Reichtum verpflichtet - zumindest manche

20. August 2010 17:00
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    Foto: apa/hendrik schmidt

    Werden jetzt alle Reichen gut?

Bill Gates hat einen Milliardärsklub für die Wohltätigkeit gegründet - Nun haben sich sechs Privatstiftungen in Österreich zusammengetan, um zu zeigen, wie Philanthropie funktionieren kann, wozu Reichtum verpflichtet

Bill Gates - der reichste Mann der Welt - hat gemeinsam mit seinen Milliardärskollegen Warren Buffett und David Rockefeller kürzlich eine Art Robin-Hood-Klub gegründet: Superreiche sollen öffentlich schwören, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden - oder sich schämen. 40 Klubmitglieder sind schon dabei. Alle in der Milliarden-Dollar-Liga. So wächst als Kontrapunkt zur Forbes-Liste der Superreichen die Slate-Liste der Super-Spender - Philanthropen, wie sie genannt werden.

Werden jetzt alle Reichen gut? Ist der Output des Kapitalismus fürderhin das Gute? Ist uns das liebste Feindbild endgültig geraubt? Keine Angst, sagt Standard-Redakteur und Kolumnist Helmut Spudich: Für jeden wohltätigen Reichen, über den er in seinem neuen Buch Reich & gut - wie Bill Gates & Co. die Welt retten (Ueberreuter 2010) erzählt, fänden sich mühelos zehn oder mehr, die ihr Geld mit fragwürdigen Methoden zusammengerafft haben und mit diesem Vermögen kaum oder keinen Nutzen für die Gesellschaft stiften.

Aber: Sichtbar und wirksam ist die Figur von Unternehmern, die mit kapitalistischen Methoden Wohltätigkeit betreiben, sozial innovativ wirken - ein weiteres Konzept des Kapitalismus, das Fuß fasst. Von Mikrokredit-Nobelpreisträger Muhammad Yunus bis etwa Wanda Moser-Heindl, die das Vermögen ihrer eigennützigen "Unruhe Privatstiftung" in Österreich für die Förderung sozialer Innovation ausgibt. Der Sozialpreis "Sozialmarie" ist ihre bekannteste Initiative.

Initiative in Österreich

Jetzt startet ein "Sechser-Kreis" in Österreich eine Art Klub-Initiative wie bei Gates & Co: Gemeinsam mit Martin Essl, der mit seiner Essl Foundation etwa den mit einer Million Euro dotierten Essl Social Price auslobt, der Stiftung der Erste Bank, die ein Viertel des Aktienkapitals der Gruppe hält und 2009 rund 29 Mio. Euro in soziale und gesellschaftliche Innovation investiert hat, und der Turnauer Stiftung, appelliert Moser-Heindl am kommenden Montag im Rahmen der Alpbacher Wirtschaftsgespräche an die Stifterkollegen, auch philanthropisch tätig zu werden. Soziales, Bildung, Kunst, Kultur und Wissenschaft sind die Dimensionen, in denen die sechs ihre Projekte vorstellen werden und Ideen plus Geld en gros für mehr Hebelwirkung zusammenbringen wollen. "Nicht nur einmalige Spenden" , wie Moser-Heindl betont.

Bis jetzt werden die über 3000 Stiftungen in Österreich mit ihren geschätzten 60 Mrd. Euro Volumen ja kaum mit gutem Kapitalismus assoziiert, eher mit Steuerprivilegien und einer Art Umverteilung nach oben. Möglich, dass die sechs nun erreichen, dass Stiftungen als zivilgesellschaftliche Akteure gesehen werden, sich eine Haltung à la "Reichtum verpflichtet" auch hierzulande festigt. Einer Studie am Non-Profit-Institut der WU (Hannah Schneider, Reinhard Millner) zufolge wäre der Hebel groß. Die Datenlage ist dürftig, aber wenn im Zuge der Stiftungsbesteuerung von einer Milliarde geredet wird, die in Österreich für den Fiskus zu holen wäre, dann lässt sich über das philanthropische Potenzial schon gut in großen Dimensionen spekulieren. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.8.2010)

