Jenseits vom Niedlichkeitseffekt

20. August 2010, 11:15
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Eine Doku über vier Babys, die in den unterschiedlichsten Teilen der Erde aufwachsen

Ein Film, der ganz ohne Off-Kommentare auskommt und trotzdem viel zu erzählen hat? Das funktioniert in der Doku "Babys" ganz wunderbar. Der französische Dokumentarfilmer Thomas Balmès machte drei Babys zu den Hauptdarstellern seines Films und verfolgte sie von der Geburt an bis zu ihren ersten Schritten.

Alles richtig machen

Bayar lebt mit seinen Eltern, einem Bruder und einer großen Herde von Rindern und Ziegen in der einsamen Abgeschiedenheit der mongolischen Steppe. Ponijao ist in ihrem namibischen Dorf nie allein: Mutter, Geschwister und Dorffrauen begleiten sie in jeder Minute ihres ersten Lebensjahres. Maris junge Eltern wollen alles richtig machen und verwöhnen die Kleine mit Spielsachen, Ausflügen in den Zoo und Bastelkursen. Hattie lebt mit ihren Akademiker-Eltern in San Francisco und lernt sehr früh, dass es zu jedem Thema ihrer frühkindlichen Entwicklung auch das passende (Kinder)Buch gibt.

Niemals voyeuristisch

Die Dokumentation zeigt die Entwicklung der Babys in ihren verschiedenen Lebenswelten. Mit detailgenauen, poetischen aber niemals voyeuristischen Bildern führt Balmès vor, wie unterschiedlich die Eltern mit ihren Kindern umgehen. Dabei verfällt er nicht in schnelle Schnitte und kurze Szenen, sondern lässt den Babys und den Zuschauern Zeit. Mari hantiert minutenlang mit einem Lernspielzeug und rastet am Ende völlig aus. Bayar schaut ganz gelassen zu, als sich ein Ziegenbock in seine Zelthütte schleicht und aus der Wanne trinkt, wo er gebadet hat. Zum Lachen ist eine Szene mit Hattie und ihrem Vater beim Baby-Yoga-Kurs. Als die Gruppe ein Lied über Mutter Erde anstimmt, steht die Kleine mit wackeligen Beinen auf und geht zur Tür.

Jenseits vom reinen Niedlichkeitseffekt zeigt die Doku, wie sehr sich die Kinder trotz unterschiedlicher Umgebung darin gleichen, wie sie die Welt entdecken. "Babys" romantisiert und kritisiert nicht. In knappen 80 Minuten erzählt der Film lediglich von einer der Spannendesten Sachen der Welt: der Entdeckung der Welt. (APA, red.)

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    foto: kinowelt
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