Erkenne die faule Bank

19. August 2010, 17:18
16 Postings

Rasche Expansion, Arroganz, Prunksucht und Polit-Einfluss sind die stärksten Warnsignale für zukünftige Bankenpleiten

Ich konnte es damals nicht schreiben, weil es mir (und dem Standard) eine teure Kreditschädigungsklage eingebracht hätte, aber schon vor etwa fünf Jahren war ich überzeugt, dass die Hypo Alpe Adria einmal kollabieren wird – und habe es jedem, den es interessieren könnte, auch erzählt.

Was mich zu dieser Prognose verleitete, war die Mischung aus politischem Einfluss, rasanter Expansion, einer Geschichte undurchsichtiger Geschäfte in Kroatien (schon in der Tudjman-Zeit), und die Prunksucht des Vorstands.

Vor allem das luxuriöse Büro in der Wiener Innenstadt und die Bilder vom architektonisch beeindruckenden, aber völlig überdimensionierten neuen Hauptquartier in Klagenfurt ließen mich schon 2005 an den Aussichten dieser Bank zweifeln.

Erst später kamen die vertuschten Millionenverluste aus Swapgeschäften, die faulen Kredite am Balkan, und der totale Kollaps plus riesigem Kriminalfall. Überraschend war all das nicht.

Die Moral aus dieser Geschichte ist: Die langfristige Solidität von Banken lässt sich ganz gut an gewissen Indizien ableiten, die nicht in den Büchern stehen.

In der österreichischen Bankenszene waren mir auch die Intransparenz der Immofinanz und der Jonglierkünste ihres Chefs Karl Petrikovics suspekt, ebenso die fast schon peinliche, provinzielle Unbedarftheit von ÖVAG-Chef Franz Pinkl, der sich doch tatsächlich am Telefon mit „Pinkl Franz“ meldete. Bei der Übernahme der Investkredit war es spürbar, dass sich hier ein Kleiner übernahm, weil er unbedingt größer werden wollte.

Und mit der Investkredit erwarben die Volksbanken auch die Kommunalkredit, deren Chef Reinhard Platzer sich mehr für seine Kunstsammlung und gesellschaftliche Auftritte als für das Bankgeschäft zu interessieren schien – auch das war kein gutes Omen und hilft zu verstehen, warum die einst grundsolide Bank in Österreich das erste Opfer der Finanzkrise wurde. 

Was sind also die stärksten Warnsignale für zukünftige Bankenkrisen?

Rasche Expansion ist immer suspekt. Wenn ein Industrieunternehmen sehr schnell wächst, dann macht es meist etwas richtig. Banken aber lockern bloß ihre internen Kontrollen, um mehr Kredite zu vergeben.

Große Investitionen in eine teure Konzernzentrale sind meistens ein Zeichen, dass der Bank der Schein wichtiger ist als die Stärke der Bilanz. Nicht jede Bank muss in einem so vergammelten Gebäude residieren wie die Bank Austria lange Zeit an der Unteren Weißbergerstraße, aber äußere Schlichtheit sollte unter Bankern eine Tugend sein.

Auch die Persönlichkeit des Vorstandschefs ist wichtig. Ist er abgehoben, arrogant und spricht er in nichtssagenden Klischees, dann verbirgt sich dahinter oft eine fehlgeleitete Strategie und möglicherweise bereits große Verluste. Wer wissen will, warum die Bawag praktisch pleite ging, muss sich nur an Helmut Elsners Stil erinnern.

Und politische Einflussnahme – das gilt für Kärnten genauso wie für Niederösterreich oder die deutschen Bundesländer– verleitet oder zwingt Banken zu Entscheidungen, die sich langfristig meistens als schädlich erweisen.

Rückblickend nützen diese Einsichten nichts mehr, aber für zukünftige Bankenkrisen bieten diese Kriterien zumindest gute Anhaltspunkte für stichhaltige Prognosen.

Share if you care.