Bereits acht "Starting Grants" des ERC an Österreich

20. August 2010, 14:39
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Auszeichnung unterstützt Nachwuchswissenschafter

Wien - Bereits acht sogenannte "Starting Grants" des Europäischen Forschungsrats ERC sind in der aktuellen Ausschreibungsrunde an Wissenschafter aus Österreich gegangen. Das teilte das Wissenschaftsministerium in einer Aussendung mit. Die mit bis zu zwei Mio. Euro dotierte Auszeichnung für Nachwuchswissenschafter geht - wie zum Teil berichtet - an Julius Brennecke (Institut für Molekulare Biotechnologie, Wien), Karlheinz Erb (Uni Klagenfurt), Francesca Ferlaino (Univ Innsbruck), Christian Hellmich (TU Wien), Arthur Kaser (Medizinuni Innsbruck), Marc Luy (Akademie der Wissenschaften), Thorsten Schumm (TU Wien) sowie Gregor Weihs (Uni Innsbruck).

Hintergrund

Mit den Starting Grants unterstützt der ERC Nachwuchswissenschafter, die ihr herausragendes Talent bereits bewiesen haben und im Begriff sind, eine unabhängige Forschungsgruppe zu etablieren. Mit Brennecke, Ferlaino, Kaser und Schumm haben vier der bisher ausgezeichneten Wissenschafter bereits den österreichischen START-Preis erhalten, den höchstdotierten Preis für junge Spitzenforscher in Österreich. Wissenschafter, die einen START-Preis beantragen, müssen sich parallel auch um eine ERC-Förderung bewerben. Werden einer Person beide Preise zugesprochen, muss die Person den ERC-Grant in Anspruch nehmen. Das dadurch eingesparte Budget aus dem START-Programm erhöht im Folgejahr die Vergabesumme für die START-Preise.

Forschungsinhalte

Marc Luy vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) untersucht in seinem ERC-Projekt anhand einer Klosterstudie den Gesundheitszustand und die Lebenserwartung von Nonnen und Mönchen. Dabei konnte bereits gezeigt werden, dass der größte Teil der männlichen Übersterblichkeit in der Allgemeinbevölkerung nicht auf biologische Ursachen zurückzuführen sein kann. Die Gründe müssen daher im Bereich der so genannten Verhaltens- und Umweltfaktoren liegen. 

Karlheinz Erb vom Institut für soziale Ökologie der Universität Klagenfurt beschäftigt sich in seinem Projekt mit dem Phänomen der Landnutzungsintensität und -intensivierung, ein nach seinen Angaben bisher vernachlässigter Forschungsgegenstand. Dabei stehen Fragen der Veränderungen von Landnutzung, räumlichen und zeitlichen Mustern und Dynamiken, deren Antriebskräfte und Auswirkungen, etwa auf die Ökosysteme, das Klima, aber auch auf die Gesellschaft, im Mittelpunkt.

Francesca Ferlaino und Gregor Weihs kommen beide vom Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck. Ferlaino beschäftigt sich mit Quantengasen, die außergewöhnliche Eigenschaften haben und daher ideale Möglichkeiten bieten, um grundlegende Fragen der Physik im Detail zu studieren. Weihs beschäftigt sich mit der Konstruktion von Quellen für einzelne Photonen und verschränkte Photonenpaare, die eine wesentliche technologische Grundlage für zukünftige Quantenkommunikation und Quantencomputer bilden.

Thorsten Schumm vom Atominstitut der Technischen Universität (TU) Wien arbeitet an der Entwicklung einer nuklearen Atomuhr, welche die Genauigkeit herkömmlicher Atomuhren um ein Vielfaches übertreffen sollte. Dabei will er Atomkerne als Taktgeber einsetzen.

Vom Institut für Mechanik der Werkstoffe und Strukturen der TU Wien kommt Christian Hellmich, der in seinem ERC-Projekt an Festigkeitsprognosen aus mikro- und nanomechanischen "Bauplänen" von Knochen arbeitet. Dieses soll nicht nur vollkommen neue Diagnose- und Therapieformen erschließen können, sondern auch Anregungen für das Gebiet der Bionik liefern, um biologische Lösungen technisch umsetzen zu können.

Julius Brennecke vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) will sich in einem Projekt zur RNA-Interferenz mit der noch weitgehend unbekannten Funktionsweise von sogenannten piRNAs in Geschlechtszellen der Taufliege Drosophila beschäftigen.

Arthur Kaser von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Medizinuni Innsbruck erforscht die molekular-genetischen Ursachen von chronischen Darmentzündungen, etwa Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. (APA)

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