"Niemand kann mich daran hindern"

20. August 2010, 18:33
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Die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi eröffnete das Forum Alpbach und richtete mehrere Appelle an die Öffentlichkeit, Kritik an Europa inklusive

Wien - Die iranische Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi möchte Informationen über die Lage im Iran in die Welt tragen und kritisiert die Doppelmoral mancher europäischer Staaten. Seit ihr Hab und Gut im Iran beschlagnahmt wurde, lebe sie in Europa, schließe aber eine Rückkehr in ihre Heimat nicht aus, wie sie in Alpbach sagte. Die Friedensnobelpreisträgerin war am Donnerstag Eröffnungsrednerin beim Europäischen Forum Alpbach.

"Niemand kann mich daran hindern", sagte sie der Kongresszeitung "Alpbach News". "Ich werde dann, wenn ich mich dazu entscheide, in den Iran zurückkehren." Allerdings habe es derzeit wenig Sinn, in ihre Heimat zu reisen, weil sie dort der Zensur unterworfen wäre, so Ebadi. "Meine Stimme würde dort nicht gehört werden." Die frühere Richterin, die als erste Frau im Iran auf diesen Posten gelangte, musste nach der islamischen Revolution 1979 zurücktreten und hat sich seitdem einen Namen als Menschenrechtsaktivistin gemacht.

Rückkehr "fast unmöglich"

Ihre Konflikte mit dem Regime nahmen immer weiter zu, bis sie 2008 schließlich das Land verlassen musste, nachdem ihr Menschenrechtszentrum in das Visier der Behörden geriet. "Mein Büro wurde geschlossen und mein persönliches Hab und Gut beschlagnahmt. Im Iran kann ich im Moment für mein Volk nicht viel tun. Unter diesen Umständen bin ich in Europa viel besser aufgehoben", so Ebadi. Die Lage habe sich seit den Präsidentschaftswahlen 2009, die von bürgerkriegsähnlichen Zuständen begleitet waren, zusätzlich verschärft, für Menschenrechtsaktivisten sei die Arbeit seither "fast unmöglich geworden".

Weltöffentlichkeit informieren

Ihre Hauptaufgabe im Exil sieht Ebadi darin, Informationen zur Verfügung zu stellen. "Ich möchte, dass die Weltöffentlichkeit weiß, unter welchen Umständen und Zuständen meine Landsleute im Iran leben." Dazu nehme sie an Seminaren teil und schreibe Artikel sowie Bücher.

Kritik an Europa

Kritik übte Ebadi erneut daran, dass der europäische Satellitenbetreiber Eutelsat dem Regime bei der Zensur helfe. Sie wirft dem Betreiber vor, die persischen Programme von BBC und Voice of America aus dem Programm genommen zu haben. Auch werde europäische Kommunikationstechnologie zur Überwachung eingesetzt. (APA)

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    "Ich möchte, dass die Weltöffentlichkeit weiß, unter welchen Umständen und Zuständen meine Landsleute im Iran leben," sagt die Friedensnobelpreisträgerin und Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi. Sie war die erste Richterin im Iran, musste nach der Revolution 1979 zurücktreten und hat schließlich den Iran verlassen.

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