"Eigentlich müsste er selbst zurücktreten"

25. April 2003, 19:56
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Bernard Sadovnik, dem Obmann des Rates der Kärntner Slowenen, droht die Abwahl

Klagenfurt - Die Tage des Bernard Sadovnik als Obmann des katholisch orientierten Rates der Kärntner Slowenen scheinen gezählt. Kommenden Montag will der Volksgruppentag, das eigentliche Rats-"Parlament" einen neuen Obmann wählen. Sadovnik hatte die Neuwahl zwar selbst verlangt, um seinen heftig unter Beschluss geratenen Konsenskurs mit der Landes- und Bundespolitik bestätigen zu lassen, doch dürfte dieser Schuss nun nach hinten losgehen. Denn im Volksgruppentag mehren sich die Stimmen, die eine Ablöse Sadovniks fordern.

Der Hauptvorwurf: Sadovnik agiere "völlig abgehoben". Er ignoriere die Gremien und deren Beschlüsse, um seine "Politik des Konsenses", die viele Slowenenfunktionäre als "Anbiederung" vor allem an Landeshauptmann Jörg Haider empfinden, durchsetzen zu können.

"In den Gremien wird nichts mehr diskutiert, nur mehr hinterher informiert", kritisiert der Leiter des Volksgruppenzentrums Marjan Pipp: "Das ist inakzeptabel."

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die neue slowenische Zeitung Novice. Als deren Herausgeber fungiert die Gesellschaft "SloMedia", die am Volksgruppentag vorbei gegründet wurde. Als Gesellschafter scheinen nicht die beiden slowenischen Zentralorganisationen - der Rat und der Zentralverband -, sondern deren Obmänner Sadovnik und Marjan Sturm sowie deren Sekretäre auf.

Herbe Kritik gibt es auch an den Verhandlungen mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zur Ortstafelfrage. So hätten die Gremien beschlossen, eine Delegation zur Konsenskonferenz nach Wien zu entsenden. Der hätte auch Anwalt Rudi Vouk, der die Aufhebung des Ortstafelgesetzes 1972 erwirkt hatte, angehören sollen. Die beiden Obmänner der Zentralorganisationen wären aber alleine gefahren. "Sadovniks Pilgerreisen zu Klestil, Haider und Schüssel haben uns nichts gebracht", meint ein Ratsfunktionär. Sadovnik sollte "eigentlich selbst zurücktreten", sagt Marjan Pipp. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.4.2003)

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    Sadovniks "Politik des Konsenses", wird oft als "Anbiederung" an Haider verstanden

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