"Volksanwaltschaft der Konfessionsfreien"

20. August 2010 13:23
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    Foto: apa/ dpa/karl-josef hildenbrand

    Konfessionsfreie Österreicher bekommen bei Diskriminierung in Zukunft Unterstützung.

Der Verein "Religion ist Privatsache" will sich in Zukunft für das Recht auf Nichtglauben stark machen

„Wir wollen das Recht, frei von Religion zu leben, beschützen", sagt Michael Franz, Präsident der neuen Initiative „Religion ist Privatsache". Mit der Einrichtung einer Meldestelle für Menschen, die sich aufgrund ihrer Konfessionslosigkeit bevormundet oder diskriminiert fühlen, unterstützt er 1,9 Millionen Menschen. So viele gehören in Österreich keiner Religionsgemeinschaft an - das sind 23 Prozent der Bevölkerung. 

Macht und Dominanz

„Das christliche Kreuz steht für einen Macht- und Dominanzanspruch der zeigt, wer der Herr im Haus ist", meint Heinz Oberhummer, Vorstand des Zentralrates der Konfessionsfreien. Dass dieser Anspruch schon im Kindergarten und weiterführend in der Schule geltend gemacht wird, stört die Initiative besonders. „Durch diese Zwangsreligionisierung wird den Kindern ein Stempel aufgedrückt", sagt Oberhummer. 

Das Kreuz im Gesetz

Einer der Fälle, dessen sich der Verein angenommen hat, befasst sich mit zwei Bestimmungen im niederösterreichischen Kindergartengesetz. Demnach müssen in Kindergärten Kreuze angebracht und religiöse Werte vermittelt werden. Damit waren die konfessionslosen Eltern eines Kindergartenkindes nicht einverstanden. Sie haben sich an den Verein gewandt und gemeinsam mit diesem einen Antrag an den Verfassungsgerichtshof gestellt. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Nicht mehr zeitgemäß

„Religion ist Privatsache" betont, dass sie ein politisch neutraler Verein sind, „der sich für die Trennung von Kirche und Staat einsetzt", erklärt Michael Franz, Präsident der Initiative, „da diese Verknüpfung nicht mehr zeitgemäß ist". Sie richten sich weder gegen Religionsgemeinschaften noch gegen öffentliche kirchliche Bauten. „Ich besuche ja auch die Akropolis in Griechenland und glaube nicht an Zeus", kommentiert Oberhummer. 

Der Verein wird derzeit von seinen Mitgliedern finanziert. Diese übernehmen die laufenden Kosten, wie hoch jene sind, kann Präsident Franz allerdings noch nicht sagen: „Das wäre eine Schätzung ins Blaue, da wir nicht wissen wie viele Betroffene sich an uns wenden werden". Aus wie vielen Mitgliedern der Verein derzeit besteht, möchte ein Journalist wissen. „Aus den Gründern", antwortet Franz, „zwei Personen". (ng, derStandard.at, 20.08.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 161
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malayalam
07.11.2010 16:56
Jawohl: Kirchenbeitrag auch für Konfessionslose

Atheistenverein braucht auch Geld.

hanslblasta
24.10.2010 21:39
ist alles eine Frage der Identität und der Erringung politischer Macht

nachdem der Menschen gerade nicht ein animal rationale ist, spielen Stimmungen die größte Rolle in der Politik - und eine Stimmung á la "wir sind uns unserer Identität sicher und religiöse Fragen spielen keine Rolle" kann ich dzt eher nicht erkennen - ganz im Gegenteil;

was anderes ist, sich ob der eigenen Erkenntnis, areligiös zu sein, besonders "gut" zu fühlen - die Weisheit haben bekanntlich auch religiöse Fundamentalisten mit dem großen Löffel gefressen ...

spoiled ballot
26.08.2010 19:17
religion hat in kindergärten und in schulen nichts verloren

relilgionsunterricht wird im bestenfall als freistunde verwendet und im schlimmsten fall zur indoktrinierung und rekrutierung missbraucht.

hanslblasta
24.10.2010 21:29
btw: gerade durch staatlich finanzierten und organisierten Religionsunterricht

gibt es eben keine "Sonntagsschulen" mehr, sondern modernen Unterricht, der reflektiert, geplant und verantwortet ist;
nicht ohne Grund orientieren sich die muslimischen Religionsgemeinschaften am christlichen Konzept des Religionsunterrichts inklusive der Ausbildung islamischer ReligionsLehrerInnen, weil es eben einen Modernisierungsschub par excellence bringt

hanslblasta
24.10.2010 21:24
durch einen g'scheiten Religionsunterricht

können Kinder am ehesten "religionskompetent" werden - schauns einmal in den nächstbesten Bioladen und was es da an esoterischen Angeboten gibt;

sich mit Religion auszukennen, wird in Zukunft eher immer wichtiger - wobei ein allgemeiner, konfessionsungebundener Unterricht, rein auf der Wissenseben - wahrscheinlich nix nützt, weil der eigentliche Glaubensbezug rational-distanziert nicht vermittelbar ist

Knieriem
25.08.2010 11:51
Recht auf Nichtglauben?

