Das Kubakrisenspiel

25. April 2003, 19:11
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Von Christoph Prantner

So tragisch der Anlass ist, so banal sind seine Konsequenzen: Fidel Castros Regime hat unlängst an die 80 Dissidenten nach mehr als fragwürdigen Prozessen für Jahrzehnte ins Gefängnis geschickt. Und jetzt passiert das, was sich in den kleineren Kubakrisen seit 1962 in immer gleichem Muster wiederholt: Die Amerikaner versuchen den karibischen Kommunisten die Daumenschrauben noch fester anzuziehen. Deren "Comandante en Jéfe" und seine Büttel benutzen den Druck, um noch härter gegen Andersdenkende vorzugehen. Das Spiel funktioniert nach alten Regeln, es gibt Sieger auf beiden Seiten.

Mit seinem Vorgehen gegen den Innenfeind Dissidenten brachte Castro den guten alten Außenfeind USA wieder in Stellung, sein Regime hat nach Jahren des schleichenden Autoritätsverlustes die Zügel wieder fest in der Hand. Der Sozialismus sei in Kuba doch verfassungsmäßig garantiert, nun heiße es eben zusammenstehen gegen die US-Imperialisten. Washington wiederum kann - zu Recht - auf die Menschenrechtsverletzungen in Havanna verweisen. Über das politisch und inzwischen auch ökonomisch einigermaßen nutzlose Embargo gegen Kuba darf nicht einmal laut nachgedacht werden, obwohl selbst die Amerikaner wissen, dass vor allem diese Blockade Castro seit mehr als 40 Jahren an der Macht hält.

Für die Europäer ist zum Glück keine Rolle in der Partie vorgesehen. Nur sie, scheint es, haben unter diesen Auspizien die Chance, das Spiel zu einem Ende zu bringen. Obwohl die neueste Repressionswelle ihre Bemühungen um Öffnung zunichte gemacht hat, dürfen sie nicht nachlassen. Osvaldo Payá, einer der wenigen Dissidenten, die nicht hinter Gittern sind, ist fest davon überzeugt, dass Castros Regime nicht mit Gewalt, sondern mit sanftem Druck und Öffentlichkeit gefällt werden wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 26. und 27. 04. 2003)

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