USA

Drei Hinrichtungen nach falschen Blutspuren

19. August 2010, 17:31

Labor in North Carolina lieferte über Jahre falsche oder unvollständige Resultate

Washington - Der Untersuchungsbericht des FBI wird North Carolinas Anwälte, Richter und Staatsanwälte noch Jahre beschäftigen: 190 Verurteilungen, teilweise wegen Mordes, müssen überprüft und vielleicht neu verhandelt werden. Der Grund: Über mehrere Jahre hat das Labor des State Bureau of Investigations bei Tatortuntersuchungen falsche oder unvollständige Ergebnisse geliefert.

80 Menschen, vier davon zum Tode verurteilt, können nun zumindest hoffen, wieder freizukommen. Für drei Verurteilte kommen die neuen Erkenntnisse zu spät: Sie wurden bereits hingerichtet.

Begonnen wurde die Untersuchung im Februar nach der Begnadigung Greg Taylers, der 17 Jahre im Gefängnis gesessen war - für einen Mord, den er nicht begangen hat. Special Agent Duane Deaver, der die Tatortspuren im Labor untersucht hatte, hatte in seinem Bericht verschwiegen, dass Blutspuren in Taylors Auto sich nach genaueren Tests als andere Flüssigkeit herausgestellt hatten.

Zwei FBI-Agenten wurden daraufhin damit beauftragt, über 15.000 Gutachten zu überprüfen, das Deavers Labor zwischen 1987 und 2003 erstellt hatte. "Der Bericht ist beunruhigend und beschreibt eine Praxis, die inakzeptabel war und ist", sagt Roy Cooper, oberster Strafverfolger North Carolinas und Initiator der Untersuchung. Die Vorwürfe der Ermittler sind in allen Fällen ähnlich: Die Ergebnisse von Bluttests wurden zurückgehalten oder falsch berichtet.

Testergebnisse verschwiegen

Erste Tests, die noch am Tatort klären sollen, ob es sich bei bestimmten Spuren um Blut handelt, gelten als sehr unzuverlässig. Im Labor werden daher immer weitere, genauere Tests der Flüssigkeit vorgenommen. Deaver und seine Kollegen sollen in den beanstandeten Fällen verschwiegen haben, dass die zweiten Tests andere Ergebnisse lieferten als die ersten. Acht Labormitarbeiter sollen solche falschen Berichte geliefert haben, vier arbeiten immer noch für das SBI.

In fünf Fällen soll Deaver in seinem Bericht sogar behauptet haben, die Testergebnisse seien gleich gewesen - obwohl sie unterschiedlich waren. Nach der Veröffentlichung des Berichts wurde er umgehend suspendiert. "Meine Chefs haben mir aufgetragen, den Bericht so zu schreiben", gab er zu Protokoll.

Der Bericht bestätigt diese Aussage teilweise. Schuld sei "eine Geisteshaltung des Sektionschefs, der die Staatsanwaltschaft als Kunden des Labors sah und daher der Meinung war, Berichte sollten vor allem nach den Bedürfnissen der Staatsanwaltschaft geschrieben werden."

Dabei seien die unterschiedlichen Ergebnisse nicht einmal versteckt worden: "Jeder, der Zugang zu den Labornotizen hatte, hätte die Ungereimtheiten entdecken können", steht in dem Bericht. Es sei nicht gesichert, dass aufgrund der zurechtgebogenen Laborergebnisse Unschuldige verurteilt wurden - allerdings könnten aufgrund der Testergebnisse Geständnisse von Angeklagten oder das Strafmaß beeinflusst worden sein, schreiben die Agenten.

Bereits vor einigen Wochen hatte eine Lokalzeitung in North Carolina darüber berichtet, dass andere SBI-Agenten unwissenschaftliche Ermittlungsergebnisse im Sinne der Staatsanwaltschaft geliefert hätten. SBI-Direktorin Robin Pendergraft war daraufhin entlassen worden. (tob, DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 208
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Heavyweather
10
22.8.2010, 21:41

Oft hat man ein Pech.

Ludwig - Vogelstrauß
00
21.8.2010, 18:58
Weil viele jetzt von der Todesstrafe reden ...

Dass der CSI-Traum allmählich ausgeträumt ist, ist nur ein sehr schwächliches Argument gegen die Todesstrafe, das nur bei jenen zieht, die sich nicht vorstellen wollen, was es bedeutet, Jahrzehnte eingesperrt zu sein.
Das Problem rührt an viel grundsätzlicherem: die Möglichkeit, aufgrund eindeutiger Fakten Entscheidungen zu fällen und Strafen zu verhängen.
Wenn DelinquentInnen nicht mehr hingerichtet werden, bleibt die Frage nach "Fakten", die zu ihrer Verurteilung und Inhaftierung führen, trotzdem bestehen. Hier ackern also 2 Agenten 15000 Gutachten ab. Nimmt man den Begriff der Gerechtigkeit überhaupt noch ernst, zieht damit eine Krise der Rechtsprechung und ihrer Ökonomie wie der proklammierten Notwendigkeit von Urteil und Strafe auf.

