Zwei Hunde umrundeten die Erde

19. August 2010, 19:20
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Belka und Strelka flogen am 19. August 1960 an Bord der "Sputnik 5" in den Weltraum

Moskau - Russland hat am Donnerstag den 50. Jahrestag einer berühmten Weltraum-Mission gefeiert: Die Hundedamen Belka und Strelka waren am 19. August 1960 die ersten Hunde, die im Weltraumschiff "Sputnik 5" ins All starteten, die Erde umrundeten und lebend zurückkehrten. Der Test mit den beiden Mischlingshunden diente damals als wichtiger Schritt bei der Vorbereitung des ersten bemannten Weltraumflugs mit Juri Gagarin am 12. April 1962. Zudem zementierte die Sowjetunion mit der erfolgreich verlaufenen Mission ihre Vormachtstellung in der Raumfahrt.

"Die Aufgabe von Belka und Strelka bestand darin, die Raumsonde zu testen, die Gagarin ins All brachte", sagte der russische Kosmonaut Alexander Lasutkin am Donnerstag dem staatlichen Fernsehsender Rossija. Zuvor war im November 1957 erstmals Hündin Laika ins All geschossen worden. Belkas und Strelkas Vorgängerin im Weltraum verendete jedoch kurz nach dem Start wegen der Überhitzung an Bord.

Nach intensiver Forschung waren sowjetische Raumfahrtingenieure 1960 in der Lage, ein Raumschiff zu bauen, das einen Menschen ins All befördern und wieder zurückbringen konnte. Für die Tests mussten Tiere herhalten. Hierfür wurden herumstreunende Mischlingshunde herangezogen, weil diese sich nach Ansicht der Ärzte besser an die unwirtlichen Bedingungen anpassen konnten.

"Wie wahre Profis"

Viele der Tiere starben während der Testflüge - darunter die Hunde Bars und Lisitschka, die drei Wochen vor Belka und Strelka in den Weltraum geschossen wurden. Sie starben, weil ihre Rakete Sekunden nach dem Start explodierte. Der Raumfahrt-Ingenieur Boris Tschertok, der damals an der sowjetischen Weltraum-Mission beteiligt war, wusste nach eigener Aussage, dass der nächste Versuch mit Belka und Strelka zum Erfolg führen würde. "Die Hunde verhielten sich wie wahre Profis", pflichtete ihm sein Kollege Wladimir Zwetow im russischen Staatsfernsehen bei.

Die Ingenieure hätten Belkas und Strelkas Bellen während des Flugs mit Erleichterung aufgenommen und gewusst, dass sie wohlauf seien, erinnerte sich Tschertok. "Sie heulen nicht, sondern sie bellen - das heißt, dass sie zurückkommen", sagte ein Kollege laut Tschertok. Schließlich kam "Sputnik 5", in dem sich neben Belka und Strelka auch Mäuse, Ratten, Fliegen sowie Pflanzen und Pilze befanden, nach 25 Stunden und 17 Erdumrundungen sicher zurück.

Verfassung

Offiziellen sowjetischen Berichten zufolge fühlten sich die Tiere wohl an Bord. Nach Darstellung des Arztes Wladimir Jasdowski verlief das Experiment jedoch nicht ganz so reibungslos. Demnach war Belka während des Weltraumflugs sehr nervös. "Sie war unruhig, bellte und versuchte, die Sicherheitsgurte zu lösen", schrieb Jasdowski in seinem Buch über die Geschichte der sowjetischen Weltraummedizin. Medizinische Untersuchungen nach der Landung ergaben jedoch, dass beide Hunde in bester Verfassung waren.

Strelka gebar später sogar sechs Welpen, von denen eine dabei helfen sollte, die Beziehungen zu den USA während des Kalten Krieges zu verbessern. So schenkte der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow der Tochter des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy eine von Strelkas Welpen.

Belka und Strelka machen posthum sogar Film-Karriere. Im März feierte der erste russische Animationsfilm namens "Belka und Strelka: Star Dogs" Leinwandpremiere, darin wird die Geschichte der tierischen Raumfahrer erzählt. (APA/apn)

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