Voestalpine will an New Yorker Börse

25. April 2003, 19:32
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Eigenständigkeit hat für Linzer Konzern Priorität - Privatisierung soll über Wiener Börse erfolgen - In drei Jahren will man an die Wall Street

Wien - Der Linzer Stahl- und Stahlverarbeitungskonzern Voestalpine, eines der Privatisierungsobjekte der Regierung, hat klare Präferenzen, was die künftige Eigentümerstruktur angeht. Die angepeilte Privatisierung solle in den nächsten zwei Jahren über die Börse Wien erfolgen, ein Jahr später wolle man an der New Yorker Börse notiert sein.

Nach der heftigen Konsolidierungswelle in der europäischen Stahlindustrie und deutlich schlechteren Ergebnissen bei ThyssenKrupp, Arcelor oder Corus im Vergleich zu den Einzelkonzernen vor den Fusionen und Übernahmen, ist für Voest-Vize Wolfgang Eder klar, dass die Eigenständigkeit des Konzerns erhalten bleiben muss. "Es ist unrealistisch zu glauben, dass sich mit einem strategischen Partner etwas verbessern würde", sagte Eder.

Automotive Expansion

Die Staatsholding der Republik Österreich, die ÖIAG, hält derzeit 34,7 Prozent an der Voestalpine, die speziell in ihrer automotiven Sparte stark expandiert. Das ÖIAG-Paket hat trotz der jüngsten Kursgewinne (seit Jahresbeginn plus zwei Prozent) zwischen Mai 2000 und März 2003 rund 94 Mio. Euro auf nunmehr 315 Mio. Euro an Wert verloren.

Die Börsenkapitalisierung des Konzerns mit einer Eigenmittelausstattung von 1,7 Milliarden Euro liegt derzeit bei lediglich 911 Millionen Euro. Zur Verhinderung einer feindlichen Übernahme hat sich daher neben der ÖIAG eine österreichische Kernaktionärsgruppe (RLB OÖ, Oberbank, Allianz, Bawag, Wr. Städtische, Mitarbeiterstiftung) gebildet, die schon fast 30 Prozent der Anteile repräsentiert.

Eder sagte: "Wir glauben, dass man den 34-Prozent-Anteil der ÖIAG in zwei Tranchen problemlos an der Wiener Börse unterbringen kann."

Liquiditätsproblem

Auch die Kapitalerhöhung in Höhe von 215 Mio. Euro vom April 2002 sei in Wien erfolgreich über die Bühne gegangen. Dennoch bleibe die geringere Liquidität im Wiener Markt ein Problem für die Finanzierungsflexibilität des Konzerns. Daher peile man ein "echtes Listing in New York wie die Telekom Austria" an, um die Börse auch in Zukunft als Eigenkapitalgeber nutzen und sich auf der Fremdkapitalseite (Stichwort: Basel II) freispielen zu können.

Schöne Ergebnis-Marge

Rund 15 Prozent der Voest-Aktien sind derzeit im Besitz von US-Investmentfonds. Als Voraussetzung für eine Notiz an der Wall Street nannte Eder unter anderem ein Umsatzvolumen im Gesamtkonzern von 5,5 Milliarden Euro, das für das Geschäftsjahr 2005/06 angepeilt wird. Im soeben abgeschlossen Geschäftsjahr 2002/03 lag der Umsatz bei 4,3 Milliarden Euro, rund einer Milliarde über dem Vorjahr.

Speziell die Sparte "Motion", wie die Teilezulieferung an Autokonzerne genannt wird, steuerte dabei nach nur zwei Jahren am Markt bereits ein Umsatzvolumen von rund 700 Millionen Euro bei. Die Ergebnismarge (auf Ebit-Basis) liegt im Automotivbereich bei 3,5 bis 4,0 Prozent.

Magna-Gerücht

Wohl wegen des Erfolges der Voest-Autosparte wollte in letzter Zeit das Gerücht nicht verstummen, Frank Stronachs Autozulieferkonzern Magna sei an einem Einstieg bei der Voestalpine interessiert. Eder wollte dieses Thema nicht kommentieren und sagte lediglich: "Ich glaube, diese Gerüchte werden in die Welt gesetzt, um uns oder Stronach zu ärgern. Die ÖIAG ist in der Disposition ihrer Beteiligungen völlig frei. Wir brauchen eine kalkulierbare Eigentümerbasis, die unsere Strategie begleitet, möglichst aus Österreich kommt und bei der unsere Eigenständigkeit erhalten bleibt."

Derzeit repräsentiert die Automotiv-Sparte der Voest einen Umsatzanteil von 17 Prozent, die Hauptüberschneidung mit Magna liegt im Karosseriebereich. Die Großserienproduktion ganzer Autos strebe die Voest nicht an, sagte Eder. (Michael Moravec, DER STANDARD Print-Ausgabe, 26.4.2003)

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Voestalpine

Kommentar
Nagelprobe für die ÖIAG Von Michael Moravec

  • Prunkstück der Voest-Auto-Sparte: der Aluminium-Body des Jaguar X 350 der niederländischen Voest-Tochter Polynorm.
    montage: derstandard.at

    Prunkstück der Voest-Auto-Sparte: der Aluminium-Body des Jaguar X 350 der niederländischen Voest-Tochter Polynorm.

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