Endomikroskopie macht Massenbiopsien überflüssig

21. August 2010, 08:22
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Krankhafte Veränderungen der Darmschleimhaut lassen sich gezielt erkennen

Stuttgart - Die bildgebenden endoskopischen Verfahren spielen eine wichtige Rolle zur Erkennung und Überwachung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Ein neues Verfahren, die Endomikroskopie, macht beim Menschen krankhafte Veränderungen der Darmschleimhaut während der Untersuchung sichtbar und verhindert überflüssige Gewebeentnahmen. Außerdem wurden im Tiermodell erfolgreich Antikörper nachgewiesen, die einen gezielten Einsatz von Medikamenten ermöglichen.
Die Sektion Endoskopie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) informiert auf der Fachtagung Viszeralmedizin vom 15. bis 18. September 2010 in Stuttgart über heutige und zukünftige Möglichkeiten des neuen Verfahrens.

Die Endomikroskopie ist ein Endoskop mit integriertem Mikroskop. Es wird im Dick- oder Dünndarm platziert und der Patient erhält intravenös ein Kontrastmittel verabreicht. Nach wenigen Minuten kann der gewünschte Bereich genau betrachtet werden. „Die Endomikroskopie kann auffällige Abschnitte der Schleimhaut noch während der Untersuchung identifizieren und gezielt Gewebe entnehmen", erläutert Ralf Kiesslich, Leiter der interdisziplinären gastrointestinalen Endoskopie am Universitätsklinikum Mainz. Das verbessert die Diagnose auf Grundlage des entnommenen Gewebes und vermindert Kosten, da Massen-Biopsien entfallen.

Barrieredysfunktion sichtbar gemacht

Patienten mit CED können vom endomikroskopischen Verfahren auch bei den regelmäßig stattfindenden Überwachungsuntersuchungen ihres Darmes profitieren. Bei bisherigen Verfahren entnehmen Ärzte Gewebeproben, um diese zu untersuchen. Gut ausgebildete Endoskopen können schon bei der Untersuchung mit Hilfe des eingebauten Mikroskopes krankhafte Veränderungen erkennen. Dazu gehören frühe Stadien von Dickdarmkrebs, für den Menschen mit langjähriger Colitis ulcerosa ein erhöhtes Risiko haben oder auch sogenannte Zellabschilferungen der Dünn- und Dickdarmschleimhaut. Dabei lösen sich einzelne Schleimhautzellen, die Barrierefunktion der Schleimhaut ist gestört und es können entzündliche Reaktionen folgen. „Die lokale Barrieredysfunktion kann nur mithilfe der Endomikroskopie live sichtbar gemacht werden", erläutert Kiesslich. Studien haben gezeigt, dass die Zellabschilferungen bei Menschen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa häufiger auftreten.

Die Experten erhoffen sich von dem Verfahren, dass den chronisch kranken Patienten einige der vielen Gewebeentnahmen erspart bleiben. Ein weiterer Vorteil könnte zukünftig die Behandlung des CED verbessern: Im Tiermodell konnten bereits bestimmte Eiweißmoleküle endomikroskopisch nachgewiesen werden. Diese ermöglichen den gezielten Einsatz sogenannter Biologicals. Die biotechnologisch hergestellten Substanzen können Entzündungsprozesse gezielt stoppen und erreichen somit oft eine vollständige Symptomfreiheit.

Rund 300 000 Menschen sind in Deutschland an chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Darmes erkrankt. Gastroenterologen und Viszeralchirurgen diskutieren in mehreren Veranstaltungen des Kongresses Viszeralmedizin 2010, wie Diagnose und Therapie der bisher unheilbaren CED optimiert werden können. Unter anderem wird Kiesslich über die Endomikroskopie und ihre Möglichkeiten informieren. (red)

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