Ärztliche Ausbildung in Lehrpraxen unerlässlich

20. August 2010, 10:41
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Derzeit nur ein Sechstel aller Turnusärzte in Lehrpraxen aktiv - Finanzelle Mittel für Ausbildung des medizinischen Nachwuchses fehlen

Wien - Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, fordert zur langfristigen Sicherung der medizinischen Versorgung im niedergelassenen Bereich die konsequente Förderung der Lehrpraxen. "Es ist unerlässlich, dass Ärzte obligatorisch auch in Ordinationen ausgebildet werden, so wie dies in den meisten anderen europäischen Ländern der Fall ist", sagte der Ärztepräsident Freitag in einer Aussendung. Damit verbunden sei die öffentliche Finanzierung der Lehrpraxen, wie sie zum Beispiel in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien selbstverständlich sei. Ohne diese Unterstützung seien die Lehrpraxen gefährdet, warnte Dorner. "Bund und Länder müssen sich endlich ihrer Verantwortung stellen und für eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Ausbildung sorgen", ergänzte der ÖÄK- Bildungsreferent und Präsident der Oberösterreichischen Ärztekammer, Peter Niedermoser.

Obwohl österreichweit knapp 2.200 Ordinationen die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses übernehmen könnten, gibt es derzeit nur 340 Turnusärztinnen und -ärzte, die in Lehrpraxen aktiv sind. Das entspricht nicht einmal einem Sechstel der theoretisch zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze. Der Grund liegt für Niedermoser klar auf der Hand: "Seit mit Jahresbeginn der Kollektivvertrag für Turnusärzärzte in Lehrpraxen unterzeichnet wurde, ist die Zahl der Lehrpraktikanten deutlich zurückgegangen." 

Finanzierung ungesichert

Die Mittel des Bundes, die sich derzeit auf eine knappe Million Euro belaufen, würden nicht einmal annähernd ausreichen, um die Ausbildung in Lehrpraxen zu finanzieren. Denn wo früher mit maximal 1.000 Euro ein deutlich zu geringes Gehalt bezahlt worden sei, sehe der Kollektivvertrag nun ein nach Ausbildungsgrad gestaffeltes Gehalt von mindestens 1.300 bis maximal 2.600 Euro brutto vor. "Ohne Förderung kann sich das kein Lehrpraxen-Inhaber leisten", erklärte Niedermoser. Die prekäre finanzielle Situation habe die Ausbildung in den Lehrpraxen zum Stillstand kommen lassen, so der Bildungsreferent weiter. Für ihn ist klar: Jetzt ist die Politik am Ball. Die Förderung mit öffentlichen Mitteln sowie die verpflichtende Absolvierung einer Lehrpraxis seien in Europa selbstverständlich und Standard. "Österreich muss endlich nachziehen. Wir haben genügend Lehrpraxen, brauchen aber auch die finanziellen Mittel, um sie zu unterstützen." Jährlich würden zusätzlich elf Millionen Euro benötigt, um die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses in Lehrpraxen zu sichern. (red)

 

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