Kräutermischung gegen Darmleiden

20. August 2010, 08:08
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Mit chinesische Medizin gegen Nebenwirkungen von Chemotherapien - Wirkstoffkomponenten der einzelnen Pflanzen sind unbekannt

New Haven/Martinsried - Eine 1.800 Jahre alte chinesische Kräutermischung könnte Darmprobleme bei Chemotherapie-Patienten lindern. In dem Kräutercocktail mit dem traditionellen Namen "Huang Qin Tang" sind chinesische Pfingstrosen, chinesisches Süßholzextrakt, Bockhornsklee-Früchte und chinesisches Helmkraut enthalten. Das neu gegründete Pharmaunternehmen PhytoCeutica hat die Extrakte unter dem Namen PHY906 in Pillenform gepresst und klinischen Tests unterzogen.

Forscher des Pharmaunternehmens haben gemeinsam mit Wissenschaftlern der Yale University School of Medicine herausgefunden, was diese Kräutermischung im Körper macht. Unklar sind allerdings weiterhin die individuellen chemischen Substanzen der einzelnen Pflanzen. 2004 hat die US-amerikanische FDA neue Richtlinien für die Zulassung von Kräutermischungen erlassen. Damit könnten solche, wenn sie sich nach klinischen Versuchen als sicher und effektiv erwiesen haben, zugelassen werden, ohne dass die einzelnen Wirkstoffkomponenten bekannt sind.

Extrakt des Grünen Tees zugelassen

Die Salbe Veregen vom deutschen Pharmaunternehmen Medigene ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das unter diese Richtlinien fällt. "Bekannt war, dass Extrakte des Grünen Tees gegen Tumore eingesetzt wurden", erklärt Georg Dönges vom Pharmaunternehmen Medigene. "Wie diese Substanzen wirkten, war aber unklar." Veregen ist nun als Arzneimittel gegen Genitalwarzen zugelassen.

"Wissenschaftler haben festgestellt, welche Substanzen im Grünen Tee virenhemmend sind", so Dönges. Gefunden wurden Katechine, die anschließend isoliert wurden. Für die Salbenherstellung wird kontrolliert angebauter Tee verwendet, da die Synthetisierung zu teuer käme. "Ob traditionell verwendete Kräuter tatsächlich wirken, muss mit modernen wissenschaftlichen Methoden überprüft werden", meint Dönges. Das sei allerdings aufwändig und teuer.

Neues Paradigma von Wirkstofffindung

Yung-Chi Cheng, Pharmakologe an der Yale University, sieht in dieser Entwicklung ein neues Paradigma in der Entwicklung von Arzneimitteln. "Das ist ein typisches Beispiel für den Austausch des Westens mit dem Osten", so der Wissenschaftler. Die jüngsten Forschungsergebnisse geben zumindest einige zusätzliche Informationen darüber, wie diese Kräuter auf den Darm wirken.

Bei Mäusen, die das Chemotherapeutikum Irinotecan erhielten, wurden die schnell teilenden Zellen im Gedärm getötet. Irinotecan blockiert das Enzym Topoisomerase, das für die DNA-Replikation wichtig ist. Bei der Gabe von PHY906 gemeinsam mit dem Chemotherapeutikum waren diese schnell teilenden Zellen jedoch nach vier Tagen wiederhergestellt.

Genaue Kontrolle der Kräuter wichtig

"Auch wenn die Untersuchungen positiv verlaufen, muss immer auf die Toxizität der jeweiligen Kräuter geachtet werden", betont die Biologin Elaine Holmes vom Imperial College in London. Auch Dönges unterstreicht die Wichtigkeit dieser Tatsache. "Es muss sichergestellt werden, dass die verwendeten Pflanzen frei von Herbiziden und Pestiziden sind." (pte)

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    Kräutermischungen dürfen auch zugelassen werden, wenn sie sich nach klinischen Versuchen als sicher und effektiv erwiesen haben. Die einzelnen Wirkstoffkomponenten müssen nicht bekannt sein.

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