Mein charmanter Tanzpartner, der Roboter

20. August 2010, 10:49
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Er tanzt gerne und gut, reagiert auf Befehle, grüßt stets freundlich und schiebt den Einkaufswagen. Der perfekte Mann? Nein, Asimo ist ein humanoider Roboter und Stargast des heurigen Ars-Electronica-Festivals.

So mancher Hobbytänzer würde wohl vor Neid erblassen. Asimo schwingt nämlich gerne zu Rumbaklängen elegant die Hüften - Metallhüften wohlgemerkt. Und auch abseits des Tanzparketts macht der 130 Zentimeter große und ganze 54 Kilo schwere humanoide Roboter des japanischen Autobauers Honda durchaus eine gute Figur. Asimo erkennt Gesichter, grüßt freundlich und spricht die ihm bekannten Menschen beim Namen an. Fast eine Selbstverständlichkeit also, dass das Blechwesen - gesteuert von einem Laptop oder Portable Computer aus über ein drahtloses Netzwerk - auch Lichtschalter bedienen kann, Türen öffnet, fließend über Stiegen geht, Hindernissen ausweicht und im Bedarfsfall gerne auch mal einen Einkaufswagen schiebt. Hilfreich dabei sind des Roboters unabhängig agierende Daumen, die selbst das Tragen unförmiger Objekte möglich machen.

Mobil, aber geschlechtslos

Wer also mit einem verhältnismäßig kleinen Tanzpartner kein Problem hat, kann vom 2. bis zum 8. September einen Hüftschwung mit Asimo (Advanced Step in Innovative Mobility) wagen. Im Rahmen des diesjährigen Ars-Electronica-Festivals wird der Roboter in Linz nämlich seinen ersten Österreich-Auftritt absolvieren. Und wie beim Gegenüber aus Fleisch und Blut lohnt es sich auch beim Rumbakönig mit den Kameraaugen vor der ersten Tuchfühlung ein bisschen Persönliches zu erkunden. Essenziell scheint da zunächst einmal die Frage des Geschlechts zu sein. Ist Asimo nun ein Er, eine Sie oder ein Es? William De Braekeleer, Corporate Communication Manager von Honda Motor Europe: "Nun, Asimo ist geschlechtslos - ein humanoider Roboter, aber eben immer noch ein Roboter. Man sollte Asimo daher am besten als ein Es bezeichnen oder eben einfach als Asimo.

Hintergrund der Entwicklung sei die Schaffung einer "neuen Mobilität" gewesen. De Braekeleer: "Mit Asimo wird es möglich, Dinge zu tun, die bislang unsere Mobilität voraussetzen, die es notwendig machen, sich von A nach B zu bewegen. Indem wir diese Tätigkeiten Asimo übertragen, können wir diese Dinge künftig erledigen, ohne uns zu bewegen. Und haben damit eine neue Form der Mobilität geschaffen".

Besondere Herausforderung an die Entwickler seien die Bewegungsabläufe gewesen. "Auch wenn es keine sonderlich schwierige Aufgabe zu sein scheint, erfordert das menschliche Gehen doch ganz spezielle, perfekt aufeinander abgestimmte Bewegungsabläufe der Füße, Hüften, Wirbelsäule, Arme, Schultern und des Kopfes. Asimo kann bis zu sechs Studenkilometer schnell laufen, was für einen Roboter und seine Entwickler eine enorme Herausforderung darstellt - nicht zuletzt weil sich zwischen jedem Schritt beide Beine für 0,08 Sekunden in der Luft befinden. Für die nötige Energie sorgt übrigens ein 51,8-V-Lithium-Ionen-Akku, der nach einer Ladezeit von drei Stunden gut 40 Minuten lang hält.

Ist Asimo eigentlich intelligent? De Braekeleer: "Er hat eine Reihe kognitiver Fähigkeiten. Der Roboter kann Personen, Objekte und Gesten erkennen und entsprechend reagieren. Asimo kann auch Befehle verstehen und ausführen. Dennoch sind wir weit davon entfernt, intelligentes Verhalten in humanoide Roboter integrieren zu können. Bevor uns das gelingt, müssen wir das sogenannte Intelligenzmodell, also unser Gehirn, noch viel besser verstehen lernen".

Doch wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und plant, Haushalt und Familie um einen japanischen Roboter zu erweitern, muss sich gedulden. "Leider kann man Asimo bislang nicht käuflich erwerben. Aber es ist wahrscheinlich, dass innerhalb der nächsten 15 Jahre Roboter so weit entwickelt sein werden, dass sie Menschen helfen werden können", glaubt De Braekeleer. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. August 2010)

  • Auf die Größe kommt es an: Die 130 Zentimeter wurden bei dem japanischen
 Robotor bewusst gewählt. Asimos Entwickler sehen darin das 
Ideal, wenn es um Arbeiten im Haushalt geht oder darum, bettlägrigen 
oder auf einen Rollstuhl angewiesenen Personen zu helfen.
    foto: honda

    Auf die Größe kommt es an: Die 130 Zentimeter wurden bei dem japanischen Robotor bewusst gewählt. Asimos Entwickler sehen darin das Ideal, wenn es um Arbeiten im Haushalt geht oder darum, bettlägrigen oder auf einen Rollstuhl angewiesenen Personen zu helfen.

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