"Torfabrik" erhitzt die Gemüter

19. August 2010, 16:10
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DFL startet mit Einheitsball in die Saison - Der baugleiche Nach­folger von Jabulani löste heftige Kritik aus

Frankfurt/München - Ab Freitag 20.30 Uhr, wenn die 48. Saison mit dem Schlager zwischen Meister Bayern München und Vorgänger VfL Wolfsburg angepfiffen wird, dreht sich in der deutschen Bundesliga wieder alles um ihn - den Fußball. Das neue Spielgerät, ein Einheitsball aus dem Hause adidas namens "Torfabrik", sorgte schon im Vorfeld für heiße Diskussionen. Die Trainer sprechen von einer Regeländerung, die Torhüter sind in ihrem Urteil gespalten und die Liga erwartet eine Torflut. 

Folgen

"Der Ball erschwert die Arbeit der Spieler massiv und sorgt wegen der Unberechenbarkeit für ein neues Spiel", meinte zum Beispiel Thomas Tuchel, der Coach des FSV Mainz und damit auch von Andreas Ivanschitz und Christian Fuchs. Ralf Rangnick, der bei der TSG 1899 Hoffenheim Andreas Ibertsberger und Ramazan Özcan unter seinen Fittichen hat, ist überzeugt davon, dass der Ball das Spiel verändert wird. "Für mich ist das wie eine Regeländerung."

Nach den heftigen Debatte während der WM in Südafrika, wo der "Jabulani" für einige Kapriolen gesorgt und Unmutsäußerungen hervorgerufen hatte, steht im Land des WM-Dritten abermals die "Kugel" im wahrsten Sinn des Wortes im Mittelpunkt des Interesses. Sie ist 440 Gramm schwer und hat einen Umfang von 69 Zentimetern. Damit ist die "Torfabrik" baugleich mit dem "Jabulani", nur im Design gibt es einen Unterschied.

"Absolut unberechenbar"

Vor allem die Torhüter machen sich Sorgen, dass ihnen Patzer passieren könnten. Der Ball sei "absolut unberechenbar", schimpfte Dortmund-Keeper Roman Weidenfeller. Bayerns Torwart Jörg Butt versucht dagegen das Positive an der Entwicklung zu sehen. "Das Gute am Einheitsball ist ja, dass an jedem Wochenende mit ihm gespielt wird", sagte Butt, der am Freitag (20.30 Uhr/live ARD und Sky) als einer der Ersten mit dem neuen Ball in Berührung kommt.

Tuchel stimmte dem erfahrenen Torhüter in dieser Hinsicht zu. "Wir bei Mainz 05 sind ein klarer Verfechter des Einheitsballs. Er ist schon längst zwingend notwendig", sagte der FSV-Coach. "Mit dem Produkt allerdings sind wir sehr unzufrieden", fügte der Trainer hinzu. "Torhüter und Feldspieler haben ihre Schwierigkeiten bei der Pass- und Schusstechnik sowie beim Flanken. Der Ball ist schwer zu kontrollieren", bemängelte er.

Experten erwarten durch die Änderung einen weiteren Anstieg der Torquote. In der vergangenen Saison, als jeder Verein noch mit dem Ball seines Ausrüsters spielte, fielen im Schnitt 2,83 Treffer pro Spiel. Die Bundesliga ist beim Einheitsball insgesamt ein Spätstarter. In den Topligen Englands, Spaniens und Italiens ist dies schon seit Jahren Standard. "Die Einführung eines offiziellen Balls ist ein großer Schritt für die Liga. Wir schaffen einheitliche Wettbewerbsbedingungen und machen die Marke Bundeslga anfassbarer", sagte DFL-Chef Reinahard Rauball. (APA/dpa)

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    Shakira mit "Jabulani", der sich nur äußerlich von "Torfabrik" unterscheidet.

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