Versteckte Megabeben schaukelten Tsunami hoch

20. August 2010, 17:55
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2009 bebte es vor Tonga gleich dreimal innerhalb von zwei Minuten

London - Als am 29. September 2009 vor Samoa ein schweres Erdbeben der Magnitude 8,1 registriert wurde, schlugen die Seismologen unmittelbar danach Alarm: Sie sagten einen Tsunami vorher und berechneten auch seine Laufzeiten und die Amplituden. Doch als die Flutwelle kam, war sie dann doch ganz anders und viel mächtiger - und forderte über hundert Tote.

Warum sich die Seismologen damals irrten, klären nun gleich drei internationale Forschergruppen in der aktuellen Ausgabe des britischen Wissenschaftsmagazins "Nature". Eine genaue Auswertung aller verfügbaren Daten zeigte, dass damals nicht nur ein, sondern drei nahezu gleichzeitig auftretende Beben an der Grenze von Pazifischer und Australischer Platte der Auslöser für den Tsunami waren: zwei sogenannte Megathrust-Beben direkt in der Subduktionszone, also da, wo sich eine Platte unter die andere schiebt, sowie ein Beben im Bereich der Pazifischen Platte östlich der Plattengrenze.

"Zuerst dachten wir, es war nur ein Beben", sagt Keith Koper, Ko-Autor einer der Studien und Seismologe an der Universität von Utah. "Aber als wir uns die Daten anschauten, zeigte sich, dass hier drei große Beben innerhalb von nur zwei Minuten aufeinanderfolgten." Die beiden Beben, die durch das erste verdeckt worden waren, seien letztlich für den größten Schaden und den Tsunami verantwortlich gewesen, so Koper: Der "Doppelschlag" erzeugte komplexere Erschütterungsmuster im Untergrund und veränderte daher auch die Parameter des Tsunami.

Abfolge auf den Kopf gestellt

Doch es gab noch eine zweite Überraschung: Die Forschergruppe um Thorne Lay von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz berichtet in einer zweiten Studie, dass ein sogenanntes Außenkanten-Beben den beiden Megathrust-Beben vorausging.

Damit wurde der bisher als "normal" betrachtete Ablauf - erst Megathrust, dann Außenrand - auf den Kopf gestellt. Das Erdbeben am Rand der abtauchenden Platte löste die Beben in der Tiefe der Subduktionszone aus.

Dieser neu entdeckte Erdbebenmechanismus dürfte nach Ansicht der Wissenschafter auch die Ursache für viele von Tsunamis gefolgten Erdbeben in der Gegend um Tonga sein.

  • Keith Koper, Ko-Autor einer der Tsunami-Studien, vor den Seismografen-Anzeigen der 
Universität von Utah
    foto: remi barron, university of utah

    Keith Koper, Ko-Autor einer der Tsunami-Studien, vor den Seismografen-Anzeigen der Universität von Utah

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