Nächtliche Umtriebe auf dem Friedhof

20. August 2010, 17:34
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Bernhard Aichners "Die Schöne und der Tod" besteht fast nur aus knappen Dialogen mit maximaler Aussagekraft

Marga ist gesprungen. In Wien, gestern." Max, gewesener Publizistik-Student, ist vor Jahren freiwillig in die Beschaulichkeit seines heimatlichen Dorfes zurückgekehrt und hat dort die Profession seines Vaters übernommen. Er ist Totengräber geworden. Jetzt wird er ein Grab für Marga ausheben, die schöne Marga, ein Mädchen aus dem Dorf, das es auf die Titelseiten der internationalen Modemagazine geschafft hatte - ein Model, zuletzt immer knapp am Verhungern, dem Tode näher als dem Leben. Emma, die Schwester von Marga, kommt zum Begräbnis, was Max in Unruhe versetzt. Denn Emma war einmal seine Freundin; man hat sich getrennt, aber Max ist immer noch anfällig für die Versuchung, die Emma heißt. Exaltierte Szenen bei der Beerdigung leiten eine Wendung ein: Als Margas Sarg aus ihrem Grab geraubt wird, kommt dabei auch ein Zeuge, der den Täter gesehen haben muss, zu Tode. Max kann nicht dulden, dass auf "seinem" Friedhof Beerdigte verschwinden und begibt sich zwecks Recherche ins ungeliebte Wien. Bernhard Aichners dynamischer Text besteht fast nur aus knappen Dialogen mit maximaler Aussagekraft. Man merkt, dass der in Innsbruck lebende Autor im Schreiben von Theaterstücken geübt ist. Nekrophil bis auf die Knochen, melancholisch und voller abseitiger Protagonisten: ein Krimi-Newcomer wie man ihn sich nur wünschen kann. (Ingeborg Sperl, DER STANDARD - Printausgabe, 21./22. August 2010)

Bernhard Aichner, "Die Schöne und der Tod" . € 9,95/256 Seiten. Haymon, Innsbruck 2010

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