Ist "Nichtglauben" nicht auch ein Glauben?

Pestassori
18.12.2010 11:59
In unserer Zeit ist das WISSENSCHAF(F)Tliche WISSEN so umfangreich geworden, dass ...

... man sich den Glauben durchaus ersparen sollte! Er führte und führt nach wie vor zu fundamentalistischen Verhaltensweisen (Bekehrung der "Ketzter" ... bis Terrorismus).
Religion ist verzichtbar!
Wie schon ein altes Sprichwort sagt:
"Glauben heißt nichts Wissen!"

Cuchullain
29.11.2010 19:35
"... Ist "Nichtglauben" nicht auch ein Glauben?"

Nein; üblicherweise nennt man "Nichtglauben" auch "WISSEN".
Warum heysset es, Gott sey die Erklaerung fuer irgendetwas? Er ist es nicht. Er ist die Unfaehigkeit zu erklaern, ein Schulterzucken, ein „Ich weyss nicht“, gekleydet in Spiritualitaet und Rituale. Wenn wir irgendetwas auf Gott schieben, heysset das in der Regel, dass wir keyne Ahnung haben, und deshalb berufen wir uns auf irgendeine unerreichbare, unerklaerliche Himmelsfee. Fragt man dann, woher dieser Gott komme, erhaelt man aller Wahrscheinlichkeyt nach eine unbestimmte, pseudophilosophische Antworth, es habe ihn immer gegeben oder er stehe ausserhalb der Natur.
Womit natuerlich nichts erklaeret ist!

Prof. Alois
 
04.12.2010 12:28
Nur dass man halt nicht wissen kann, ob es einen Gott oder sowas ähnliches gibt. Man kann sich höchstens Wahrscheinlichkeiten denken

Man muss also mehr oder weniger dran glauben.

Der Bereich des Nichtwissens ist übrigens zu groß, als dass er völlig unbeackert bleiben könnte. Allein der Umstand, dass Mesnchen nicht in die Zukunft schauen können, davon aber oft recht konkrete Vorstellungen haben, ist so ein Graubereich. Solche Graubereiche werden immer mit metaphysischem angefüllt.

Zu allem Überdruß scheint es eine menschliche Eigenart zu sein, sich zumindest Götzen zu schaffen, die über aller Erdenlast stehen. Wenn einer sich heiser brüllt mit "Rapid is mei Religion" dann hat er seinen "Gott" gefunden. Der ist dann sogar glücklich dabei. Mir persönlich ist aber lieber, diese Sehnsüchte in einer etablierten Religion auszuleben.

mattk
28.08.2010 22:21
Nein

"Gesundheit" ist ja auch nicht eine Art von Krankheit.

Philbert Desanex
 
04.12.2010 09:45
Oh doch!!

Gesundheit ist ein provisorischer Zustand der nichts Gutes verspricht!

*QED*
25.08.2010 10:03

Ich selbst bin konfessionslos, stehe aber den christl.
Religionen neutral gegenüber. Was m.E. nach
aggressiv zu bekämpfen wäre, ist der Islamismus.
Damit meine ich nicht die Religionsausübung, sondern
die Beeinflussung unserer Kultur und Politik durch
eine bestimmte Lobby. Sie fordern hier Toleranz ein,
die in (fast) allen islamischen Staaten anderen
Konfessionen und auch Konfessionsfreien verweigert
wird.

hanslblasta
24.10.2010 21:47
jetzt wäre nur interessant, zu erfahren,

ob Sie die Übernahme einer freiheitlich-demokratischen Ordnung in islamischen Ländern auch mit Zwangsmitteln durchsetzen möchten? - oder ob hiesige Muslime auf einen Teil ihrer Bürgerrechte verzichten sollten?

wobei Religionszugehörigkeit nicht gleich Staatsbürgerschaft ist ...

Fred Fido
25.08.2010 09:42
Die trennung von staat und kirchen, moscheen und synagogen

scheint vielen offensichtlich als traditionsverlust. Ein traditionsverlust war auch das streichen der totesstrafe, das ende des haushasltsvorstandes oder die zivilehe und die ehescheidung. Die gleichstellung von Juden 1867 war ein traditionsverlust.

hanslblasta
24.10.2010 21:49
Sie führen Bauwerke an - wo doch Organisationen gemeint sind

und nein; es geht weniger um Traditionsverlust - sondern um Identität und nicht zuletzt schlichtes politisches Wollen mehrerer Millionen Menschen

sepp schilehrer
24.08.2010 12:53

Wie üblich, in aller Welt wird wieder zum Glauben zurückgefunden, egal ob in Asien, in der muslimischen Welt oder in Amerika. Nur wir in Europa werfen unser kulturelles Erbe über Bord und bilden uns auch noch sooooviel drauf ein.

Und witzigerweise sind oft die, welche die Entfernung der Kruzifixe aus Schulklassen, Gerichten, ...natürlich für den Bau von Minaretten.

Es is ja grad sooo chic, ein Atheist zu sein.

Gott ist tot. Nietzsche
Nietzsche ist tot. Gott. Ätsch.

