"Lehrangebot an Unis von null bis 24 Uhr"

25. April 2003, 19:49
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VP-Brinek beurteilt Teilzeitstudium kritisch

Wien - "Das Angebot der Universitäten für studierende Eltern wurde in den vergangenen Jahren stark erweitert", entgegnet VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek SP-Familiensprecherin Andrea Kuntzl. Diese hatte aufgrund der jüngsten Studierendensozialerhebung im STANDARD-Gespräch mehr Hilfe für Studierende mit Kind, vor allem Alleinerzieherinnen, gefordert. Zumal Studiengebühren die Situation von studierenden Eltern noch zusätzlich verschärft hätten.

Brinek indes verweist etwa auf ein vom Bildungsministerium eingerichtetes "Kinderbüro" an der Uni Wien. Zur Ausweitung dieses Projekts auf sechs Wiener Unis seien 100.000 Euro zur Verfügung gestellt worden. Auch die im Auftrag von Ministerin Elisabeth Gehrer entwickelte Vermittlungsdrehscheibe "Unikid" helfe Studierenden und Uniangehörigen mit Kindern.

Dem von Kuntzl und vielen befragten Studierenden geforderten "Teilzeitstudium mit Teilgebühren" steht Brinek, selbst Erziehungswissenschafterin an der Uni Wien, aus pragmatischen Gründen skeptisch gegenüber: "Das würde letztlich ein Lehrangebot von null bis 24 Uhr voraussetzen. Berufstätige Väter werden lieber am Abend in die Vorlesung gehen, berufstätige Mütter wohl eher untertags." Mit den vorhandenen Ressourcen sei das kaum machbar, meint Brinek.

Vielmehr hätte sie die Studiengebühren an sich ganz anders organisiert, erklärt die VP-Abgeordnete: Anstatt 363 Euro pro Studiensemester zu zahlen sollte nur für die faktische, durchschnittliche Studiendauer eines Fachs (nicht für die theoretische Größe der Mindeststudiendauer) gezahlt werden müssen. Alles, was darüber hinausgehe, sollte kostenlos sein. Das würde den je unterschiedlichen Studienbedingungen - mit Kind oder ohne, berufstätig oder nicht - gerechter werden und, so Brinek: "Der Staat würde die Studiengebühren auch nicht maximieren." (nim/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.4.2003)

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