Schuhe werden teurer, Hersteller wandern ab

20. August 2010, 14:12
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Heimische Hersteller verlagern ihre Produktion zunehmend in den Osten, Billigware aus China überschwemmt den Markt

Wien - Schuhe "Made in Austria" werden immer seltener: Die österreichischen Hersteller verlagern ihre Produktion aufgrund der hohen Lohnkosten zunehmend ins Ausland, vor allem nach Osteuropa. "Heutzutage kann man nur noch so wettbewerbsfähig bleiben", sagte Joseph Lorenz, Berufsgruppenvorsitzender der Schuh- und Lederwarenindustrie in der Wirtschaftskammer.

Im Vorjahr wurden rund 1,8 Millionen Paar Schuhe in Österreich produziert, um fast 20 Prozent weniger als 2008, ermittelte die WKÖ. Billigware aus China oder Vietnam überschwemmt den Markt, wer sich da behaupten will, muss sich spezialisieren und auf Nischen setzen. So wie die Wiener Schuhfabrik Ludwig Reiter oder die Waldviertler Schuhwerkstatt.

Nischenplayer mit Exporterfolg

Beide Unternehmen sind Nischenplayer, der eine für klassisch-elegante Damen- und Herrenschuhe, der andere für ökologisches Schuhwerk. Die Ware wird hauptsächlich in eigenen Geschäften oder bei ausgewählten Fachhändlern verkauft. "Früher einmal haben die Betriebe nur produziert, heute haben die meisten eigene Läden", weiß Lorenz als Eigentümer und Aufsichtsratsvorsitzender der gleichnamigen Lorenz Shoe Group aus Erfahrung. Mit der Marke Högl ist das Unternehmen bereits an 45 Standorten in ganz Europa präsent. In Wien gibt es einen Store in der SCS, bald sollen Läden am Graben und im Donauzentrum folgen. Abgesehen von Högl gehören die Marken Ganter und Hassia noch zu Lorenz.

Österreichische Schuhe werden im Ausland stark nachgefragt, die Schuhindustrie ist sehr exportorientiert. Bei Lorenz, dem nach eigenen Angaben größten heimischen Hersteller, beträgt der Exportanteil 90 Prozent. Im Schnitt führt die Branche zu 70 Prozent aus. Die wichtigsten Exportländer sind Deutschland, Tschechien, Slowenien, Ungarn und die Slowakei. Importiert wird vor allem aus China, Deutschland, Vietnam, Italien, Rumänien, Indien und Indonesien.

Steigende Rohstoffkosten

Hierzulande werden jährlich 30 Millionen Paar Schuhe verkauft, laut Lorenz kauft jeder Österreicher im Schnitt fünf bis sieben Paar pro Jahr. "Da zählen aber auch Skischuhe und Badeschlapfen dazu." Noch heuer müssen Konsumenten mit Preiserhöhungen bei gewissen Schuhen rechnen, da die Hersteller für Rohstoffe wie chemische Produkte und Leder mehr zahlen. "Je nachdem, aus welchem Material der Schuh ist, können Erhöhungen von bis zu 10 Prozent drin sein. Das ist sozusagen tierartbedingt", sagte Lorenz. Kalbsleder sei so teuer geworden, dass man um eine Weitergabe an die Konsumenten nicht umhin komme. Ziegenleder hingegen sei nicht so stark gestiegen.

22 heimische Hersteller

Die wenigen Schuhhersteller, die es in Österreich gibt - laut WKÖ sind es 22 Industriebetriebe -, schlagen sich trotz Konkurrenz aus dem Ausland ganz gut. "In den vergangenen Jahren hatten wir keine Ausfälle", so Lorenz. Die Firma Gabor, die ihre Muster-Produktion in Kärnten im Dezember dicht macht und in die Slowakei verlegt, ist ein deutsches Unternehmen. Für die etwa 170 Mitarbeiter, die deshalb ihren Job verlieren, spielt das freilich keine Rolle.

Neben Lorenz zählt die Grazer Firma Legero mit ihren Marken Legero und Superfit sowie der Salzburger Hersteller Paul Green zu den größten heimischen Produzenten. Stark vertreten ist auch das deutsche Unternehmen ara, das von Österreich aus sein Osteuropageschäft vertreibt. Europaweit gehören Ecco (Dänemark) und Clarks (England) zu den Top-Herstellern.

Inklusive Lehrlinge und Heimarbeiter beschäftigte die österreichische Schuhindustrie im vergangenen Jahr 1.285 Personen, um rund 8 Prozent weniger als 2008. (APA)

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    Schuhe "Made im Austria" werden immer seltener. Dafür kommen die Treter wie vieles andere auch mehr und mehr aus China und Vietnam.

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