Großer Bahnhof für Mitbewohner

19. August 2010, 17:07
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Am Wiener Nordbahnhof-Gelände wird erstmals ein gefördertes Wohnprojekt speziell für Wohngemeinschaften errichtet

Das ehemalige Nordbahnhof-Gelände zählt mit insgesamt 75 Hektar zu den wichtigsten innerstädtischen Entwicklungsgebieten Wiens. Auf dem riesigen Areal nördlich des Pratersterns im 2. Bezirk soll bis 2025 in mehreren Etappen ein neuer Stadtteil mit Wohnungen für rund 20.000 Menschen sowie Büros, Handels- und Dienstleistungsbetrieben entstehen.

Erste Projekte wurden bereits realisiert, etwa das Bürogebäude "e-zone" oder die Wohnbauten "Bike City" und "Time2Live" direkt an der Vorgartenstraße. Für einen weiteren Bauteil fand 2008 ein Bauträgerwettbewerb für rund 700 Wohnungen und 400 Heimplätze statt.

Junge, Alleinerziehende, Künstler, Senioren

Leitthema war dabei "Junges und kostengünstiges Wohnen", und eine der interessantesten Anlagen wird seit 5. Juli (offizieller Spatenstich) vom Österreichischen Siedlungswerk (ÖSW) errichtet. Gemeinsam mit dem Architekturbüro BEHF realisiert der Bauträger nämlich unter dem Namen "CITYCOM₂" nicht nur 98 geförderte Wohnungen, sondern auch 42 geförderte Wohngemeinschaften. "Zielgruppe dafür sind einerseits junge Menschen, die das erste Mal das elterliche Nest verlassen und daher auf eine besonders kostengünstige Wohnform angewiesen sind. Aber auch alleinerziehende Elternteile mit Kindern, Künstler, Senioren, die nicht alleine wohnen möchten, und andere homogene Zielgruppen können hier ihr neues Zuhause finden", erklärt ÖSW-Vorstand Michael Pech.

Jeder ist ein Hauptmieter

Anders als bei den gleichzeitig errichteten Appartments (siehe letzter Absatz) braucht man keine Eigenmittel, um in eine der 3er-, 4er-, 5er- oder 6er-WGs einzuziehen. Der Mietpreis pro Quadratmeter beträgt dafür relativ hohe 8,49 Euro. Die Gesamtmiete pro Bewohner errechnet sich aus der Größe des eigenen Zimmers sowie dem entsprechenden Anteil an den Gemeinschaftsräumen. Sollte das eine oder andere Zimmer in einer WG einmal leer stehen, wird das nichts an den Mietpreisen der anderen Bewohner ändern, versichert ÖSW-Sprecherin Daniela Fiedler.
Außerdem wird es nicht zu verworrenen rechtlichen Situationen kommen, wie in WGs mit einem Haupt- und mehreren Untermietern oft üblich: Jeder einzelne Bewohner wird einen eigenen Mietvertrag bekommen und damit Hauptmieter sein, so Fiedler im Gespräch mit derStandard.at.

Loggia und Fahrradwerkstatt

Die großzügig bemessene Wohn-Küche, welche "die Gemeinschaft fördern" soll, mehrere Sanitärräume als "Inseln" im Raum verteilt, ein allgemein zugänglicher Balkon und die Zimmer kasernenmäßig aneinandergereiht, mit jeweils einer privaten Loggia - so sieht etwa der Plan einer 6er-WG des ÖSW-Projekts aus (siehe Bild links). Die Wohnküchen sind voll möbliert, weitere Einrichtungen wie Fitnessraum und (schallgedämmter) Musikproberaum, Fahrradwerkstatt und Sauna sollen das Leben in der WG-Anlage so angenehm wie möglich machen.
Der Vertrieb für die WG-Zimmer beginnt Ende diesen Jahres. Beim ÖSW überlegt man bereits ein Konzept, "um zu gewährleisten, dass sich hier auch neue Leute finden und nicht nur bereits etablierte Gruppen die WGs beziehen".

Facebook und Twitter

Wie es sich für das Web 2.0-Zeitalter gehört, wurde für das Projekt auch eine eigene Website erstellt. Dort können sich Interessenten zunächst über den Baufortschritt informieren. In weiterer Folge soll dort ein Intranet eingerichtet werden, über das etwa die Gemeinschaftsräume reserviert werden können und die Kommunikation mit der Hausverwaltung abgewickelt werden soll. Für die Gemeinschaftsräume wird vom Soziologen Raimund Gutmann (wohnbund consult) überdies ein Selbstverwaltungskonzept erstellt.

Um das Projekt in jüngeren Communities bekannt zu machen, durfte natürlich auch eine eigene Facebook-Seite nicht fehlen, Infos gibt es aber etwa auch über Twitter.

Appartments bereits in Vergabe

In den ebenfalls vom ÖSW errichteten Appartmenthäusern finden sich klassische 2-, 3- oder 4-Zimmer- Wohnungen, die ebenfalls kostengünstiges Wohnen für Einzelpersonen oder Jungfamilien ermöglichen sollen. Hier läuft die Vergabe bereits, die Preise betragen im Durchschnitt 7,05 Euro pro Quadratmeter, zusätzlich sind 223 Euro/m² an Eigenmitteln zu zahlen. Die Gesamtbaukosten betragen 21 Millionen Euro, die Stadt fördert das ÖSW-Projekt mit 7,4 Millionen Euro. (map, derStandard.at, 18.8.2010)

Links

www.citycom2.at

ÖSW

Wissenswertes zur Entwicklung des Nordbahnhof-Areals auf der Website der Stadt Wien

  • So soll das Projekt "CITYCOM₂" einmal aussehen.
    bild: ösw / behf architekten

    So soll das Projekt "CITYCOM₂" einmal aussehen.

  • Grundriss einer 6er-WG des ÖSW-Projekts: Gesamtnutzfläche 241 m², die Zimmer haben zwischen 14 und 16 m².

    Grundriss einer 6er-WG des ÖSW-Projekts: Gesamtnutzfläche 241 m², die Zimmer haben zwischen 14 und 16 m².

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