Buch

Helmut Spudich: "Reich & gut - Wie Bill Gates & Co. die Welt retten" , Ueberreuter 2010,ISBN 978-3-8000-7470-9

Links

Sozialpreis "Sozialmarie" 

Robin-Hood-Klub von Bill Gates, Warren Buffett und David Rockefeller

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20 Postings
dazu muss ich schon was sagen
29.08.2010 23:10
Reich sein ist toll!

schau mal hier: http://millionenschlau.blogspot.com/

MondXicht
28.08.2010 13:49
BILL GATES

und die anderen lassen sich als große Gönner feiern. Wer aber ihre Stiftungen unter die Lupe nimmt wird merken, dass sie in Projekte investiert haben, die über ein paar Ecken dann wieder mit ihren eigenen Produkten und Firmenbeteiligungen zu tun haben!
Prost Mahlzeit.

Advaita0
24.08.2010 18:21
Bill Gates & Co. haben sich verpflichtet "to give 50% to Charity"

ist das nicht der Name seiner Tochter, Charity?

you dont see me
23.08.2010 10:09

irgendwie pervers.
wie viele menschen sind auf der strecke geblieben und auf wievielen toten ist dieser reichtum aufgebaut. gibts da zahlen dafür ?
klingt für mich nach geschmackloser marketingaktion.
das allerschlimmste dabei ist, dass die superspender wirklich davon überzeugt sind sozial zu sein.
beim geld machen hat diese niemals interessiert, wo ihre produkte gefertigt werden oder warum investitionen überdurchschnittlich viel abwerfen.
für mich der blanke hohn.
aber wie bei allen dingen. je öfter die geschichte in den medien ist, umso mehr menschen glauben diesen mist.

Giovanni Ruiz Castro PIMPINELLA - das Tier
23.08.2010 16:43
auf wie viele Tote (!) ist der Reichtum der genannte Herren wie Hrn. Gates oder Hrn. Essel aufgebaut?

hä?

you dont see me
23.08.2010 18:14

o.k. den hr. essl, denke ich kann man rausnehmen.
aber der grossteil, z.b. die investmentbanker haben sich bis dato glaube ich nicht wirklich drum geschert, woher die kohle kommt und ob es auf grund von rohstoff/nahrungsmittelspekulationen zu unterernährung kommt. auch die div. IT/elektronikriesen kaufen ja fleissig zur gewinnmaximierung von firmen zu,die unter miserablen bedingungen produzieren.
regelmäßige "selbstmordwellen" fakt.
ist schon klar, dass die sich nicht persönlich die finger schmutzig machen, die haben schon ihre handlanger.
daher behaupte ich, dass sie indirekt sehr wohl für einige todesfälle verantwortlich sind.
für mich sieht es nach heuchelei aus.
die "guten" sind meiner meinung nach schon eher die minderheit.

litera:a
22.08.2010 08:45

der bankster rockefeller ist dabei. hahahaha ... es darf gelacht werden über die wohltätigkeit á la almosen.

Phryx Sodalis
21.08.2010 23:21

Eine gerechte Steuer- und Sozialpolitik werden solche Einzelaktionen ganz sicher nicht ersetzen, trotzdem ist es umso höher zu bewerten, wenn Superreiche nicht den Blick für die Armen verlieren.
Wobei ich glaube, dass es fast besser ist, wenn ein solcher z.B. 100 Mrd. besitzt, als wenn diese auf 100 Personen aufgeteilt sind. Wenn jemand wirklich an der Spitze des Reichtums steht, entwickelt er vielleicht eher ein (schlechtes) Gewissen und sieht seine gesellschaftliche Verantwortung, als bloßer Millionär denkt er sicher mehr daran, den Reichtum für seine Familie zu erhalten.

MondXicht
28.08.2010 13:51

Haben sie sich schon einmal angeschaut, wo das Geld dann tatsächlich landet? Nur weil sie sagen "wohltätige Zwecke" heißt das nicht, dass das Geld über umwege nicht wieder zum Besitzer zurückfindet.
Forschen sie nach und sie werden sehen.

