Deutschland: Frachter mit Material für Atombomben gestoppt

26. April 2003, 15:41
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Deutsche Regierung vermutet offenbar Ziel Nordkorea - Geschäftsführer einer beteiligten Firma in Haft

Hamburg - Die deutsche Regierung hat nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" einen Frachter mit zum Atombombenbau geeignetem Material stoppen lassen, das möglicherweise für Nordkorea bestimmt war. Der Geschäftsführer einer Firma aus dem baden-württembergischen Königsbronn sei wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz verhaftet worden, berichtete das Magazin am Samstag im Voraus. Auf dem Frachter seien Aluminiumrohre transportiert worden, die zum Bau von Zentrifugen zur Urananreicherung geeignet seien.

Ein Sprecher des für das deutsche Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zuständigen Wirtschaftsministeriums bestätigte auf Anfrage lediglich, dass das Amt die Firma darauf hingewiesen habe, dass die Ausfuhr der Rohre genehmigungspflichtig sei. Diese Genehmigung habe die Firma aber nicht eingeholt.

Chinesischer Flugzeugbauer

Laut dem Bericht war zwar als offizieller Empfänger der Ladung ein chinesischer Flugzeugbauer angegeben. Die deutsche Regierung habe allerdings den Verdacht, dass Nordkorea der wahre Adressat für die Fracht gewesen sei. Als Vermittler für das Geschäft bei Optronic sei ein Nordkoreaner aufgetreten. Die Ware sei am 3. April im Hamburger Hafen auf einen französischen Frachter geladen worden. Die Regierung habe den entsprechenden Container in Ägypten von Bord nehmen lassen.

Der verhaftete Geschäftsführer der Firma Optronic bestreitet nach Auskunft seines Anwalts die Vorwürfe, berichtet der "Spiegel". Er habe nach der Intervention des Bafa das Geschäft nicht fortführen wollen. Dann habe sich überraschend eine Hamburger Firma gemeldet und angeboten, den Export zu übernehmen, heißt es in dem Bericht. (APA/AP)

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