Weiter Angst vor Atommüll im Naturparadies

19. August 2010, 18:42
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Bürgermeister von Oberplan setzt Hoffnung in neue tschechische Regierung

Linz - Es sei die Situation derzeit schwer einzuschätzen. Aber "zumindest ruhig" sei es in letzter Zeit rund um "die Sache" geworden. Jiøí Hùlka, Bürgermeister der kleinen Stadt Oberplan (Horní Planá) im Böhmerwald, klingt bei diesen Sätzen dennoch hörbar beunruhigt.

Mit gutem Grund: Droht doch dem Geburtsort von Adalbert Stifter unliebsame Nachbarschaft in Form eines atomaren Endlagers. Im Mai des Vorjahres wurde durch ein Gutachten der verantwortlichen tschechischen Behörde für die Deponierung von Atommüll (Súrao) bekannt, dass die Regierung in Prag bei ihrer Standortsuche ein staatseigenes Militärgebiet nahe Oberplan ins Auge gefasst hat - Der Standard berichtete. Konkret geht es um den Truppenübungsplatz Boletice nördlich von Oberplan am oberen Teil des Moldaustausees. Der Protest lies damals im Dreiländereck nicht lange auf sich warten. 111 Mühlviertler Euregio-Gemeinden verabschiedeten eine gemeinsame Resolution gegen das geplante Atomlager im Naturschutzgebiet, die postwendend nach Prag übermittelt wurde.

Post aus Oberplan

"Eine Antwort ist man uns bis heute schuldig geblieben" , ärgert sich Hulka. Mit ein Grund, warum der Bürgermeister die Resolution jetzt erneut zur Post getragen hat. Hulkas Hoffnungen liegen jetzt in der neuen tschechischen Regierung des konservativen Premiers Petr Neèas. "Vielleicht zeigt man sich jetzt gesprächsbereiter und erkennt, dass ein Endlager in einer Tourismusregion ein Wahnsinn ist" , hofft Hùlka. Was aber fraglich scheint, denn im Unterschied zur früheren Regierung des Premiers Mirek Topolánek beinhaltet das Programm des Kabinetts Neèas ein klares Bekenntnis zum Ausbau der Atomenergie: "Die Regierung wird die Errichtung von neuen Blöcken im Atomkraftwerk Temelín sowie eine Modernisierung des Atomkraftwerkes in Dukovany unterstützen" .

Womit wieder Oberplan ins Spiel kommt. Denn der Grund für die emsige, bereits im Jahr 1993 gestartete Suche der Prager Regierung nach einem atomaren Endlager liegt im geplanten Ausbau des südböhmischen AKWs um zwei Blöcke. Zentrale Voraussetzung im Genehmigungsverfahren ist eine entsprechende Entsorgungsmöglichkeit. Jährlich fallen in Tschechien 90 Tonnen stark radioaktive Mülls an.

Informationen über die Ausbaupläne Temelíns liegen übrigens derzeit öffentlich auf. Laut EU-Richtlinie muss Tschechien auch die Bürger in grenznahen Gebieten über den Ausbau des Atommeilers informieren. In Bayern passiert dies seit Anfang August, ab 26. August können die Oberösterreich 30 Tage lang Einblick in die atomare Zukunft beim Nachbarn nehmen. In Klagenfurt inszenierten zwanzig Greenpeace-Aktivisten am Donnerstag einen Atom-Probealarm mit Strahlenschutzanzügen, Geigerzählern und Sirenen. Der Protest richtete sich gegen den Bau von vier neuen Reaktoren in Norditalien. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD-Printausgabe, 20.08.2010)

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