Öffis für Pendler viel günstiger als Pkw

20. August 2010, 12:54
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Pendeln mit Bahn und Bus erspart laut VCÖ im Idealfall einige tausend Euro pro Jahr, Vorarlberg bietet Pendlern die besten Verbindungen

Wien - Rund 1,9 Millionen Menschen in Österreich arbeiten in einem anderen Ort als sie wohnen. Rund 440.000 Pendlerinnen und Pendler fahren mit Öffis zur Arbeit, rund 1,4 Millionen mit dem Auto. Der VCÖ hat nun österreichweit 580 Pendlerstrecken (die laut Statistik Austria häufig genutzt werden) unter die Lupe genommen und die Kosten des öffentlichen Verkehrs mit jenen von Pkw verglichen. Neben den Kosten wurden Fahrzeit, die Anzahl der Verbindungen und der Zeitpunkt der letzten öffentlichen Fahrt analysiert.

Öffis sparen Geld

Die Studienautoren kommen dabei zum Schluss, dass auf allen untersuchten 580 Strecken das Pendeln mit Öffis deutlich günstiger sei als mit dem Pkw. "Jene Bundesländer und Städte, die einen guten öffentlichen Verkehr anbieten, bringen den Pendlern und ihren Familien eine finanzielle Entlastung in einem Ausmaß, die jede Steuerreform schwach aussehen lässt", erklärt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. So bringe das Pendeln mit der Bahn auf der Strecke zwischen Wels und Linz gegenüber dem Auto eine Ersparnis von 2.340 und 4.470 Euro pro Jahr. Bei der Strecke Mödling - Wien errechnen die Lobbyisten für einen grüneren Verkehr eine Ersparnis von 880 bis 1.930 Euro pro Jahr, zwischen Bludenz und Feldkirch bleiben 1.840 bis 3.180 Euro im Geldbörsel über.

Investieren in den öffentlichen Verkehr

Wenn die Politik Pendler wirklich finanziell unterstützen wolle, dann müsse sie mehr in den regionalen öffentlichen Verkehr investieren, wiederholt der VCÖ sein Credo. Viele Pendler könnten sich dadurch ein Zweitauto ersparen, was eine finanzielle Entlastung von 4.000 bis 6.000 Euro pro Jahr bringe.

"Wir haben vor der Studie angenommen, dass das Auto immer deutlich schneller ist als Bahn und Bus. Dem ist aber nicht so. Der öffentliche Verkehr kann bei rund 60 Prozent der Strecken bei der Fahrzeit gut mithalten, auf einigen Verbindungen ist die Bahn sogar schneller als das Auto", so Gratzer. Er wünscht sich die Beseitigung bestehender Langsamfahrstellen und Engstellen, etwa den zweigleisigen Ausbau von derzeit eingleisigen Strecken.

Großer Qualitätsunterschied

Die Unterschiede in der Qualität des Angebots sei innerhalb Österreichs sehr groß, lautet ein weiteres Ergebnis der VCÖ-Studie. Das mit Abstand beste Angebot stehe Pendlern in Vorarlberg zur Verfügung. Auch die Städte südlich von Wien, wie Baden, Mödling und Wr. Neustadt, böten deutlich mehr Verbindungen an als im Schnitt. (Regina Bruckner, derStandard.at, 20.8.2010)

Beim Preisvergleich wurden bei den Pkw neben dem Spritverbrauch die Abnützung und die Kosten für den laufenden Betrieb mit berücksichtigt. Je nach Strecke variieren die Kosten pro Kilometer demnach bei einem Kleinwagen zwischen 12 und 21 Cent, bei einem Mittelklassewagen zwischen 16 und 29 Cent und bei einem Oberklassewagen zwischen 22 und 34 Cent.

  • Die Bahn kann bei mehr als der Hälfte der Strecken in Sachen Fahrzeit gut mithalten, auf einigen Verbindungen ist die Bahn sogar schneller. 
Im Bild: Pendler im Jahre 1997
    foto: standard/urban

    Die Bahn kann bei mehr als der Hälfte der Strecken in Sachen Fahrzeit gut mithalten, auf einigen Verbindungen ist die Bahn sogar schneller.

    Im Bild: Pendler im Jahre 1997

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