Auf einem schwebenden Teppich reisen

20. August 2010, 16:48
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Der Citroën C5 V6 HDi ist wie Zuckerwatte für Erwachsene. Verführer zum leichten, in Samt und Seide ausgeschlagenen Leben. Und das mit 241 PS

Zum Autofahren Folgendes: Auch wenn man sportlich begann, schwarze Streifen auf den Asphalt malte, mit Reifengequietsche die Nächte zerschnitt, harte Federungen pries und den Hinterradantrieb sowieso, kommt irgendwann die Zeit, wo man es ruhiger angeht. Weil man telefoniert, statt Rekorde anzupeilen. Weil man Ö1 hört, statt Technohämmer.

Weil eine gereifte Frau das Tempo vom Beifahrersitz aus diktiert. Weil Kinder, Eltern, Schwiegereltern im Schutz deiner Verantwortung chauffiert werden. Und vielleicht auch, weil der Rücken schmerzt. Irgendwann beginnt sich das Wertegefüge zu verändern, und Kriterien wie Ruhe, Sanftheit, Eleganz rücken von einst verlachten Positionen an vorderste Stelle.

Aber darf man deswegen gleich Spießer gerufen werden, gar Weichei und Verräter der reinen Lehre? Aber sicher doch. Nur wenn man im C5 auf der Autobahn an einem Mini CooperS vorbeiströmt, dessen Fahrerin sich beim Versuch vom Red Bull zu nippen die Bluse nässt, dann lächelt man still in sich hinein und weiß, dass man etwas richtig gemacht hat.

Man könnte auch in einem BMW sitzen oder in einem Audi und damit voll ins Establishment gerauscht sein, hat sich aber einen Rest von Aufmüpfigkeit erhalten. Citroën erinnert doch immer an die klapprigen, unbeschwerten Tage des 2CV, an den Mut zur Hässlichkeit des Ami8, an den atemraubenden Sex und die über allem stehende Schönheit der DS oder stundenlange Wartezeit auf Pannenstreifen, weil die Hydropneumatik der späteren Modelle leckte.

Davon kann heute keine Rede mehr sein. Der C5 ist so solide und verlässlich wie je ein Deutscher, trägt aber die Gloriole der Freigeisterei wie ein jugendliches Parfum um seine Schultern.

Einen C5 kauft man nicht belanglos wie einen Mercedes. Der ist selbsterklärend, beim Citroën muss man überhaupt auf die Idee kommen. Und nachdenken. Und dann den anderen, die mehr oder weniger ergriffen um die wunderschöne, in athletischem Fluss gezeichnete Karosserie versammelt stehen, auseinandersetzen, dass eh alles gut ist.

Nichts wackelt. Oder knirscht. Ganz im Gegenteil. Der C5 ist ein schwebender Teppich, eine solide, fest verschraubte Sänfte, die abrauscht mit 241 PS aus dem kultiviertesten V6 Diesel.

Hebt sich auf der Hydroactive-III+-Federung von dannen, ohne je Stress aufkommen zu lassen. Gut, man hat Sporttaste für die Fahrwerksabstimmung und ein Sport-Schaltprogramm für die unmerklich schaltende Sechs-Gang-Automatik, aber das nimmt dem Ganzen fast schon wieder den Charme.
Das spießige Leben versüßen

Er ist ein mächtiger Daycruiser, ausgeschlagen in Samt und Seide und gespickt mit Elektronik, die einem nichts als das spießige Leben versüßen will. Bis zum Massagesitz für den geplagten Altrevolutionärsbuckel.

Die sportliche Linie zwackt ein wenig von der Kopffreiheit für die Fondsleute und verengt den Kofferraum, dem eine Heckklappe wohl mehr Ladesouveränität verleihen würde. Geschenkt. Lieber schön sein. Und sich treiben lassen. Und zurückblicken auf die, die dem Leben noch einen Zahn ausschlagen wollen - oder sich gerade selbst an der Dose mit dem putschenden Gummibärli-Saft den Zahn auszuschlagen drohen. (Andreas Hochstöger/DER STANDARD/Automobil/20.08.2010)

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  • Eine gefällige Limousine, nicht deutsch, mit einem Anstrich von Exotik und doch solide.
    foto: hochstöger

    Eine gefällige Limousine, nicht deutsch, mit einem Anstrich von Exotik und doch solide.

  • Hier walten Madame oder Monsieur.
    foto: hochstöger

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