Infos durch Internationales Rotes Kreuz völlig abgerissen

26. April 2003, 14:24
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Deutscher Generalbundesanwalt hat Ermittlungen aufgenommen - mögliche Zusammenhänge mit verurteilten Terroristen in Frankfurt

Salzburg - Momentan völlig abgerissen sind auch die Informationen auf dem Wege des Internationalen Roten Kreuzes (IRK), wie Salzburgs Landesrettungskommandant Gerhard Huber auf Anfrage der APA schilderte. Huber hatte nach dem Verschwinden der Salzburger das IRK eingeschaltet. Zum einen sollten auch so Informationen aus Algerien nach Salzburg und zu den Angehörigen gelangen, zum anderen hat Huber eine mögliche Vermittlertätigkeit im Falle einer Entführung angeboten, weil das Rote Kreuz beziehungsweise der Rote Halbmond großes Vertrauen genieße.

Deutscher Generalbundesanwalt hat Ermittlungen aufgenommen

Im Fall der 31 in Algerien vermissten Europäer, darunter auch acht Salzburger und zwei Tiroler, hat nun der deutsche Generalbundesanwalt Kay Nehm Ermittlungen aufgenommen. Das berichten die "Salzburger Nachrichten" in ihrer Ausgabe von heute, Samstag. Möglicher Hintergrund einer Entführung könnte die Verurteilung von vier algerischen Terroristen am 10. März in Frankfurt sein.

Ermittlungen

Die Ermittlungen des obersten Anklägers Deutschlands werden damit begründet, weil das Verschwinden der 15 Deutschen, zehn Österreicher, vier Schweizer, eines Niederländers und eines Schweden einen terroristischen Hintergrund haben könnte. Werden Deutsche im Ausland Terror-Opfer, kann die deutsche Justiz auch gegen ausländischen Terror vorgehen. Theoretisch wäre das auch in Österreich möglich, die Staatsanwaltschaft Salzburg hat aber bisher keine Ermittlungen eingeleitet, so deren Leiter Friedrich Ginthör.

Denkbare Verbindungen werden untersucht

Das deutsche Bundeskriminalamt soll denkbare Verbindungen der mutmaßlichen Geiselnehmer zu extremistischen Islamisten in Deutschland untersuchen. Denn das Verschwinden der Europäer fällt mit den Schlüsseldaten des Prozesses gegen vier algerische Terroristen in Frankfurt zusammen, bei dem die Männer wegen eines geplanten Terroranschlages am 10. März zu zehn bis zwölf Jahren Gefängnis verurteilt wurden.

Ermittlungen

Die Verurteilten werden laut "SN" der arabisch-algerischen Terrorbewegung "Gruppe für Predigt und Kampf" (GSPC) zugeordnet. Die GSPC, die zum Al-Kaida-Netzwerk gehört, gilt als Hauptverdächtige für das mögliche Kidnapping der 31 Touristen. Auch nach dem Terroranschlag im tunesischen Djerba im April 2002, bei dem 19 Menschen - darunter 14 Deutsche - starben, hatte Nehm die Ermittlungen an sich gezogen, nachdem feststand, dass der tunesische Attentäter "kurz vor dem Anschlag nach Deutschland telefoniert hat".

Derzeit gelten 31 Europäer als in Algerien vermisst. Sie waren in verschiedenen Reisegruppen mit Geländewagen oder Motorrädern in der Sahara unterwegs. Von einigen gibt es seit dem 21. Februar kein Lebenszeichen. (APA)

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