Glücksspiel

Russisches Las Vegas floppt

Verena Diethelm, 19. August 2010, 17:05

Die Glücksspielzonen sind alles andere als ein Erfolg. Nun wird über die Verlegung der Kasinostadt nach Sotschi nachgedacht

aus dem Boden gestampft werden. Doch die Realität sieht mehr als ein Jahr nach dem offiziellen Start der Glücksspielzone Asow-Stadt ein wenig anders aus. Bisher hat nur ein Kasino eröffnet.

In der Region Krasnodar wird daher bereits überlegt, ob man die Glücksspielzone nicht vielleicht verlegen sollte: an einen Ort, an dem es etwas mehr Infrastruktur und Touristen gibt. Angedacht wird laut russischen Zeitungen derzeit die Verlegung in die Schwarzmeer-Badeorte Anapa oder Sotschi.

Bitte um Verlegung

Der Gouverneur von Krasnodar, Alexander Tkachjow, hat daher bereits einen Brief mit der Bitte um die Verlegung von Asow-Stadt an den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew gerichtet. Die Glücksspielzone sei zu weit weg von größeren Städten, um Gäste und Investoren anzuziehen. Der Präsident hat die Regierung beauftragt, den Vorschlag zu prüfen.

Asow-Stadt ist eine der vier offiziellen Glücksspielzonen in Russland. 2006 erließ der damalige Präsident Wladimir Putin, der das Glücksspiel als "Alkoholisierung des Volkes" bezeichnete, ein Gesetz, wonach die Zockerei in Russland ab 1. Juli 2009 mit der Ausnahme von vier Sondergebieten verboten ist.

Trotz der jüngsten Schließungspläne ist Asow-Stadt noch die erfolgreichste Spielzone. Die Grundstücke des Kaliningrader Zockergebiets werden schon seit zwei Jahren erfolglos zum Verkauf angeboten.

In der Zone "Sibirische Münze" im Gebiet Altai wurden zwar bereits Interessenten für zwei Grundstücke gefunden, es wird aber damit gerechnet, dass dort die ersten Kasinos erst in frühestens drei Jahren ihre Pforten öffnen. Am weitesten zurück ist die Region Primorje ganz im Osten Russlands. Dort hat man sich noch nicht einmal auf die Grenzen der Glücksspielzone geeinigt.

Neues Gesetz wird umgangen

Insider kritisieren, dass das neue Glücksspielgesetz nicht funktioniert. Die meisten Kasinos werden einfach im Untergrund weiterbetrieben oder versuchen das Gesetz zu umgehen, indem sie sich nun Lotterieklub nennen. Laut Anatolij Kusnezow, Präsident des Glücksspielkonzerns Korston, gebe es in Moskau seit dem Glücksspielverbot fast doppelt so viele Kasinos wie zuvor, berichtete die russische Zeitung Nowyje Iswestija.

Man habe sich verkalkuliert, gab auch der Duma-Abgeordnete Gennadij Gudkow zu. Die Behörden rechneten damit, dass die Kasinobetreiber die Glücksspielzonen aus eigener Kraft aufbauen würden.

In Asow etwa hat die örtliche Regierung zwar 2000 Mio. Rubel (rund 4,4 Mio. Euro) in die Infrastruktur wie Strom, Gas und Wasser investiert, die geschätzten acht Mrd. Dollar, die nötig wären, um aus den Sonnenblumenfeldern tatsächlich eine Art Las Vegas zu machen, sollten von den privaten Investoren kommen. Die haben es jedoch vorgezogen, Kasinos im benachbarten Weißrussland oder in der Ukraine zu bauen. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.8.2010)

 

Kommentar posten
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Aux Armes Citoyens!
00
23.8.2010, 09:27
jaaa...

die russen sollten irgendeinen altgedienten spö-politiker anrufen und um rat fragen. die nehmen pro gespräch so im schnitt €75.000.-, lächerlich.

DschiEm
00

Der Grasser wäre da besser und auch teurer, .....

Sepp Rosi
12
20.8.2010, 11:52
Hr. Gusenbauer

sie sollen den hr. gusenbauer zu hilfe rufen, der kann
alles richten... ja dumaju tavarisch chrascho!
aber zuerst die kostenfrage klären, es kann nämlich teuer werden.

Gary Grantscherbn
00
20.8.2010, 12:02

sehr sinnvoller Beitrag...

system1
00
20.8.2010, 10:04
nach 1 jahr verlieren die schon die nerven?

was haben die geglaubt? dass nach 2 wochen schon schwarze zahlen da sind? welche versager planen sowas? realistisch muß man 10 jahre zeit nehmen für sowas....

