Der Roulettespieler als Lyriker

25. April 2003, 19:52
posten

Wolfgang Bauer liest im Rahmen von "aktuelle kunst in graz 2003" in der Galerie Kunst & Handel

Der Tod eines Dichters ist anders; er besteht nicht darin, dass er stirbt, sondern dass alle glauben, den Lebenden "eh immer schon" zu kennen, alles über ihn zu wissen. Zu dieser Gruppe - deren Exemplare in der Regel per verkürztem Vornamen angeredet werden - gehört der 1941 geborene Wolfgang Bauer. Just von denen, die ihn nicht kennen, "Wolfi" genannt. Alle, seit "Party for Six" (UA Innsbruck 1967) fühlten sich immer schon Gast auf Bauers Party, obwohl seine Bühnenfiguren und Satzfetzen gerade nicht von Verbrüderung, sondern von Entfremdung künden: Herolde der Langeweile. Deshalb sind Bauers frühe Erfolge so aktuell. Vielleicht ist der Roulettespieler aber auch Lyriker (ein Band der Droschl-Ausgabe zeugt davon). Oder überhaupt einfach anders. Jedenfalls liest er heute im Rahmen von "aktuelle kunst in graz 2003" dort, wo Günter Brus' "Alterswerk und Jugendsünden" hängt. (rire/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.4.2003)

Galerie Kunst & Handel, 8010 Graz, Einspinnergasse 2, (0316) 81 00 98. 16.30
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.