Belka und Strelka flogen am 19. August 1960 an Bord der "Sputnik 5" in den Weltraum
Moskau - Russland hat am Donnerstag den 50. Jahrestag einer berühmten
Weltraum-Mission gefeiert: Die Hundedamen Belka und Strelka waren am 19. August
1960 die ersten Hunde, die im Weltraumschiff "Sputnik 5" ins All starteten, die Erde umrundeten
und lebend zurückkehrten. Der Test mit den beiden Mischlingshunden diente damals
als wichtiger Schritt bei der Vorbereitung des ersten bemannten Weltraumflugs
mit Juri Gagarin am 12. April 1962. Zudem zementierte die Sowjetunion mit der
erfolgreich verlaufenen Mission ihre Vormachtstellung in der Raumfahrt.
"Die Aufgabe von Belka und Strelka bestand darin, die Raumsonde zu testen,
die Gagarin ins All brachte", sagte der russische Kosmonaut Alexander Lasutkin
am Donnerstag dem staatlichen Fernsehsender Rossija. Zuvor war im November 1957
erstmals Hündin Laika ins All geschossen worden. Belkas und Strelkas Vorgängerin
im Weltraum verendete jedoch kurz nach dem Start wegen der Überhitzung an Bord.
Nach intensiver Forschung waren sowjetische Raumfahrtingenieure 1960 in der
Lage, ein Raumschiff zu bauen, das einen Menschen ins All befördern und wieder
zurückbringen konnte. Für die Tests mussten Tiere herhalten. Hierfür wurden herumstreunende Mischlingshunde herangezogen, weil diese sich nach Ansicht der
Ärzte besser an die unwirtlichen Bedingungen anpassen konnten.
"Wie wahre Profis"
Viele der Tiere starben während der Testflüge - darunter die Hunde Bars und
Lisitschka, die drei Wochen vor Belka und Strelka in den Weltraum geschossen
wurden. Sie starben, weil ihre Rakete Sekunden nach dem Start explodierte. Der
Raumfahrt-Ingenieur Boris Tschertok, der damals an der sowjetischen
Weltraum-Mission beteiligt war, wusste nach eigener Aussage, dass der nächste
Versuch mit Belka und Strelka zum Erfolg führen würde. "Die Hunde verhielten
sich wie wahre Profis", pflichtete ihm sein Kollege Wladimir Zwetow im
russischen Staatsfernsehen bei.
Die Ingenieure hätten Belkas und Strelkas Bellen während des Flugs mit
Erleichterung aufgenommen und gewusst, dass sie wohlauf seien, erinnerte sich
Tschertok. "Sie heulen nicht, sondern sie bellen - das heißt, dass sie
zurückkommen", sagte ein Kollege laut Tschertok. Schließlich kam "Sputnik 5", in
dem sich neben Belka und Strelka auch Mäuse, Ratten, Fliegen sowie Pflanzen und
Pilze befanden, nach 25 Stunden und 17 Erdumrundungen sicher zurück.
Verfassung
Offiziellen sowjetischen Berichten zufolge fühlten sich die Tiere wohl an
Bord. Nach Darstellung des Arztes Wladimir Jasdowski verlief das Experiment
jedoch nicht ganz so reibungslos. Demnach war Belka während des Weltraumflugs
sehr nervös. "Sie war unruhig, bellte und versuchte, die Sicherheitsgurte zu
lösen", schrieb Jasdowski in seinem Buch über die Geschichte der sowjetischen
Weltraummedizin. Medizinische Untersuchungen nach der Landung ergaben jedoch,
dass beide Hunde in bester Verfassung waren.
Strelka gebar später sogar sechs Welpen, von denen eine dabei helfen sollte,
die Beziehungen zu den USA während des Kalten Krieges zu verbessern. So schenkte
der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow der Tochter des damaligen
US-Präsidenten John F. Kennedy eine von Strelkas Welpen.
Belka und Strelka machen posthum sogar Film-Karriere. Im März feierte der
erste russische Animationsfilm namens "Belka und Strelka: Star Dogs"
Leinwandpremiere, darin wird die Geschichte der tierischen Raumfahrer erzählt. (APA/apn)