Söldner übernehmen Aufgaben der US-Soldaten

20. August 2010, 16:22
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US-Außenministerium: bis zu 7000 Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen sollen "Sicherheitslücke schließen"

Washington - Nach dem teilweisen Abzug der US-Soldaten aus dem Irak will die amerikanische Regierung die Zahl der privaten Sicherheitsleute verdoppeln. P. J. Crowley, ein Sprecher des Außenministeriums, sagte am Mittwoch, insgesamt sollten bis zu 7000 Angestellte derartiger Unternehmen eingesetzt werden.

Damit könnte am flexibelsten die Sicherheitslücke geschlossen werden, die durch den Abzug des US-Militärs aufgerissen werde. "Wir müssen sicherstellen, dass unsere Diplomaten und Entwicklungsexperten gut beschützt werden", sagte Crowley, "dieser Vorschlag wird teuer, aber immer noch viel billiger als der Militäreinsatz".

Die Privatsecurities sollen fünf befestigte Stützpunkte im Irak verteidigen, Radarsysteme bedienen, die vor anfliegenden Raketen warnen, Aufklärungsdrohnen fliegen und im Notfall auch Zivilisten evakuieren. Luftraumüberwachung sowie die Ausbildung irakischer Soldaten an den M1-Panzern und F16-Kampfflugzeugen, die demnächst angeschafft werden sollen, ist weiter Aufgabe amerikanischer Soldaten.

Umstrittener Einsatz

Der Einsatz privater Sicherheitskräften im Irak hat in der Vergangenheit wiederholt zu Kontroversen und Animositäten zwischen den USA und der irakischen Regierung geführt - insbesondere nach dem Angehörige der US-Firma Blackwater 2007 in Bagdad das Feuer eröffnet und 17 Zivilisten getötet hatten. Bis 2009 konnten Privatsecurities nicht vor irakische Gerichte gestellt werden.

Ein hoher US-Regierungsbeamter sagte zur Nachrichtenagentur Reuters, dass es in der Vergangenheit zu "tragischen Ereignissen" gekommen sein, man aber angesichts der kurzen Einsatzdauer hoffe, diese Probleme diesmal vermeiden zu können. "Wir haben in dieser Angelegenheit sehr eng mit den irakischen Behörden zusammengearbeitet. Es hat in den vergangenen Jahren Veränderungen gegeben, die sicherstellen sollen, dass Überwachung und Verantwortung besser funktionieren."

Konkret sieht der neue Plan vor, dass jeder von Privatsecurities eskortierte Konvoi von einem Mitarbeiter des US-Außenministeriums begleitet werden soll. Die Wachmänner müssen sich außerdem bei den irakischen Behörden registrieren.

Clinton wollte weniger private Dienstleister

Das US-Außenministerium hat für Entwicklungshilfe im Irak ein jährliches Budget von bis zu drei Milliarden Dollar beantragt. Damit sollen unter anderem mehrere neue US-Konsulate, aber auch die Ausbildung irakischer Polizisten finanziert werden. Außenministerin Hillary Clinton hatte eigentlich angekündigt, dass man die Abhängigkeit von privaten Dienstleistern bei Auslandseinsätzen reduzieren wolle. Sprecher Crowley argumentiert, dass die nun präsentierte Lösung maximale Flexibilität garantiere. So könne man jetzt die Sicherheit des im Irak eingesetzten Personals garantieren, bei einer erwarteten Verbesserung der Sicherheitslage das zusätzliche Personal aber schnell abziehen.

Ab Monatsende sollen noch 50.000 amerikanische Soldaten im Irak stationiert sein. Die Entwicklungsarbeit dort wird inzwischen zunehmend von dem Verteidigungs- auf das Außenministerium übertragen. (red/Reuters/APA)

  • Bagdad, 8. September 2003: US-Zivilverwalter Paul Bremer mit Blackwater-Eskorte
    foto: epa/ali haider

    Bagdad, 8. September 2003: US-Zivilverwalter Paul Bremer mit Blackwater-Eskorte

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    Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma über Bagdad

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