Privat und Staat

19. August 2010, 18:25
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Sollte man neidvoll in die USA blicken?

Wenn Banker zusammenkommen, schrieb Oscar Wilde sinngemäß, reden sie über Kunst, Künstler übers Geld. Vor allem dann, wenn sie keines haben. Sollte man also, wie eine von A.T. Kearney erstellte Studie nahelegt, deshalb neidvoll in die USA blicken? Die Metropolitan Opera habe, so die Studie, nämlich 99 Prozent Eigenfinanzierungsanteil, das Metropolitan Museum immer noch 87 Prozent.

Das ist großartig, allerdings keine Messlatte für hiesige Verhältnisse (Staatsoper 47, Belvedere 56 und Albertina 59 Prozent Eigenfinanzierungsanteil). Abgesehen davon, dass das gesetzliche Rahmenprogramm geändert werden müsste, als da wären steuerliche Absetzbarkeit von Kunstsponsoring und -ankäufen sowie ein Anti-Korruptions-Gesetz, bei dem Sponsoren nicht mit einem Fuß im Kriminal stehen, wenn sie Geschäftspartner einladen, gibt es an der Fifth Avenue mehr Multimillionäre als in ganz Österreich. In den Empfehlungen der Studie - mehr internationale Vernetzung, mehr Attraktionen, professionelles Management - fehlt daher ein Millionärsansiedelungsprogramm.

Abgesehen davon herrscht(e?) in Europa seit der Aufklärung so etwas wie eine Kulturpflicht des Staates, staatliche Kunst und Kulturförderungen beruh(t)en auf einer Art moralischem Konsens. Herrscht Ebbe in der Staatskasse, droht auch die Moral auf Sparflamme gesetzt zu werden. Die Lösung heißt daher: mehr Privat, aber nicht weniger Staat. (Andrea Schurian / DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2010)

 

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