch nicht zwischen Grausamkeiten entscheiden! Ich finde beides schlimm, den israelisch-palästinensischen Konflikt und die Tierfabriken.

Standard: Wann haben Sie das letzte Mal Fleisch gegessen?

Foer: Das war, bevor mein Sohn Sasha geboren wurde, also vor über vier Jahren.

Standard: Kommen Sie manchmal noch in Versuchung, in eine Wurst zu beißen?

Foer: Natürlich, ständig! Aber ich treffe auch täglich Frauen, mit denen ich gern ins Bett gehen würde und tue es nicht. Ich bin ein erwachsener, zivilisierter Mensch, der sich aus Überzeugung an gewisse Regeln hält.

Standard: Wie hat Ihre Großmutter reagiert, die immer wieder eine Rolle in Ihren Büchern spielt, als Sie von Ihrem berühmten Brathuhn nur noch das Beigemüse aßen?

Foer: Sie hat neue Rezepte erfunden. Früher kochte sie Hühnersuppe, heute kocht sie vegetarische Hühnersuppe. Oder geschnetzelte Leber ohne Fleisch, dafür mit grünen Bohnen, Mandeln und Auberginen. Sie püriert das Ganze. Grauenhaft, ich mag es nicht, aber dafür schmeckt es allen anderen Familienangehörigen.

Standard: Dieser Brei mag ja super gesund sein, aber Hand aufs Herz, Ihr Sohn Sasha würde bestimmt viel lieber einen Hotdog essen.

Foer: Nein, das glaub ich nicht. Zugegeben, einmal kam er von der Schule heim und sagte: "Ich will Fleisch essen." Okay, antwortete ich. Aber lass uns zuerst darüber reden. Und schon war's kein Thema mehr. Es ging ihm um meine Reaktion und nicht um die Wurst.

Standard: Wie überzeugten Sie ihn davon, dass er kein Fleisch essen soll?

Foer: Das war ganz leicht. Es geht nicht darum, was richtig ist oder falsch, sondern darum, welche Geschichte wir erzählten. Die Helden in den Kinderbüchern sind meist Tiere. Wieso sollte er sie essen wollen?

Standard: Weil Fleisch gut schmeckt. Vielleicht besser als alles andere. Und weil es alle anderen essen. Was füttern Sie eigentlich Ihre Hündin George? (Jonathan Safran Foer vergöttert seinen Labrador. Er behauptet, dass sie sich Zungenküsse geben.)

Foer:Sie isst Fleisch aus tierfreundlicher Haltung, ein Spezialhundefutter. Wir versuchten, ihr nur vegetarische Nahrung zu geben, aber die bekam ihr nicht.

Standard: Was für ein Widerspruch, Ihr Hund verschlingt Unmengen von Fleisch, und Sie ermutigen die Leute, weniger oder keines mehr zu essen. Vielleicht sollten wir einfach damit beginnen, keine Hunde und Katzen mehr zu halten.

Foer: Ich finde auch, dass man keine Hunde züchten sollte. Haustiere zu halten ist unsinnig. Aber George wurde ausgesetzt, wir fanden sie auf dem Park Slope in Brooklyn, unweit von unserem Haus entfernt. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Standard: Biofleisch zu essen, so sagen Sie in Ihrem Buch "Tiere essen" , sei keine befriedigende Lösung.

Foer: Nein, das ist es wirklich nicht. Heute wird fast ein Drittel der Landoberfläche unseres Planeten für Viehzucht genutzt. Massenweise Biobauernhöfe würden noch viel mehr Land verschwenden. Zudem ist die Umweltverschmutzung dieser Höfe annähernd gleich hoch wie von herkömmlichen Betrieben. Die Antwort lautet also nicht bio, sondern schlicht und einfach: weniger Fleisch essen. Oder am besten gar keines, aber das wird die Menschheit in den nächsten zwanzig Jahren nicht schaffen.

Standard:Sie sind also pessimistisch, was die Zukunft anbelangt?

Foer: Nicht unbedingt, denn immerhin sind zwanzig Prozent aller College-Schüler in Amerika schon Vegetarier. Eines Tages werden wir uns an die Tierfabriken erinnern und denken, wie konnten wir nur so dumm, so grausam sein. (Barbara Achermann, DER STANDARD Printausgabe, 21.8.2010)

Barbara Achermann, geb. 1979, ist Redakteurin im Ressort Reportagen bei der Schweizer Frauenzeitschrift "annabelle" . Sie ist Preisträgerin des BZ-Journalistenpreises 2007.

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hed
16
24.8.2010, 20:03
hühnersuppe ohne huhn, geschnetzelte leber ohne fleisch

das klingt nach selbstbetrug ;-)

LadyDoolittle
01
10.11.2010, 10:33

alle diese Variationen gibt es beim "Schillinger" in Großmugl.

Aber: Bitte reservieren! Meistens kein freier Tisch zu bekommen.

d-.-b
32
24.8.2010, 07:50
:DD find ich gut..

Natürlich, ständig! Aber ich treffe auch täglich Frauen, mit denen ich gern ins Bett gehen würde und tue es nicht. Ich bin ein erwachsener, zivilisierter Mensch, der sich aus Überzeugung an gewisse Regeln hält.

sommerbonus
45
24.8.2010, 20:42

wenn das zivilisation ist, verzichte ich drauf

Poldi Fesch
21
24.8.2010, 16:28
::)))

wenn Madame ja sagt, was waere schlecht daran ?