Kapitalismus Luege
00
20.8.2010, 23:03
nur ein O.J. Simpson kan eine falsche Blutspur wegbiegen

Paul Muad'Dib
 
01
20.8.2010, 19:52

für alle, die glauben, dass es so herrlich ist in amerika's gefängnissen:

www.deadmantalking.com

mir ist bewusst, dass er, obwohl er immer schreibt, dass er nicht für sich plädiert, es trotzdem auf sehr schlaue und subtile weise tut

einfach mal die zeit nehmen und lesen..

Seriöser Hütchenspieler
10
25.8.2010, 12:39

Wikipedia zu Dean Carter: "Im März 1984 folterte, vergewaltigte und ermordete er innerhalb weniger Tage fünf Frauen."

Kümmert mich null, wenn sie den auf den Stuhl schnallen.

I. O.
07
20.8.2010, 15:36
Für drei Verurteilte kommen die neuen Erkenntnisse zu spät: Sie wurden bereits hingerichtet.

..Darum keine Todesurteile mehr!

kalinka karechta
60
20.8.2010, 15:27
Man darf ein erfolgreiches System wegen ein paar Einzelfällen nicht umstoßen!

Nicolas Castillo
01
22.8.2010, 11:03
na ...

bleibt nur zu hoffen, dass man Ihnen nicht auch eines Tages fälschlicherweise an's Fell will. Dann würden Sie diesen Aussage wohl so nicht mehr tätigen.

Paul Muad'Dib
 
02
20.8.2010, 19:41
warum regt ihr euch so auf?

hier ist die situation doch vollkommen klar:

entweder sarkasmus
oder troll..

lili II
02
20.8.2010, 18:04
erfolgreiches system????????

sie träumen von warmen eislutschern!!!!!

die strafverfolgung in den usa, und vorallem die totesstrafe ist so ineffizient wie nur irgentwas.

Andreas Prucha
01
20.8.2010, 16:58

Das meinst jetzt aber nicht ernst, oder?

Meiner Ansicht nach sollten die verantwortlichen Mitarbeiter dort lebenslänglich bekommen, wenn sich herausstellt, dass irgendwer aufgrund eines wissentlich falsch dargestellten Beweises hingerichtet wurde. Fehler sind nie ganz zu vermeiden, aber wenn hier absichtlich was getrickst wurde, haben die Leute jemand Anderen auf dem Gewissen. Weil letztendlich ist es egal, ob jemand eine Person erschiesst, oder man Beweise fälscht und die Person daraufhin hingerichtet wird.

.oOo. /|||||||\ .oOo.
00
20.8.2010, 15:13

Vierfache Todesstrafe nun für Special Agent Duane Deaver + Chefs, Robin Pendergraft unva.? Ist ja eigentlich auch Mord (psychisch+pysisch) mit Vorsatz.

hier könnte ihr name stehen
02
20.8.2010, 13:41
Und in der Schweiz ist eine Volksinitiative in Vorbereitung,

die die Todesstrafe bei "Mord mit sexuellem Missbrauch" fordert. Siehe: http://www.nzz.ch/nachricht... 67849.html
oder http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/s... y/25971618
Bedenkliche Zeiten...

Mormoloc
00
20.8.2010, 13:57
Und die "Argumente" der Befürworter in den Kommentaren... I kotz and doppelkotz!

TrueFalse
00
20.8.2010, 13:37
Wie kann man als Labormitarbeiter

noch Nachts ruhig schlafen wenn man weiS, dass man einem vielleicht Unschuldigen eine Todestrafe oder Lebenslaenglich verschafft hat...

sepperl gorge
110
20.8.2010, 13:05
Hierzu ein passendes Zitat:

"Ich bin für die Todesstrafe. Wer schreckliche Dinge getan hat, muss eine angemessene Strafe bekommen. So lernt er seine Lektion für das nächste Mal."
- Britney Spears

Bepoaz (Be)ster (Po)ster (A)ller (Z)eiten
00
20.8.2010, 17:46
...fürs nächste Leben...

Militanter Pazifist
01
20.8.2010, 13:22

Na dann, Todesstrafe für die Brittnäh. Noch schrecklichere Dinge als deren "Gesangskunst" gibt es kaum.

ill sagt der hausverstand
 
00
21.8.2010, 04:58

Singen kann sie ja, aber über das Niveau der Lieder kann man streiten...

Kelborn
04
20.8.2010, 12:18

Dazu immer wieder interessant: Das Buch "Ich gegen Amerika" von Reinhard Berkau (http://amzn.to/dyDQ4p). Ein deutscher Anwalt gerät in das Räderwerk der US-Justitz und erlebt sein blaues Wunder mit der Justitz-Industrie in den USA, die durch privatisieren von allem entstanden ist und fröhliche Urstände feiert! Lesenswert und informativ!

Pandoras_Box
 
01
20.8.2010, 12:10

Abartig.

buln, wollt ihr ewig leben?
01
20.8.2010, 11:29

collateral damage

Johannes St.
 
03
20.8.2010, 10:52
ein riesiger Skandal

ein Grund mehr für die Abschaffung der Todesstrafe

mstislav raskachlovitsch
00
20.8.2010, 10:25
Habe CSI sowieso immer schon angezweifelt.....

durazell
128
20.8.2010, 10:10
Das ist DER Grund, warum die Todesstrafe niemals eine Option sein kann

Niemals

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