Gerhard Schwarz
 
31.08.2010 23:16

Es wird nicht "zum Gluben zurückgefunden", sondern das Recht auf Freiheit von Religion wird vergewaltigt.

spoiled ballot
26.08.2010 19:51
"witzig" ist nur dass du das nicht verstehst

öffentliche staatliche einrichtungen sollten keine religion bevorzugen dürfen.
=> also weder kreuze, halbmonde, sterne oder ähnliches in staatlichen einrichtungen.

weil man muss diese öffentliche einrichtung besuchen

und der staat darf aber die religionsfreiheit nicht einschränken
=> also dürfen kirchen, synagogen, moscheen und ähnliches gebaut werden

denn niemand muss diese kultusstätte besuchen, und sofern nicht gegen gesetze verstoßen wird, kann einem die hütte wurscht sein.

die fälle sind sozusagen die negative und positive freiheit der religionsausübung.

und das "kulturelle" erbe von der inquisition bis zum aktuellen systematischen sexuellen missbrauch, kannst dir ja an die eigene wand nageln, wenn dir das so taugt.

Prof. Alois
 
04.12.2010 12:49
Nachsatz

Die Inquisition war zu ihrer Zeit eine Errungenschaft. Vor deren Einrichtung wurde in schlechten Zeiten bald einmal wer vom Mob (oder von herrschenden, die von ihrer Unfähigkeit ablenken wollten) als Hex verbrannt. Im Namen der K irche, aber zum Missfallen der Kirchenführung. Die Inquisition versuchte die Lynchjustiz zu ersetzen, also die Dinge zu verrechtlichen. Für die Maßstäbe ihrer Zeit war das ein Fortschritt.

Sexueller Missrbauch wird seriös als zu 95% im familiären bereich stattfindend gesehen. Dort wird halt selten wer vor den Kadi gezerrt. Die Kirche hat für viele etwas Unpersönliches, das sich leichter anklagen lässt.

Prof. Alois
 
04.12.2010 12:44
Das geht ja gar nicht. Sieht man ja in Frankreich

Dort scheitert man daran, dass man nicht schlüssig erklären kann, was jetzt religiöse Symbole sind und was nicht. Ein Kopftuch ist kein religiöses Symbol. Es verdeckt nur das Haupthaar (Haar als sexuelle Präsentation verstanden).
Gleichzeitig ist es schwer bis unmöglich, sich in Schulen nicht mit Religion zu beschäftigen. Sich nicht damit zu beschäftigen, ist Vernachlässigung zu erziehender.

Ein an der Wand hängendes Kreuz hat noch nie wen missioniert. Es ist nur Ausdruck einer Identität. Das Christentum ist aus der Entstehung unserer Gesellschaft nicht wegdenkbar. Dass inzwischen viele herumlaufen, die die Errungenschaften des Christentums heftigst vertreten, aber deren Herkunft abstreiten, ist deren Fehler.

legal eagle
25.08.2010 13:48
dummes statement -

auch sie werden es nicht schaffen, eine gedanklich tragfähige verbindung zwischen entprivilegierung von religionsgemeinschaften und zerstörung der mitteleuropäischen kultur- und wertebasis zu finden.

ach, übrigens: wollen sie wirklich eine tradition wie die der biblischen literalisten im bible belt? oder der amish? nun gut, dann müssten sie aber auch wissenschaft und fortschritt über bord werfen, die lassen sich nämlich mit dieser variante des glaubens nicht vereinabren.

Prof. Alois
 
04.12.2010 12:58
Ich finde den Zusammenhang

Alle (!) Menschen Kinder Gottes, Ebenbild Gottes, gibt es nur im Christentum. Diese Idee ist woanders unbekannt. Aus dieser Idee entspringt Verantwortung für alle Menschen auf der Welt.

Wenn also der afghanische Taliban Ärzte ohne Grenzen als westlich-christlich erkennt, dann hat der gar nicht so unrecht, weil ÄoG christliche Ideen geradezu vorbildlich umsetzt. Der Taliban würde nicht auf die Idee kommen, nach einem Erdbeben in Lateinamerika Hilfe zu organisieren.

Man kann den ganzen Nahostkonflikt mit diesen Augen sehen. Dort sind zur Zeit welche am Werk, die nicht christlich sozialisiert sind. Ab und zu stoßen sie auf Vermittler aus Europa und Amerika, die es aber sehr wohl sind. Immer wieder reden dann welche aneinander vorbei.

Rose Bud
24.08.2010 17:00
Du hast leider völlig recht...

...die meisten Lemminge hier checken gar nicht, warum man ihre Meinung so vereinheitlichen will...

Damit sind sie einfach kompatibler und bvendrein keine Konkurrenz mehr.

Dein schönster Traum
24.08.2010 22:00
Vereinheitlichte Meinung?

So wie damals, als man gleich gefoltert und verbrannt wurde, wenn man abgewichen ist?

Pfui Gott!

Dein schönster Traum
24.08.2010 21:18
Wozu Religion bitte?

Damit man weiterhin Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Lebensstils drangsalieren und unterdrücken kann?

Pfui Gott!

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