USA und Saudis rittern um Einfluss

19. August 2010, 17:30
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Langsam läuft die Hilfe für Flutopfer international an - Saudi-Arabien und die USA machen einander den ersten Platz als Großspender streitig

Aber auch der Iran schickte als eines der ersten Länder Hilfslieferungen.

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Islamabad/Wien - Langsam kommt die Pakistan-Hilfe in Schwung: Von den laut Uno benötigten 358 Millionen Euro war bis zur Wochenmitte knapp die Hälfte beisammen. Die Länder stocken ihre Hilfen auf, auch die EU auf 70 Millionen Euro, wobei die Mitgliedsländer auch extra spenden, Deutschland etwa 25 Millionen. Aus Österreich gibt es 200.000.

Noch immer liegt die Spendenbereitschaft hinter den Bedürfnissen zurück, es hat jedoch so etwas wie ein Wettbewerb eingesetzt, wer am großzügigsten ist. Die USA pochten zuletzt darauf, der größte Spender zu sein, mit 59 Millionen Euro Bargeld und elf Millionen in Sachspenden. Der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, machte sogar ein Politikum daraus: Nicht die Chinesen oder die Iraner oder die EU würden am meisten geben, sondern - wie immer - die Amerikaner, sagte er laut Guardian.

Diese Rolle wurde den USAaber von Saudi-Arabien streitig gemacht - was, Meldungen der pakistanischen Zeitung Dawn zufolge, die USA prompt veranlasste, ihre Spendensumme ihrerseits auf 150 Millionen Dollar zu erhöhen. Zuvor hatten sich die Saudis mit 105 Millionen Dollar an die Spitze gesetzt, das allermeiste davon Sachspenden. Zusätzlich wurden in Saudi-Arabien privat 19 Millionen Dollar gesammelt.

Wie so oft lief die Hilfe aus den islamischen Ländern eher langsam an: Im Fastenmonat Ramadan ist man zwar besonders gebetsfreudig, die Bürokratie aber umso langsamer, zumal der Ramadan heuer in die heiße Jahreszeit fällt. Eines der ersten Länder, die Direkthilfe nach Islamabad schickten, war der Iran, allein in den ersten Tagen kamen an die 180 Tonnen an Lebensmitteln, Zelten und anderen Hilfsgütern.

Saudisches Missionsland

Dass Saudi-Arabien sich Pakistan gegenüber besonders großzügig erweist, entspricht der traditionellen politischen Verbundenheit - wobei saudi-arabisches Geld im armen Pakistan häufig Politikmittel war. Pakistan war und ist traditionelles Missionsland für den saudischen wahhabitischen Islam. Diese Mission ist dem offiziellen Saudi-Arabien jedoch immer mehr entglitten und in den privaten - und extremistischeren - Bereich abgewandert. Das wird auch jetzt, bei der Pakistan-Hilfe nicht anders sein: Die radikalen pakistanischen Gruppen, auch die Taliban, die den Flutopfern oft als Erste und am effizientesten helfen, können auf private Spenden aus den reichen sunnitischen Golfländern zählen.

Pakistan ist für Saudi-Arabien auch ein Verbündeter in seinem kalten Krieg mit dem Iran: Wenn etwa Iran Pakistan beschuldigt, den sunnitischen Terrorismus im iranischen Baluchistan an der pakistanischen Grenze zu unterstützen, dann meinen sie auch Saudi-Arabien. Und Baluchistan auf der pakistanischen Seite gehört zu den von der Flut betroffenen Gebieten, wo jetzt von Saudi-Arabien geholfen wird.

Auch der "Erzfeind" Indien hilft übrigens - was manche pakistanische Medien nicht davon abhält, Indien eine Mitschuld an den Überflutungen zu geben, weil es angeblich in die grenzüberschreitenden Flüsse Satluj und Beas mehr Wasser ablasse. Außerdem flammt soeben der Kaschmir-Konflikt zwischen den beiden Ländern wieder auf. Am Donnerstag kam es laut pakistanischen Medien zu Grenzgefechten. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2010)

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    Kein Abklingen der Flut in Pakistan: Mehr als vier Millionen Menschen sind ohne jedes Dach über dem Kopf.

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