Autotiefstapler unter dem Donnerbrunnen

25. April 2003, 20:15
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Garage unter dem Neuen Markt beschlossene Sache - geht es nach dem Bezirk, den Projektbetreibern und der Stadtplanung

Wien - Die Sache, meint der Bezirksvorsteher, ist gelaufen. Bürgerproteste, so Franz Grundwalt (VP), könnten die Garage am Neuen Markt nicht verhindern, "höchstens den Baubeginn verzögern." Die Frage, so waren sich der Innenstadt-Bezirkschef und die Errichter der unter dem Donnerbrunnen geplanten Tiefgarage Donnerstagabend einig, sei daher nur, wann die Bagger anrücken: Bestenfalls - aus Errichtersicht - im Herbst 2004.

Frühjahr 2005

Schlimmstenfalls im Frühjahr 2005. 24 Monate später soll dann eine 325 Autos fassende, vollautomatische Tiefgarage in Betrieb gehen: Nach dem Prinzip moderner Hochregallager werden die - an einer unterirdischen "Rezeption" abgelieferten - PKW per computergesteuerten Trolley raumsparend "verstaut" und ausgeliefert. Ein System, das - so Walter Moser von der Errichtergesellschaft MID - nur Vorteile bringe: Statt den üblichen sechs bis acht Minuten sollen Zu- und Abfahrt höchsten zwei Minuten dauern.

Die Autos im Regal wären vor Dieben sicher - und die Autoausgabestelle kein "Angstraum" für Frauen. Überdies reduziere das Verbringen der Fahrzeuge per Elektrotrolley die Emissionen beträchtlich - und die Regallogistik spare Platz.

Teures System

Dass das System teurer sei, träfe die Benutzer nicht: 120 Stellplätze wären für Anrainer - zu Monatsmieten unter 100 Euro - reserviert. Die anderen Plätze könnten auch nur zu Marktpreisen vermietet werden. Schließlich, freute man sich, würden auch Nichtautofahrer profitieren: Derzeit sei die Region zu 110 Prozent "überparkt".

Durch die Garagenfertigstellung würden 200 Oberflächenparkplätze obsolet: Die Fußgängerzonen und Boulevards der Umgebung könnten ausgedehnt werden. Wenig Euphorie Doch während ein Sprecher von Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) am Rande der Veranstaltung erklärte, man begrüße das Projekt, hält sich die Euphorie im Rathaus und rund um den Donnerbrunnen in Grenzen.

Unterschriften- Sammelung

Schon in den vergangenen Monaten hatte eine Bürgerinitiative aus Anrainern und Geschäftsleuten gegen das Garagenprojekt einige Hundert Unterschriften gesammelt. Die zweijährige Baustelle, gibt der Grünen-Rathausmann Rüdiger Maresch der Initiative Rückendeckung, wäre "der Todesstoß für die kleinen Geschäfte." Die 15,4 Millionen Euro teure - von der Stadt mit rund 1,3 Millionen Euro geförderte - Anlage sei nicht notwendig. Sie würde lediglich anderen Garagen "die meist leer stehen" Konkurrenz machen. Die Grünen verlangen deshalb eine Bürgerbefragung. Ähnlich wie bei einem Projekt im dritten Bezirk: Dort haben sich die Anrainer mehrheitlich gegen eine Garage ausgesprochen.

Mag die Skepsis der Grünen vorhersehbar sein, ist die Zurückhaltung der Stadt-VP aber doch auffällig: "Garagenbedarf besteht zwar, aber wir wären gut beraten, genau zu überlegen, wann und in welcher Form wir sie brauchen", erklärt VP-Planungssprecher Alexander Neuhuber im Gespräch mit dem Standard. Er plädiert dafür, vor dem Setzen endgültiger Schritte "in einen Dialog mit den Bürgern" zu treten. Dass sein Parteifreund Franz Grundwalt den Zug für - zumindest - abfahrtsbereit erklärt, sei kein Widerspruch: "Er sieht die Sache eben aus der Sicht des ersten Bezirkes, aber wir sollten die ganze Stadt im Auge behalten." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 26/27.4.2003)

Geht es nach dem Bezirk, den Projektbetreibern und der Stadtplanung, ist die Garage unter dem Neuen Markt beschlossene Sache. Doch nicht nur Anrainer und Grüne, auch die Stadt-VP sähe die Bürger gerne dazu befragt.
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