Kein Asyl für Tarek Aziz in Großbritannien

26. April 2003, 14:46
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London spricht von "lächerlicher Annahme"

London - Die Regierung in London hat Spekulationen um eine mögliche Bitte des früheren irakischen Vizeregierungschefs Tarek Aziz um Asyl in Großbritannien klar zurückgewiesen. "Es ist einfach lächerlich anzunehmen, das einem Individuum Asyl gewährt wird, das selbst an der Verletzung der Menschenrechte beteiligt war", sagte eine Sprecherin des Innenministeriums am Samstag.

Sie reagierte damit auf einen Artikel in dem britischen Massenblatt "The Sun" vom selben Tag. Nach dem Bericht habe Aziz bei Befragungen durch US-Stellen vorgeschlagen, mit neuer Identität in britisches Asyl zu gehen und im Gegenzug alles über das gestürzte irakische Regime zu berichten, was er wisse. Aziz hatte sich am Donnerstag den US-Behörden in Bagdad gestellt.

"Wir ziehen dies nicht in Betracht"

Ein solches Ansinnen des 67-Jährigen ist nach Angaben der britischen Ministeriumssprecherin nicht verhandlungsfähig. "Wir ziehen dies nicht in Betracht", sagte die Sprecherin. Nach den Angaben müssen Regierungen zwar eigentlich alle Asylersuchen prüfen, doch stellen nach der Flüchtlingskonvention von 1951 Kriegsverbrecher eine Ausnahme dar.

Über eine Anklage gegen den früheren stellvertretenden Regierungschef Aziz ist nach US-Angaben noch nicht entschieden. Die US-Armee will die hochrangigen Gefolgsleute des entmachteten irakischen Präsidenten Saddam Hussein außer Landes bringen. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA glaubt der US- Geheimdienst CIA, dass Aziz über wichtige Informationen über Saddam Hussein und den Verbleib irakischer Massenvernichtungswaffen verfügt. (APA/dpa)

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