Dieter Diskovic
51
23.8.2010, 22:10
Luk91
11
27.8.2010, 15:45
Eine Statistik ohne Hand und Fuß

Vegetarier leben nicht länger weil Fleisch ungesund ist, sondern weil hinter der Philosophie einer vegetarischen Ernährung eine gesunde Ernährung steht.
Siehe Minute 3.
Jeden tag Chips, Pommes oder Schokolade in sich rein zu stopfen wäre auch vegetarisch. Aber das machen Vegetarier aus gesundheitlichen Gründen nicht.

Dieter Diskovic
10
31.8.2010, 23:40

die meisten vegetarier und vor allem veganer sind es aus ethischen gründen. die positive wirkung auf gesundheit ist nur ein angenehmer nebeneffekt. und ja, der klassische chipsesser ist natürlich auch eher ein fleischesser, weil der bezug zur nahrung bei vielen offenbar komplett verloren geht (und ja, vermutlich kann man auch als fleischesser halbwegs gesund leben, auch wenn fleischkonsum global gesehen gesundheitlich und vor allem ökonomisch und ökologisch mehr als problematisch ist).

FSK
17
24.8.2010, 16:36

das kommt ihnen nur so vor.

die höchste lebenserwartung gibt es seltsamerweise nicht in ländern mit viel vegi-ernährung sondern, in den ländern mit viel tier. Produkten.

Dieter Diskovic
12
24.8.2010, 16:57

Das liegt ja wohl an der Armut und der mangelhaften medizinischen Versorgung. Natürlich ist dann die Lebenserwartung z.B. in Österreich höher als in Indien. Vergleichen muss man unter den gleichen Voraussetzungen, also innerhalb der gleichen Gesellschaft - und da haben Vegetarier/Veganer eben die besseren Karten.

http://tinyurl.com/384s6d8

cwebb
32
23.8.2010, 16:17
www.ripperl.at

Wer würde auf solche Köstlichkeiten verzichten wollen?

Dieter Diskovic
33
23.8.2010, 17:31

Ich.

Herman M
11
31.8.2010, 18:37

selbst schuld

Salz Burger
22
23.8.2010, 17:53

ich nicht. Hatte gerade einen gefüllten Putenbraten. Köstlich!

Dr Don Tango
02
23.8.2010, 16:08

leider schmeckt zum serviettenknödel nix so gut wie ein richtiges bratl!

georg ohrwaldner
00
11.9.2010, 14:29

schwammerlgulasch
da kommt nix drüber

d-.-b
20
24.8.2010, 07:56
;)

mal mit einer geilen zwiebelsoße prbiert??

fuerTiere
24
23.8.2010, 11:03
Billig soll das Fleisch sein,

denn es wird immer weniger Wert auf Qualität gelegt, wenn man dadurch Einsparungen erreichen kann. Doch das geht nur, wenn sehr viele Tiere von möglichst wenig Arbeitskräften am Leben gehalten werden und das geht nur, wenn Tiere möglichst schnell aufwachsen und schlachtreif werden. Fleisch ist also billig, weil Tiere in Massentierhaltungen ein elendes Leben führen müssen.

Poldi Fesch
02
23.8.2010, 12:35
bitte diesen richtigen Satz

immer komplett schreiben
Fleisch ist also billig UND UNGENIESZBAR SCHLECHT, weil Tiere in Massentierhaltungen ein elendes Leben führen müssen.
Darum geht es hier

Salz Burger
12
23.8.2010, 17:54

Ihr Satz ist aber falsch.

Der hohe Fleischverbrauch zeigt gerade das Gegenteil: Fleisch scheint den meisten Leuten sehr gut zu schmecken. Mir auch.

luetta
00
28.8.2010, 11:43

Ich kenn keinen, dem ungewürztes Fleisch schmeckt..

hed
00
23.8.2010, 22:11
mir schmeckt es auch

aber eben nicht das billigschnitzerl von der billigkette, das beim braten gleich mal ordentliche "seifenblasen" absondert, sondern das fleisch eines glücklichen tieres, das nicht in rekordzeit wachsen musste. ist dafür aber auch spürbar teurer.

Poldi Fesch
00
23.8.2010, 18:02
nein, das liegt

an der Ignoranz, noerdl. des Brenners. Mich hat es vor 10 Jahren nach NW-Italien gespuehlt. Die Mr-Anonymanabolikasohlen hat meine it. Fr. gerade 3 Wo ertragen, dann hat sie begonnen, sie mir um die Ohren zu hauen. Nach ca. 2 Jahren war auch ich nicht mehr in der Lage, dasz Zeug zu essen

dr. satanas
28
23.8.2010, 07:29
Jonathan Safran Foer vergöttert seinen Labrador. Er behauptet, dass sie sich Zungenküsse geben.

damit ist ja eigentlich alles über diesen typen gesagt!

Salz Burger
11
23.8.2010, 17:55

Genau. Mir graust auch vor Leuten, die mit Hunden im selben Bett schlafen. Und ich behaupte: Leute mit Hunden stinken. Häufig kann man es aber nicht genau feststellen, ob der Gestank nur vom Hund oder auch von Herrchen/Frauchen kommt.

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