Murdochs Million empört Demokraten

20. August 2010, 18:51
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Medienmagnat spendet an Republikaner - Zweifel an politischer Unabhängigkeit von Nachrichtensender Fox bestärkt

Dem Leitmotto nach ist Sender Fox News "fair und ausgeglichen". Doch der Besitzer Rupert Murdoch spendete eine Million Dollar an die US-Republikaner.
Die Demokraten sind empört - da sie leer ausgingen.

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Eigentlich weiß jeder, woran er bei Rupert Murdoch ist. Der schwerreiche Magnat verehrt Ronald Reagan und Margaret Thatcher und hat nie ein Hehl aus seiner politischen Gesinnung gemacht. Sein Imperium reicht vom schrillen TV-Sender Fox News über das gediegene Wall Street Journal bis hin zur Londoner Times, allesamt konservative Stimmen. Dennoch sorgt eine Spende des Tycoons in den USA für helle Aufregung, verletzt sie doch alle Regeln des guten Geschmacks.

Eine Million Dollar hat Murdochs News Corporation der Vereinigung der republikanischen Gouverneure überwiesen - bereits im Juni, es wurde aber erst jetzt publik. Es ist, vor den Parlaments- und Gouverneurswahlen im November, einer der opulentesten Schecks, den eine der beiden großen Parteien einlösen konnte. Das allein hat die hitzige Debatte nicht vom Zaun gebrochen.

Vielmehr ist es die Tatsache, dass der Medienzar allein die Republikaner bedachte, während er die Demokraten leer ausgehen ließ. Üblicherweise lassen große Konzerne Geld in beide Richtungen fließen. Einerseits wollen sie nicht alle Eier in einen Korb legen, andererseits zumindest den Schein der Ausgewogenheit wahren.

Dass die News Corporation mit den ungeschriebenen Regeln bricht, treibt den Chef der demokratischen Gouverneursvereinigung prompt auf die Barrikaden. Im Interesse der Fairness, fordert Nathan Daschle, möge Fox bitte jedes Mal, wenn es über Wahlduelle um Gouverneursämter berichte, eine Notiz einblenden: "News Corp., das Mutterunternehmen von Fox News, spendete eine Million Dollar, um die demokratischen Gouverneure im November zu stürzen." Der liberale Blogger Eric Boehlert zeichnete ein Bild der Entrüstung, würde etwa die New York Times den Demokraten Barack Obamas ähnlich einseitig unter die Arme greifen. "Die Rechte würde ausflippen, und zwar mit höchster Lautstärke."

Murdoch und Obama verbindet eine lange Geschichte. Eine Zeit lang ließ der Tycoon durchaus Sympathien für den aufstrebenden Kandidaten erkennen, für den "Rockstar der Politik" , wie er ihn nannte. Sechs Monate vor dem Präsidentschaftsvotum des Jahres 2008 sagte der alte Mann Obamas Sieg voraus, den Sieg eines "hochintelligenten Menschen mit tollen Leistungen in Harvard" .

Heute lässt nichts mehr an Zuneigung denken. Bei Fox lassen konservative Moderatoren kein gutes Haar an der Regierung Obama. Kein neutraler Beobachter käme auch nur auf die Idee, von ausgewogener Berichterstattung zu reden. Glenn Beck, das Aushängeschild des Kanals, half der erzkonservativen Tea Party auf die Sprünge. Mit Sarah Palin und Mike Huckabee stehen zwei Republikaner bei dem Sender unter Vertrag, die sich 2012 ums Weiße Haus bewerben könnten. George W. Bushs Chefstratege Karl Rove und Ex-Sprecherin Dana Perino vervollständigen die Liste der Kommentatoren.

Eric Burns, ein bei Fox ausgeschiedener Medienkritiker, kommentierte die Debatte mit einem sarkastischen Satz. Er glaube den Kommentaren nicht, dass die Millionenspende den Sender noch weiter nach rechts treibe, denn: "Ich sehe nicht, wie das überhaupt möglich wäre." (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2010)

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    Medienmagnat Rupert Murdoch führt seine Sender und Zeitungen mit fester Hand. Der 79-Jährige australischer Abstammung – hier bei einem Treffen der Medienprominenz im US-Staat Idaho – gilt als strammer Konservativer.

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