Nortschi
21.08.2010 10:44
Steuergerechtigkeit statt Wohltätigkeit

wäre es den nicht viel Sinnvoller, die Reichen und Superreichen würden Ihre Steuern an den Staat bezahlen (so wie dies eigentlich angedacht wäre) anstatt sich durch die Gründung von Stiftungen einigermaßen steuerfrei zu halten und sich dann auch noch als "Wohltätig" in der öffentlichkeit präsentieren. Außerdem wird durch fortlaufende "Steuerhinterziehung" die Handlungsfähigkeit des Staates immer mehr eingeschränkt, d.h. aber auch das diese verlorene Handlungsfähigkeit nun zu unseren wohltätigen Gönnern wandern wird. Man überlege sich das nun einmal genauer, welche Auswirkungen das nun haben kann.

dermartino
21.08.2010 10:49

Das ist einer der grundlegenden Unterschiede zwischen sozialistisch und christlich-sozial: Letztere wohlen Wohlstand für alle durch Charity, erstere durch Steuern, usw.

litera:a
22.08.2010 08:41

wobei die charities almosen pflegen und der reichtum grundsätzlich nicht geringer wird, da die zinsen stärker wachsen als die charities verpuffen. -> im endeffekt sklavenhalter, ob nun bewusst oder unbewusst.

das gemeinschaftliche steuerzahlen wäre aus dem gesamtwirtschaftlichen standpunkt für eine volkswirtschaft bedeutend besser, schon auf bezug gleicherer chancen und verteilung.

jimmy jazz
21.08.2010 00:45
gold

ist nicht gleich reichtum liebe redaktion...

litera:a
22.08.2010 08:42

ach mann ... es ist synonym

Neues Österreich
21.08.2010 00:12
Kaum zu glauben,

regt sich da so etwas ähnliches wie Gewissen? Aber wahrscheinlich ist das nur eine Täuschung. Die wollen sicherlich nur gelobt werden und vor den Vorhang treten. Macht doch eine Casting Schow, wer ist der charakterlich hochwertigste im Land!

litera:a
22.08.2010 08:43

hehe, wer zahlt von denen am wenigsten St., der ist der hochwertigste, oder?

Chocoholic
20.08.2010 21:34
ad "Werden jetzt alle Reichen gut?"

So gehässig, gemein und niederträchtig, wie viele von den ´ärmeren´ gnadenlos auf die so gehaßten ´Reicheren´ hingeschimpft wird, ist es ein Wunder, wenn diese überhaupt noch sozial denken, allerdings muß man auch dazu sagen, daß die ersteren in ihrer Feigheit die Schimpfereien niemals vor den zweiteren ausführen...

MondXicht
28.08.2010 13:54

Die Gates Stiftung investiert in Projekte, die mit Bill Gates' Firmenbeteiligungen zu tun haben. Nahrungshilfe für Afrika? jaaaa, das klingt gut. Aber nicht wenn man weiß, dass Gates bei großen Saatgutfirmen Teilhaber ist.
Aus diesen Gründen habe ich keinerlei Sympathien für diese Leute, tut mir leid.

Laird of Glenmore
21.08.2010 13:38

Mir wär eh lieber wenn die Reichen ihre Steuern zahlen würden, dazu müssen sie nicht unbedingt sozial denken.

Markus Trullus
28.08.2010 10:09
wo ist denn der "Zaster"???

Die Reichen zahlen schon ihre legalen Steuern.. keine Bange. Nur nicht hierzulande. Trillionen Beträge gehen allen EU Staaten ab, weil- nochmals: ganz legal- die meisten Unternehmen ihre hohen, verrechnungsgemäß steuerpflichtigen Renditen in Steueroasen machen. Und das sind: Kayman Islands, Kanalinseln (unter dem Deckmantel des Londoner Finanzplatzes), Deleware in den USA - da sitzen alle "Großen- und zahlen Bagatellen... Solange DIESER globale Irrsinn nicht abegestellt ist, wird sich nichts, rein gar nichts ändern. Und nebenbei: hätt ich chash, würd ich diese legalen Schlupflöcher auch nutzen. Diesem Staat hier mit der unleidigen, machterhaltenden Umverteilung mitfinanzieren? Nein danke!

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