Zahlreiche Tote bei Explosion in Waffenlager in Bagdad

26. April 2003, 16:48
23 Postings

Mehrere Zivilisten unter Opfern - ausgelöst durch Nachlässigkeit der US-Soldaten oder Kettenreaktion nachdem auf Militärgelände gefeuert wurde

Bagdad/Saafariniya - Washington - Bei einer Serie von Explosionen in einem Munitionsdepot nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Samstag nach Angaben des US-Zentralkommandos mindestens sechs Zivilisten getötet und vier verletzt worden.

Außerdem habe ein US-Soldat Verletzungen erlitten, teilte das Zentralkommando mit. Es werde damit gerechnet, dass die Zahl der Opfer steige. Medienberichte, die zunächst von bis zu 40 Toten als Folge der Explosionen ausgegangen waren, haben sich damit offenbar als überhöht erwiesen.

Kettenreaktion nachdem auf das US-Militärgelände gefeuert wurde

Über die Ursache gab es widersprüchliche Angaben. US-Major Frank McLary, dessen Einheit sich an den Bergungsarbeiten beteiligte, sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), Unbekannte hätten in der Früh von außen auf das Militärgelände gefeuert und dadurch eine Kettenreaktion ausgelöst. Dagegen meinten Anrainer, das US-Militär habe bei der Zerstörung der irakischen Armeebestände nicht genügend aufgepasst.

Explosionen über eine Stunde lang

Die mehr als eine Stunde lang andauernden Explosionen waren bis ins rund 15 Kilometer weit entfernte Stadtzentrum von Bagdad zu hören. Nach Angaben von Augenzeugen starben allein im Haus einer Familie im Vorort Safaranije acht Menschen, darunter mehrere Kinder.

vierte Vorfall dieser Art innerhalb von 48 Stunden

US-Major McLary sagte, auch ein amerikanischer Soldat sei bei den Explosionen verletzt worden. Weitere US-Soldaten hätten sich in Sicherheit bringen können, als die Munition auf dem Gelände Feuer fing. Nach seinen Angaben hatten Unbekannte auf das Militärgelände gefeuert, auf dem unter anderem Raketen der irakischen Armee gelagert wurden. "Es war der vierte Vorfall dieser Art im Raum Bagdad innerhalb von 48 Stunden", sagte der Major.

Nachlässigkeit

Bewohner in Safranije widersprachen den Angaben des US-Militärs. Die US-Soldaten hätten bei der Zerstörung der irakischen Armee- Bestände nicht genügend aufgepasst. Das Depot sei so gut bewacht, dass niemand von außen auf die Munitionslager habe schießen können. "Die Amerikaner wollten offenbar Munition und Bomben der irakischen Armee zerstören, als das Feuer plötzlich auf weitere Geschütze und Raketen übergriff", sagte ein Arzt in einem Krankenhaus in Safaranije. Augenzeugen sahen in dem Viertel mehrere zerstörte Wohnhäuser sowie mindestens vier Raketen, die nicht explodiert waren.

"Der Terror nach dem Krieg"

Die Soldaten hätten den Verletzen helfen wollen. Rund 500 Menschen fuhren später mit Lastwagen, Bussen und Autos aus dem Vorort heraus. An einem Kontrollpunkt der US-Armee skandierten die Männer anti-amerikanische Slogans wie "Der Terror nach dem Krieg" in Englisch. Wie am Freitag aus den Regierungskreisen in Washington verlautete, will Bush am Donnerstag bei einem Besuch heimkehrender Soldaten auf dem US-Flugzeugträger "Abraham Lincoln" das offizielle Ende des in der Nacht zum 20. März begonnenen Krieges erklären. Auch wolle Bush über die jetzt beginnende Phase des Wiederaufbaus sprechen. In den Kreisen wurde aber betont, dass die Rede noch nicht geschrieben sei.

Keine neuen Spuren

Vom gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein und seinen Söhnen Udai und Kusai fehlte unterdessen weiter jede Spur. Auch haben die USA bisher noch keine Massenvernichtungswaffen entdeckt. Der Vorwurf, Saddam habe solche, war einer der Gründe für den Krieg gegen den Irak. In vielen irakischen Städten ist unterdessen noch nicht klar, wer sie eigentlich kontrolliert. So wird beispielsweise die den Schiiten heilige Stadt Najaf von moslemischen Geistlichen regiert, die sich mit den vor der Stadt lagernden US-Soldaten nicht einmal beraten, wie sie am Freitag erklärten. Die US-Truppen widersprechen zwar. Doch zeigt der Fall Najaf wie auch die Explosion am Samstag und die wütende Reaktion der Menschen wie unsicher die Lage im gesamten Irak noch ist. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wütende Proteste der Einwohner gegen die Besatzer

Share if you care.