Advaita0
00
20.8.2010, 15:14
ach so? Na dann fragens mal in Macao nach, wie das dort funktioniert

Nessus
00
20.8.2010, 11:34
Es geht um die Bauwirtschaft

Bei Großprojekten kann bestens abgecasht werden. Ob das Gebaute dann überhaupt gebraucht wird, ist wurscht. Was kann es da besseres geben, als nach einem Flop woanders wieder neu zu bauen, immer wieder? Profit ohne Ende...

Perseus0
 
00
20.8.2010, 07:55
Logisches Investment

Ehrlich gesagt glaube ich, dass die Russen andere Probleme haben als ihr Geld auch noch zu verspielen. Und die Oligarchen die es gibt, die fliegen sowieso nach Las Vegas sofern sie dort nicht schon einen Nebenwohnsitz haben.

Aux Armes Citoyens!
01
23.8.2010, 09:29
voll daneben

je ärmer die menschen, umso mehr geld geben sie für den schnellen gewinn aus. sehen sie sich die ausländer in österreich an, unter denen viele hilfsarbeiter sind: die wettbüros leben zu 80% von denen. die füttern die automaten bis zum finanziellen exodus.
balkan, türkei, griechenland, polen, tschechien: nirgendwo wird soviel gezockt wie in solchen ländern.

Advaita0
00
20.8.2010, 15:15
Monte Carlo, Monte Carlo geht auch ohne US-Immigrationprobleme

Gary Grantscherbn
00
20.8.2010, 12:02

so kann man auch falsch liegen...

Blick Winkel
00
20.8.2010, 09:46
Auch eine Frage der Mentalität und Gewohnheiten

Die Pferderennbahn vom Herrn Strohsack war auch ein Megaflop, obwohl solche Bahnen in Amerika ein sicherers Geschäft sind. Man kann nicht einfach jedes System 1:1 kopieren. Auch der Zeitpunkt selbst ist denkbar ungünstig, wenn viele Russen ums tägliche Überleben kämpfen werden sie wohl kaum ins Casino gehen.

Aux Armes Citoyens!
00
23.8.2010, 09:31
warum sollten

hardcore spieler auch auf die rennbahn gehen? im wettbüro haben sie rennen auf video oder auch life aus der ganzen welt rund um die uhr, da wird gezockt auf hunde und pferde im minutentakt.

Perseus0
 
00
20.8.2010, 11:19

gebe dir vollkommen Recht

tatsaechlich
00
20.8.2010, 01:00
Wie man...

in die Ukraine, wo ein ähnliches Projekt läuft und kein Automat weit breit steht, ausweichen kann ist mir doch ein Rätsel.

nussbaum2.0
01
19.8.2010, 23:03

Kurzsichtig zu meinen, dass Verbote das Erwünschte bringen... vor allem bei dieser Branche.

und @WING1977: ja, die russen sind möglicherweise das tolpatschigste Volk, Lebensqualität in Russland geht zwar gegen Null, dafür ist aber die russische Seele eine der wunderbarsten.

Kristoph abi
20
20.8.2010, 09:18
russ.seele...lol........was meinst du damit? die frauen die leicht gehen? lol

Jan Sommer
10
20.8.2010, 09:09
Ja - der gewünschte Erfolg ist prompt eingetreten:

Die organisierte Kriminalität hat endlich wieder ihr illegales Metier mit allen seinen Vorteilen, erspart sich Milliarden an Steuern und wird kräftig mithelfen, dass Freund Putin möglichst lange an der Macht bleibt.

Eine der allerwichtigsten Kräfte im Land, die allgegenwärtige russische Mafia, haben die derzeitigen Machthaber dadurch für sich gewonnen.
js

Adolf Ogi
00
20.8.2010, 02:42
russische Verbote

werden im Normalfall etwa ernster genommen als unsere, sonst würde der Novomatic-Chef schon in Sibirien schmachten.

Blick Winkel
00
20.8.2010, 09:52
...mal abgesehen

von der leichten Korruption bei Behörden und Regierung. "Russische Verbote" sind schon ein sehr dehnbarer Begriff.

Jan Sommer
00
20.8.2010, 09:11
Dem habens lange vorher schon, genauso wie dem Casino Wallner,

alles was die dort aufgebaut haben, ganz "freundlich" wieder abgenommen !
js

Alfred Busenschauer
01
19.8.2010, 21:42

Da fehlt das Satzzeichen am Ende der Überschrift und Teile des ersten Absatzes.

Wirtueller
01
20.8.2010, 14:10

Verspielt im CopyAndPaste-Casino.

WING1977
01
19.8.2010, 21:13

Die Russen sind halt wie so oft ein tolpatschiges Volk.

fangdenhut
01
19.8.2010, 20:21

Nun, wenn der Wladimir Wladimirowitsch tatsächlich das Glücksspiel unterbinden wollte, wird er sich schon was dabei gedacht haben, als er die Sonderzonen in die unattraktivsten Gebiete gelegt hat. Dass der Schuss nach hinten los gegangen ist, ist halt eine andere Sache.

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